Suche

Kontakt

Nutzen Sie unser Kontaktformular oder rufen Sie uns an! Wir freuen uns auf Sie!

BFH Urteil: Beseitigung von nach Anschaffung mutwillig herbeigeführten Substanzschäden keine „anschaffungsnahen Herstellungskosten“

Bilanzierung, BFH, Anschaffungsnahe Herstellungskosten
Autor: Prof. Dr. Christian Zwirner

Finanzbehörden und Steuerpflichtige vertreten bei der Frage, ob Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen nach Erwerb eines Gebäudes als „anschaffungsnahe Herstellungskosten“ oder Werbungskosten anzusehen sind, häufig unterschiedliche Auffassungen. Der BFH klärt diese Frage nun in einem aktuellen Urteil.

In seinem Urteil vom 09.05.2017 (Az. IX R 6/16) klärt der BFH, dass Kosten für (unvermutete) Instandsetzungsmaßnahmen zur Beseitigung eines mutwillig herbeigeführten Substanzschadens, der nachweislich erst nach Anschaffung des Gebäudes verursacht worden ist, keine aktivierungspflichtigen anschaffungsbezogenen Herstellungskosten i.S.d. § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG darstellen, sondern sofort als abzugsfähige Werbungskosten berücksichtigt werden dürfen.

Grundsätzlich gelten Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG als anschaffungsnahe Herstellungskosten, wenn diese Maßnahmen vom Steuerpflichtigen innerhalb von drei Jahren seit Anschaffung des Gebäudes durchgeführt werden und die Aufwendungen ohne Umsatzsteuer 15 % der Anschaffungskosten übersteigen. Das Gesetz kennt hier eine klare wertmäßige Grenze. Unter diese Grenze fallen auch Schadensbeseitigungen von erst nach dem Erwerb festgestellten Mängeln, soweit diese zum Erwerbszeitpunkt des Gebäudes bereits (verdeckt) vorlagen. Es spielt also keine Rolle, ob der Erwerber den notwendigen Aufwand zum Erwerbszeitpunkt kannte. Entscheidend ist allein, dass die Schäden zum Erwerbszeitpunkt bereits „angelegt“ waren.

Nach Ansicht des BFH stellen Schäden, die nachweislich erst nach Erwerb – bspw. durch das schuldhafte Handeln eines Dritten – am Gebäude verursacht worden sind, als nicht zum Erwerbszeitpunkt „angelegt“ und stellen somit keine anschaffungsähnlichen Herstellungskosten dar. Werden im Rahmen der notwendigen Reparaturen über die Beseitigung der Schäden hinausgehende Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt, so sind die Aufwendungen zwischen direkt abzugsfähigen Aufwendungen und anschaffungsnahen Herstellungskosten aufzuteilen, falls Letztere ohne Umsatzsteuer 15 % der Anschaffungskosten des Gebäudes übersteigen.

Für die Praxis bedeutet das Urteil des BFH, dass klar abzugrenzen ist, wann die Ursache, die zu einem entsprechenden Instandsetzungsaufwand führt, entstanden ist. Lag die Ursache – ob bemerkt oder unbemerkt – bereits zum Erwerbszeitpunkt des Gebäudes vor, greift die gesetzliche 15%-Grenze. Ist die Ursache für den Aufwand auf ein (wertbegründendes) Ereignis nach der Anschaffung des Gebäudes zurückzuführen, sind keine Einschränkungen hinsichtlich der sofortigen Aufwandserfassung zu beachten.

Beitrag teilen:
File:
Title:
Ich möchte zum Thema telefonisch kontaktiert werden
Kleeberg-Kurzinformation: Update Abzugsfähigkeit von Kundengeschenken (10/2017)

Kurzinformation Update Abzugsfähigkeit von Kundengeschenken (10/2017)
(PDF 0,2 MB)

Kurzinformation Abzugsfähigkeit von Kundengeschenken (06/2017)

Kurzinformation Abzugsfähigkeit von Kundengeschenken (06/2017)
(PDF ca. 0,2 MB)

Kurzinformation Verfassungswidrigkeit § 8c KStG (05/2017)
(PDF ca. 0,4 MB)

Kurzinformation Neuregelung bei GWG und Sammelposten (05/2017)

Kurzinformation Neuregelung bei GWG und Sammelposten (05/2017)
(PDF ca. 0,2 MB)

Kurzinformation Keine Abführungssperre bei Pensionen (01/2017)

Kurzinformation Keine Abführungssperre bei Pensionen (01/2017)
(PDF ca. 0,1 MB)

Kleeberg Kurzinformation Öffentliche Unternehmen 08/2016
Umsatzbesteuerung öffentlicher Unternehmen

Kurzinformation Öffentliche Unternehmen (08/2016)
(PDF ca. 0,1 MB)

Kurzinformation Steuerliche Herstellungskosten (07/2016)

Kurzinformation Steuerliche Herstellungskosten (07/2016)
(PDF ca. 0,2 MB)

Crowe Kleeberg: Kurzinformation Erbschaftsteuerreform (07/2016)

Kurzinformation Erbschaftsteuerreform (07/2016)
(PDF ca. 0,1 MB)