Bedeutung der amtlichen AfA-Tabellen für Bestimmungen des AfA-Satzes

Einkommensteuer, AfA-Tabellen
Autor: Prof. Dr. Christian Zwirner

Solange die AfA-Tabelle die Nutzungsdauer im Einzelfall vertretbar abbildet, ist die Finanzverwaltung an die Erfahrungswerte der Tabelle im Rahmen einer tatsächlichen Verständigung gebunden.

Das FG Niedersachsen stellt mit seinem Urteil vom 09.07.2014 (Az: 9 K 98/14) klar, dass die AfA-Tabellen des BMF für das Finanzamt (FA) den Charakter einer Dienstanweisung haben. Für den Steuerpflichtigen stellen diese dagegen ein Angebot der Verwaltung dar, die er als Schätzung, bei der Ermittlung seiner Einkünfte, annehmen kann aber nicht muss.

Eine eigenständige Schätzung der Nutzungsdauer (ND), wie sie vom FA im zu entscheidenden Sachverhalt in Auftrag gegeben worden war, ist aus Sicht des FG nicht zulässig. Solange die einschlägige AfA-Tabelle die ND vertretbar abbildet, ist die Finanzverwaltung an diese festgelegten Werte gebunden. Für eine Abweichung durch das FA müssen eindeutige Anzeichen für eine geringere technische und/oder wirtschaftliche ND vorliegen und es muss eine detaillierte Auseinandersetzung mit der in der AfA-Tabelle ausgewiesenen ND erfolgen. Auch die Tatsache, dass die in den amtlichen AfA-Tabellen angegebenen Werte lediglich Schätzungen darstellen, steht der Ansicht des FG nicht entgegen. Die AfA-Tabellen dienen vor allem auch der Verwaltungsvereinfachung und sollen für eine gleichmäßige Anwendung sorgen. Schätzungsungenauigkeiten müssen dabei hingenommen werden.

Das Urteil des FG Niedersachsen stellt klar, dass es zur Abweichung von den in den AfA-Tabellen festgelegten Abschreibungssätzen dezidierter materieller Gründe bedarf. Sofern diese im Einzelfall nicht vorliegen, können Steuerpflichtige sich stets an den amtlichen Tabellen orientieren und die Finanzverwaltung hat die dort herausgegebenen Abschreibungssätze zu akzeptieren.

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