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Schätzung von Unternehmenswerten anhand des Net Asset Value

Unternehmensbewertung, Net Asset Value
Autor: Prof. Dr. Christian Zwirner

Bei der Bewertung von Unternehmen kann laut aktueller Rechtsprechung unter Berücksichtigung des besonderen Geschäftsmodells des zu bewertenden Unternehmens im Einzelfall auch auf den Net Asset Value (NAV) als Bewertungsmethode zurückgegriffen werden.

Mit Beschluss vom 08.09.2016 (Az: 21 W 36/15) entschied das OLG Frankfurt im Fall der Bewertung einer Immobiliengesellschaft vor dem Hintergrund einer geplanten Verschmelzung und der damit verbundenen aktienrechtlichen Ermittlung der angemessenen Barabfindung der Aktionäre, dass der Net Asset Value (NAV) zumindest ausnahmsweise im Rahmen der Schätzung eines Unternehmenswerts verwendet werden kann und den Ansprüchen an eine Unternehmensbewertung genügt. Die sich hiergegen richtenden Einsprüche, welche eine Bewertung auf Basis des Ertragswertverfahrens forderten, blieben erfolglos.

Das Gericht begründet seine Entscheidung vor allem damit, dass im Einklang mit dem BGH-Urteil vom 29.09.2015 (Az: II ZB 23/14) eine Unternehmensbewertung auf Basis einer in der Wissenschaft akzeptierten und in Praxis geläufigen Methodik zu erfolgen hat. Dies sei zwar bei einem werbenden Unternehmen in der Praxis regelmäßig die Ertragswertmethode, schließt jedoch nicht aus, dass im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände eines zu bewertenden Unternehmens auch eine andere Methodik zur Schätzung des Unternehmenswerts verwendet werden kann. Der in Deutschland als gesetzliche Bewertungsregel für offene Immobilienfonds in § 168 KAGB kodifizierte NAV stellt für die Bewertung von Immobiliengesellschaften eine solche anerkannte Methodik dar. Hierbei wird der Wert einer Immobiliengesellschaft aus der Differenz der Marktwerte seines Vermögens und der Marktwerte der Verbindlichkeiten der Gesellschaft ermittelt.

Für die Bewertungspraxis bedeutet dieses Urteil, dass gerade beim Vorliegen besonderer Geschäftsmodelle zu bewertender Unternehmen im Einzelfall auch andere Bewertungsmethoden als das Ertragswertverfahren zur Anwendung kommen können. Nichtsdestotrotz wird zumindest die überschlägige Ermittlung von Ertragswerten im Rahmen einer Plausibilisierung von ermittelten Unternehmenswerten regelmäßig notwendig sein.

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