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Notwendige Überarbeitung der neuen HEUBECK Richttafeln 2018 G

Pensionsrückstellungen, Richttafeln, Bewertungsparameter, HEUBECK, biometrische Annahmen
Autor: Prof. Dr. Christian Zwirner

Am 20.07.2018 hat die HEUBECK AG ihre aktuellen Richttafeln (RT 2018 G) veröffentlicht. Mit Datum vom 26.09.2018 hat die HEUBECK AG angekündigt, dass diese Tafeln nochmals überarbeitet werden müssen, da zwischenzeitlich Inkonsistenzen in Bezug auf die verwendeten Datengrundlagen festgestellt wurden. Dies dürfte zu einer Reduktion des bisher angenommenen Anstiegs der Pensionsverpflichtungen führen.

Pensionsrückstellungen stellen seit Jahren den deutschen Mittelstand immer wieder vor neue Herausforderungen. Mit dem BilMoG kam die Abkehr von dem bis dahin auch handelsrechtlich üblichen Zinssatz von 6 % und es muss seitdem im HGB-Abschluss eine Abzinsung mit einem immer weiter sinkenden Zinssatz erfolgen. Das Ergebnis: seit Jahren steigende Pensionsrückstellungen in den Bilanzen. Neben dem Zinsniveau nimmt die Bewertung von Pensionsrückstellungen insbesondere Bezug auf biometrische Annahmen wie die Lebenserwartung. Am 20.07.2018 hatte die HEUBECK AG ihre aktuellen Richttafeln veröffentlicht und hierbei eine weiter angestiegene durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland sowie erstmals sozioökonomische Faktoren berücksichtigt. Auf Basis der aktualisierten Sterbetafeln wurden ein Anstieg der Pensionsverpflichtungen in der Steuerbilanz bis zu 1,5 % und nach HGB bzw. internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen von bis zu 2,5 % erwartet.

Nunmehr hat die HEUBECK AG bekannt gegeben, dass im Rahmen interner Auswertungen Inkonsistenzen in Bezug auf die verwendeten Datengrundlagen festgestellt wurden. Bei den im Juli 2018 veröffentlichten Sterbetafeln wurde der Trend zur Verbesserung der Sterblichkeiten und damit zur Verlängerung der Lebenserwartung um durchschnittlich 10 % überschätzt. Dadurch fallen die auf der Grundlage der RT 2018 G berechneten Pensionsrückstellungen insgesamt höher aus als bei durchgängig konsistenter Ableitung des Sterblichkeitstrends. Daher hat die HEUBECK AG beschlossen, die Richttafeln anzupassen und eine überarbeitete Version vorzulegen. Die erneut überarbeiteten Richttafeln sollen bis Mitte Oktober 2018 vorliegen.

Die aktuelle Pressemitteilung der HEUBECK AG finden Sie unter: https://www.heubeck.de/wp-content/uploads/2018/09/RT2018G-Pressemitteiliung.pdf

Die Richttafeln der HEUBECK AG werden in der Praxis regelmäßig als biometrische Grundlage für die Bewertung von Pensionsrückstellungen verwendet. Hierbei können die aktuellen Richttafeln grundsätzlich für die Bewertung von Pensionsverpflichtungen nach steuerlichen, handelsrechtlichen und internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen genutzt werden. Für die steuerliche Anerkennung der aktuellen Richttafeln RT 2018 G ist allerdings noch ein entsprechendes BMF-Schreiben notwendig.

Nach Ansicht des IDW sind die neuen Richttafeln im Ergebnis für handelsrechtliche Jahres- und Konzernabschlüsse anzuwenden, sobald sie allgemein anerkannt sind und bessere Schätzwerte darstellen als die bislang von den Unternehmen zugrunde gelegten Tabellenwerke. Dabei stellt die Anerkennung durch das BMF für ertragsteuerliche Zwecke – neben der Verwendung der neuen Richttafeln in der Praxis, vor allem durch die Aktuare – ein Indiz für die allgemeine Anerkennung der neuen Richttafeln dar. Die allgemeine Anwendung der derzeit noch in der Überarbeitung befindlichen Sterbetafeln wird sich nun ebenso wie deren Akzeptanz durch die Aktuare und das BMF verzögern.

Eine Erstanwendung auf den Jahres- und Konzernabschluss zum 31.12.2018 erscheint aus heutiger Sicht nach wie vor wahrscheinlich. Der Effekt auf die Bewertung der Pensionsverpflichtungen hängt von den unternehmensindividuellen Strukturen der Pensionsverpflichtungen ab. Neben Art und Umfang der Versorgungsregelung spielt insbesondere der Mix aus Versorgungsempfängern und Anwärtern eine große Rolle. Den Unternehmen ist zu raten, sich zeitnah einen Überblick über die Auswirkungen der geänderten biometrischen Richttafeln zu verschaffen. Insbesondere dann, wenn die Pensionsrückstellungen das Bilanzbild prägen, sollten die Effekte aus der Erstanwendung der neuen Richttafeln nach deren Veröffentlichung mit dem Aktuar besprochen werden.

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