Suche

Kontakt

Nutzen Sie unser Kontaktformular oder rufen Sie uns an! Wir freuen uns auf Sie!

IDW Positionspapier zu Nichtprüfungsleistungen des Abschlussprüfers i.d.F. vom 05.11.2018

EU-Verordnung zur Abschlussprüfung, Nichtprüfungsleistungen, PIE, Black List, Aufsichtsrat, Prüfungsausschuss
Autor: Dr. Corinna Boecker

Im Zusammenhang mit der Unabhängigkeitsfrage bei Abschlussprüfern spielen die sogenannten „Nichtprüfungsleistungen“ – insbesondere bei sogenannten Public Interest Entities (PIE), d.h. Unternehmen von öffentlichem Interesse – eine bedeutende Rolle. Die abermals verschärften Anforderungen an die Trennung von Prüfung und Beratung aus der EU-Verordnung zur Abschlussprüfung gelten schon seit Juni 2016, sie werfen aber nach wie vor bei der Auslegung viele Fragen auf. Unklar ist es in Grenzfällen, ob eine Tätigkeit noch als Prüfungsleistung gilt oder eben nicht mehr. Liegt eine Nichtprüfungsleistung vor, muss darüber hinaus beurteilt werden, ob diese für den bestellten Abschlussprüfer verboten ist oder ob er sie erbringen darf. In Deutschland hat das IDW sich hierzu bereits frühzeitig in Positionspapieren zur EU-Regulierung der Abschlussprüfung geäußert, um der Berufspraxis Sicherheit zu geben. Die aktuelle Fassung dieses Positionspapiers zu den Nichtprüfungsleistungen des Abschlussprüfers stammt aus November 2018.

In der aktuellen Fassung des IDW Positionspapiers zu den Nichtprüfungsleistungen vom 05.11.2018 (vierte Fassung) greift das IDW auf mehr als 50 Seiten zahlreiche Fragen hierzu auf und gibt Hilfestellungen für die Anwendung der entsprechenden Vorschriften. Adressaten sind hierbei nicht nur die Abschlussprüfer, sondern auch Aufsichtsräte bzw. Prüfungsausschüsse. Diese müssen nämlich bei PIE zustimmen, sofern deren Abschlussprüfer gesetzlich zulässige Nichtprüfungsleistungen erbringen sollen (§ 319a Abs. 3 HGB). Damit nehmen der Aufsichtsrat bzw. sein Prüfungsausschuss eine sehr wichtige Rolle wahr im Zusammenhang mit der Überwachung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers.

In Artikel 5 Abs. 1 der EU-Verordnung zur Abschlussprüfung ist ein Katalog verbotener Nichtprüfungsleistungen, die sogenannte Black List, enthalten. Lediglich in bestimmten Fällen von Steuerberatungs- oder Bewertungsleistungen hat die EU den Mitgliedstaaten ein Wahlrecht eingeräumt, ihre Erbringung unter bestimmten Voraussetzungen doch zuzulassen. Hiervon hat Deutschland Gebrauch gemacht – was den Umgang mit der Abgrenzung von Nichtprüfungsleistungen sowie deren (Nicht-) Zulässigkeit in der Praxis zusätzlich erschwert. Die Black List umfasst folgende Tätigkeit und ordnet sie der Kategorie „verbotene Nichtprüfungsleistungen“ zu:

  • bestimmte Steuerberatungsleistungen,
  • Teilnahme an der Führung oder an Entscheidungen der betreffenden PIE,
  • Buchhaltung, Erstellung von Rechnungslegungsunterlagen und Abschlüssen,
  • Lohn- und Gehaltsabrechnung,
  • Mitwirkung bei Gestaltung oder Umsetzung interner Kontroll- und Risikomanagementverfahren mit Bezug zu finanziellen Informationen,
  • Bewertungsleistungen,
  • bestimmte juristische Leistungen,
  • Interne Revision,
  • bestimmte Leistungen im Zusammenhang mit der Finanzierung,
  • bestimmte Leistungen im Zusammenhang mit Aktien,
  • bestimmte Personaldienstleistungen,
  • Aufbau der Organisationsstruktur,
  • Kostenkontrolle.

Bestimmte Steuerberatungs- und Bewertungsleistungen können in Deutschland gemäß § 319a Abs. 3 HGB in Ausnahmenfällen vom Aufsichtsrat/Prüfungsausschuss genehmigt werden.

Im Positionspapier thematisiert das IDW deswegen zahlreiche Sachverhalte wie den rechtlichen Rahmen sowie Auslegungs- und Zweifelsfragen zur Überwachung der Erbringung von Nichtprüfungsleistungen und zum Verbot von Nichtprüfungsleistungen; auch finden sich Fragen und Antworten zu Auslegung und Zweifeln zum 70 %-Cap darin. Diese Begrenzung besagt, dass die Gesamthonorare für erlaubte Nichtprüfungsleistungen des Abschlussprüfers den Betrag von maximal 70 % des Durchschnitts der Honorare, die in den letzten drei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren für die Abschlussprüfung an den Abschlussprüfer durchschnittlich gezahlt worden sind, nicht übersteigen dürfen.

Ziel des Positionspapiers des IDW ist es, die in der Praxis regelmäßig auftretenden Zweifelsfragen zu beantworten und den Anwendern somit Sicherheit im Umgang mit den Regelungen zu geben.

In der nun vorliegenden vierten Fassung des IDW Positionspapiers zu den Nichtprüfungsleistungen sind insbesondere die folgenden neuen bzw. geänderten Inhalte hervorzuheben:

  • Diskussion der Frage, ab wann die Black List nicht mehr zu beachten ist, wenn das betreffende Unternehmen nicht mehr als PIE einzuordnen ist.
  • Klarstellung, dass bei Bagatellfällen von Verstößen gegen die Black List (d.h., wenn aufgrund der Geringfügigkeit aus dem Erbringen der Nichtprüfungsleitung keine Gefährdung der Unabhängigkeit resultiert) nicht von einer verbotenen Nichtprüfungsleistung auszugehen ist, sodass folglich keine Auswirkungen auf den Bestätigungsvermerk eintreten.
  • Klarstellung, dass im Bestätigungsvermerk alle erbrachten Nichtprüfungsleistungen – unabhängig davon, ob sie im Berichtsjahr abgeschlossen wurden oder darüber hinaus noch andauern – angegeben werden müssen, sofern sie im Abschluss bzw. im Lagebericht nicht benannt sind.
  • Ausweitung der Erläuterungen zu inhaltlichen Fragen rund um den „Cap“, d.h. die finanzielle Obergrenze, bis zu der bei erlaubte und vom Aufsichtsrat/Prüfungsausschuss genehmigte Nichtprüfungsleistungen bei PIE erbracht werden dürfen.

Alle betroffenen Personen bzw. Gremien sind gut beraten, sich mit den Inhalten des IDW Positionspapiers auseinanderzusetzen und auch die aktuellen Entwicklungen (weiter) zu beobachten. Neben dem Abschlussprüfer von PIE müssen sich auch Vorstände und Aufsichtsräte mit der Abgrenzung von Leistungen des Abschlussprüfers, deren Einordnung in erlaubte und nicht erlaubte Tätigkeiten sowie den gesamten (Dienst-) Leistungen des Abschlussprüfers auseinandersetzen.

Beitrag teilen:
File:
Title:
Ich möchte zum Thema telefonisch kontaktiert werden
Kurzinformation Bewertung Pensionsrückstellungen (03/2016)

Kurzinformation Bewertung Pensionsrückstellungen (03/2016)
(PDF 0,1 MB)

Kurzinformation Bewertung Pensionsrückstellungen (01/2016)

Kurzinformation Bewertung Pensionsrückstellungen (01/2016)
(PDF 0,08 MB)