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ESEF-Verordnung am 29.05.2019 im EU-Amtsblatt veröffentlicht

ESEF, ESMA, Digitalisierung, Finanzberichterstattung, Rechnungslegung, IFRS, XHTML
Autor: Prof. Dr. Christian Zwirner

Nach Ablauf der Widerspruchsfrist hat die Europäische Kommission die delegierte Verordnung (EU) 2017/815 am 29.05.2019 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Dem ging der sogenannte technische Regulierungsstandard (RTS), welcher von der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) erstellt wurde, voraus, welcher am 20.12.2018 verabschiedet wurde. Am 18.06.2019 ist dieser nunmehr als „ESEF-Verordnung“ in Kraft getreten.

Die ESEF-Verordnung zielt auf die Vereinheitlichung der Berichterstattung innerhalb der EU ab. Neben der einheitlichen Rechnungslegungssprache IFRS wird nunmehr auch die Berichterstattung standardisiert. Um eine maschinelle Analyse der Abschluss- bzw. Rechnungslegungsdaten zu ermöglichen, sind diese künftig elektronisch zu veröffentlichen. So wird die Voraussetzung für die Maschinenlesbarkeit geschaffen, sodass eine automatisierte Analyse der einzelnen Jahres- und Konzernabschlüsse ermöglicht wird. Insbesondere für Kreditgeber und Analysten stellt dies eine erhebliche Verbesserung zur aktuellen Publikationsform im PDF-Format dar.

Mit der ESEF-Verordnung werden alle börsennotierten Unternehmen verpflichtet, Abschlüsse für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2020 beginnen, in xhtml zu erstellen. In Deutschland betrifft dies auch handelsrechtliche Einzelabschlüsse börsennotierter Unternehmen. Für IFRS-Emittenten ergeben sich weitergehende Pflichten, wodurch bestimmte Finanzinformationen zu etikettieren (sogenanntes „Tagging“) sind. Die Etikettierung der entsprechenden Elemente basiert auf dem Inline Extensible Business Reporting Language (iXBRL)-Format. Hierdurch sind bestimmte Kennzahlen und Berichtsbestandteile zu markieren, wodurch diese unternehmensübergreifend vergleichbar sind.

Im ersten Schritt sind ab 2020 die Informationen der primären Abschlussbestandteile (Bilanz, Gesamtergebnisrechnung, Kapitalflussrechnung sowie Eigenkapitalveränderungsrechnung) und zehn Basisinformationen zum Unternehmen (bspw. Rechtsform, Sitz und Unternehmensnamen zu markieren. Im zweiten Schritt sind ab dem 01.01.2022 mehr als 200 weitere Anhanginformationen zu etikettieren.

Grundsätzlich erscheinen die Neuerungen durch die ESEF-Verordnung vordergründig technischer Natur zu sein. Doch in der Praxis ist davon auszugehen, dass sich hierdurch diverse bilanzielle Fragstellungen ergeben. U.a. muss eine sachgerechte Zuordnung der entsprechenden Konten erfolgen, ohne die eine ordnungsgemäße Umsetzung der Vorgaben des „Tagging“ unmöglich ist. Regelmäßig wird hierbei eine vollständige Umstellung der Konten notwendig sein, um diese dem zutreffenden ESEF-Taxonomieelement zuordnen zu können. Maßgeblich für die Etikettierung ist die sogenannte ESEF-Taxonomie, welcher auf der IFRS-Taxonomie 2017 beruht. Jüngst wurde eine Aktualisierung der ESEF-Taxonomie herausgegeben. Dies geschah vor dem Hintergrund der neuen IFRS-Standards wie bspw. der neuen Leasingbilanzierung nach IFRS 16. Die aktuelle Version mit Stand vom 27.03.2019 enthält alle für das Geschäftsjahr 2019 erforderlichen Taxonomieelemente.

Es ist damit zu rechnen, dass in der Praxis insbesondere die weitergehende Etikettierung ab 2022 zu großem Aufwand führen wird. Es ist daher sowohl Beratern als auch Bilanzierenden zu raten, sich zeitnah mit dieser Thematik auseinander zu setzen, um die Chancen des ESEF zu nutzen und Risiken zu vermeiden.

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