Suche

Kontakt

Nutzen Sie unser Kontaktformular oder rufen Sie uns an! Wir freuen uns auf Sie!

Ländererlass zur Anwendung des festgeschriebenen Kapitalisierungsfaktors nach § 203 BewG

BewG, Vereinfachtes Ertragswertverfahren, Kapitalisierungsfaktor
Autor: Prof. Dr. Christian Zwirner

Im Rahmen der Erbschaftsteuerreform 2016 wurde für die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens auf erbschaft- und schenkungsteuerliche Bewertungen nach § 203 BewG ein Kapitalisierungsfaktor i.H.v. 13,75 festgeschrieben. Der Gesetzgeber regelt nun die Anwendung dieser Vorschrift im „Übergangszeitraum“ vom 01.01.2016 bis 30.06.2016.

Die Erbschaftsteuerreform 2016 wurde am 04.11.2016 verabschiedet und ist mit Wirkung zum 01.07.2016 rückwirkend in Kraft getreten. Die darin enthaltene Änderung des § 203 Abs. 1 BewG, mit der für die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens im Rahmen von erbschaft- und schenkungsteuerlichen Bewertungen ein Kapitalisierungsfaktor von 13,75 vorgeschrieben wurde, ist sogar bereits rückwirkend auf alle Bewertungsstichtage nach dem 31.12.2015 – und damit bis zum 30.06.2016 unter Anwendung der „alten“ Regelungen des ErbStG – zu beachten. Zuvor betrug der für das Jahr 2016 anzuwendende Kapitalisierungsfaktor 17,8571.

Dieser „Übergangszeitraum“ (01.01.2016 bis 30.06.2016) betrifft alle nicht bestandskräftigen Wertfeststellungen für Bewertungsstichtage nach dem 31.12.2015 aber vor dem 01.07.2016 und wird in vielen Fällen – auf Grund des niedrigeren Kapitalisierungsfaktors und des sich hieraus ergebenden niedrigeren steuerlichen Unternehmenswerts – vorteilhaft für den Steuerpflichtigen sein. Allerdings können auch Fälle entstehen, in welchen die neue Regelung und die daraus folgenden niedrigeren steuerlichen Werte zu Problemen führen, wenn bspw. in Folge eines niedrigeren Unternehmenswerts die Verwaltungsvermögensquote steigt und deswegen etwaige Verschonungen gefährdet.

Diesem Problem der rückwirkenden Anwendung der geänderten Vorschriften im BewG widmen sich nun auch die obersten Finanzbehörden der Länder mit gleichlautenden Erlassen vom 11.05.2017. Es wird geregelt, dass der geänderte Kapitalisierungsfaktor (in Höhe von 13,75) grundsätzlich für alle Bewertungsstichtage nach dem 31.12.2015 anzuwenden ist. Wenn sich allerdings der festgestellte gemeine Wert für das Unternehmen/Betriebsvermögen im Rahmen der Verschonung nach § 13a ErbStG a.F. bei der Festsetzung zum Nachteil des Erwerbers auswirkt, kann auf Antrag beim zuständigen Finanzamt eine abweichende Steuerfestsetzung unter Anwendung des „alten“ Kapitalisierungsfaktors von 17,8571 (für 2016) vorgenommen werden. Den Berechnungen zur Prüfung der Grenzen von 50 % bzw. 10 % hinsichtlich der Quote des Verwaltungsvermögens und der Berechnung des Sockelbetrags für die Finanzmittel ist dann der bisher geltende Faktor zu Grunde zu legen.

Beitrag teilen:
File:
Title:
Ich möchte zum Thema telefonisch kontaktiert werden