News

Änderungen an IAS 1 und IAS 8 in EU-Recht übernommen

Am 29.11.2019 wurden die Änderungen an IAS 1 „Darstellung des Abschlusses“ und IAS 8 „Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Änderungen von Schätzungen und Fehler“ von der EU mit der Verordnung (EG) Nr. 2019/2104 in europäisches Recht übernommen. Die Änderungen greifen für Berichtsperioden, die am oder nach dem 01.01.2020 beginnen und damit regelmäßig für das Geschäftsjahr 2020. Sie betreffen die Definition des Begriffs „wesentlich“.

Am 29.11.2019 wurden die Änderungen an IAS 1 „Darstellung des Abschlusses“ und IAS 8 „Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Änderungen von Schätzungen und Fehler“ von der EU mit der Verordnung (EG) Nr. 2019/2104 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1126/2008 betreffend die Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards in Übereinstimmung mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates in europäisches Recht übernommen. Die Verordnung (EG) Nr. 2019/2104 wurde am 10.12.2019 im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Erst mit diesem sogenannten Endorsement entfalten die geänderten internationalen Rechnungslegungsvorschriften Gültigkeit für die IFRS-Anwender in der EU.

Mit der Modifikation der Vorschriften soll die Definition des Begriffs „wesentlich“ geschärft werden, um so das innerhalb der IFRS zur Anwendung gelangende Wesentlichkeitskonzept für die Praxis zu konkretisieren. Gleichzeitig dienen die Modifikationen einer Vereinheitlichung von abweichenden Wesentlichkeitsdefinitionen, die sowohl im Rahmenkonzept als auch in den Standards selbst enthalten waren.

Die geänderte Definition von „wesentlich“ legt fest, dass Informationen dann wesentlich sind, wenn vernünftigerweise zu erwarten ist, dass das Auslassen, die fehlerhafte Darstellung oder die Verschleierung dieser Informationen die Entscheidungen der primären Abschlussadressaten, welche diese auf Basis des betreffenden Abschlusses fällen, beeinflussen können. In der geänderten Fassung der Begriffsdefinition sind insbesondere drei neue Elemente hervorzuheben:

  • Verschleierung: Das bislang mit Blick auf wesentliche Fehler genannte bewusste Auslassen bzw. die fehlerhafte Darstellung von Informationen wird um den Tatbestand der Verschleierung ergänzt.
  • Erwartung in vernünftiger Weise: Die Wesentlichkeit von Informationen entscheidet sich nicht mehr daran, ob eine Information Adressaten beeinflussen könnte, sondern ob eine solche Beeinflussung vernünftigerweise zu erwarten ist.
  • Primäre Abschlussadressaten: Zudem fokussiert die neue Definition nicht mehr alle Abschlussadressaten, sondern lediglich die primären Adressaten des Abschlusses.

Somit wird die Verschleierung von Informationen dem Weglassen von Informationen gleichgestellt. Der Tatbestand der Verschleierung kann hierbei nach Auffassung des IASB bspw. wie folgt verwirklicht werden:

  • Verwendung einer vagen oder unklaren Sprache,
  • die Informationen zu wesentlichen Tatbeständen finden sich an verschiedenen Stellen im Abschluss,
  • ungleiche Posten, Transaktionen oder andere Ereignisse werden in unangemessener Weise aggregiert oder disaggregiert,
  • wesentliche Informationen werden durch eine Fülle unwesentlicher Informationen verdeckt.

Technisch wurde die neue Wesentlichkeitsdefinition mit den zusätzlichen Erläuterungen in IAS 1 aufgenommen. Die bislang in IAS 8 enthaltene Definition wird dort durch einen Verweis auf IAS 1 ersetzt.

Die Veränderungen treten für Berichtsperioden ab dem 01.01.2020 in Kraft. Bei einem kalenderjahrgleichen Geschäftsjahr sind sie damit für das Geschäftsjahr 2020 relevant.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Audit

Umsatz­realisie­rung beim Werk­lieferungs­vertrag

Das IDW befasst sich mit dem Fall eines Werklieferungsvertrags über eine herzustellende Maschine mit Montageverpflichtung und gibt Hinweise zu folgenden Fragestellungen: Ist in solchen Fällen im handelsrechtlichen Jahresabschluss eine Umsatzrealisierung des Gesamtauftrags bereits bei Lieferung der Maschine zulässig? Und sind bei der Bildung einer Rückstellung für die noch ausstehenden...
Audit

Zweifels­fragen bei der bilanzi­ellen Abbil­dung von Reverse-Factoring-Trans­aktionen

Der Modulentwurf IAS 1- M1 beschäftigt sich mit den Zweifelsfragen bei der bilanziellen Abbildung von Reverse-Factoring-Transaktionen nach IFRS. Im Dezember 2020 veröffentlichte das IFRS IC die Agendaentscheidung „Supply Chain Financing Arrangements – Reverse Factoring“. Diese Agendaentscheidung des IFRS IC wurde vom IDW gewürdigt und im Rahmen des Entwurfs eines...
Audit Tax

Zweifels­fragen bei der An­wen­dung des Buch­wert­fortführungs­gebots nach § 6 Abs. 3 EStG

Das BMF hat im Hinblick auf die Entwicklung der Rechtsprechung seine Verwaltungsanweisungen zu Zweifelsfragen bei der Anwendung des Buchwertfortführungsgebots nach § 6 Abs. 3 EStG für Fälle der Mitunternehmeranteilsübertragung ohne funktional wesentliche Wirtschaftsgüter des Sonderbetriebsvermögens aktualisiert und ergänzt. Durch das BMF wurden mit Schreiben vom 05.05.2021, DStR 2021, 1112 folgende...
Advisory Audit

IDW S 7: Anpas­sung an § 102 StaRUG und die ISA [DE]

IDW S 7 integriert in Tz. 29 den Wortlaut des zum 01.01.2021 in Kraft getretenen § 102 StaRUG und weist auf die entsprechende Verpflichtung hin, bereits bei Erstellung eines Jahresabschlusses für einen Mandanten auf Vorliegen eines möglichen Insolvenzgrundes nach den §§ 17-19 InsO sowie auf die damit einhergehenden Pflichten...