News

Corona-Krise: IDW veröf­fent­licht dritten fach­lichen Hinweis zu Rechnungs­legung, Bericht­erstat­tung und Prü­fung

Die Corona-Krise nimmt auch Einfluss auf die Rechnungslegung, Berichterstattung sowie Prüfung von Unternehmen. Hierzu bezog das IDW bereits mit seinen fachlichen Hinweisen vom 04.03.2020 und vom 25.03.2020 Stellung und adressiert nun mit einer dritten Veröffentlichung vom 08.04.2020 erneut konkrete Zweifelfragen zu diesen Themengebieten und bezieht weitere ausgewählte Sachverhalte mit ein.

Das IDW erläutert, dass in Abhängigkeit der betriebsindividuellen Betroffenheit zu beurteilen ist, inwiefern die Corona-Krise als Vorgang von besonderer Bedeutung zu klassifizieren und demzufolge in die Nachtragsberichterstattung zu integrieren ist. Unternehmen, die keinen Anhang oder Lagebericht erstellen müssen bzw. die von der Nachtragsberichterstattung befreit sind (kleine Kapitalgesellschaften), sind nicht verpflichtet, Angaben zur Corona-Krise zu machen, selbst wenn sie von den Auswirkungen betroffen sind. Nur bei Vorliegen von bedeutsamen Zweifeln an der Unternehmensfortführung sind Angaben – sofern möglich im Anhang, andernfalls unter der Bilanz – erforderlich. Die Nachtragsberichterstattung selbst kann in Form von allgemeinen, qualitativen Ausführungen erfolgen, die die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage hinreichend verdeutlichen. Gegebenenfalls kann im Anhang auf die Berichterstattung im Lagebericht verwiesen werden, um identische Angaben an beiden Stellen zu vermeiden.

Hinsichtlich der Bilanzierung von Kurzarbeitergeld führt das IDW aus, dass das betroffene Unternehmen den Erstattungsanspruch als Forderung gegenüber der Agentur für Arbeit zu aktivieren hat, wenn sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind und der Antrag auf Erstattung des Kurzarbeitergelds bis zur Aufstellung der Bilanz gestellt ist oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit innerhalb von drei Monaten gestellt wird. Das IDW qualifiziert das Kurzarbeitergeld als durchlaufenden Posten, so dass die Gewinn- und Verlustrechnung des betroffenen Unternehmens nicht berührt würde. In der Praxis dürfte regelmäßig eine Kürzung des Personalaufwands oder eine Erfassung der Erstattungen in den sonstigen (betrieblichen) Erträgen aber auch vertretbar sein. Erstattungen von Beiträgen zur Sozialversicherung sind als Forderung gegenüber der Agentur für Arbeit zu aktivieren, wenn am Abschlussstichtag die Voraussetzungen für die Gewährung der Erstattung erfüllt sind und zum Zeitpunkt der Bilanzaufstellung der Antrag gestellt ist oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit innerhalb von drei Monaten gestellt wird. Im Gegenzug erfolgt regelmäßig eine Buchung als sonstiger (betrieblicher) Ertrag oder eine Kürzung der Personalaufwendungen.

Allein aufgrund der hohen Unsicherheit der zukunftsbezogenen Sachverhalte liegt laut IDW kein Prüfungshemmnis vor. Getroffene Annahmen sind hinsichtlich ihrer konsistenten Verwendung und in Bezug auf das tatsächliche Handeln des Unternehmens zu würdigen. Bei der Beurteilung der Going-Concern-Prämisse sind auch der voraussichtliche Erhalt von staatlichen Stützmaßnahmen sowie ggf. krisenbedingt langfristige Einschränkungen des Geschäftsmodells zu berücksichtigen.

Zudem informiert das IDW in diesem dritten fachlichen Hinweis über die neu geschaffene Möglichkeit für Verbraucher und Kleinstunternehmer, im Zusammenhang mit bestimmten Dauerschuldverhältnissen ausstehende Leistungen verweigern oder Verpflichtungen aus Darlehensverträgen auf Zins- und Tilgungszahlungen stunden lassen zu können. Außerdem wird auf das nunmehr eingeschränkte Kündigungsrecht für Mieter eingegangen. Alle diese rechtlichen Änderungen sind allerdings zeitlich befristet.

PDF-Download: Kleeberg_Kurzinformation_Corona_IDW_Hinweis_Einzelfragen

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Audit Tax

Besteuerung von Personen­gesell­schaften: Mitunter­nehmer­stellung eines Nieß­brauchers

Der Arbeitskreis „Besteuerung von Personengesellschaften“ des IDW erörterte in seiner 104. Sitzung am 16.02.2021 aktuelle Probleme bei der Übertragung von Mitunternehmeranteilen unter Nießbrauchsvorbehalt und fordert von der Finanzverwaltung eine verbindliche Klarstellung im Wege eines Anwendungsschreibens. Bei Fragen zur Mitunternehmerstellung des Schenkers bei Übertragung von Mitunternehmeranteilen unter Nießbrauchsvorbehalt bzw. zur...
Advisory Audit IT Audit

5. IDW-Update vom 06.04.2021 zum dritten Corona-Hinweis

Zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Rechnungslegung, Berichterstattung und Prüfung von Unternehmen bezog das IDW mit seinen fachlichen Hinweisen vom 04.03.2020, vom 25.03.2020 und vom 08.04.2020 Stellung. Der Hinweis vom 08.04.2020 wurde zudem mehrmals aktualisiert und erweitert. Kürzlich veröffentlichte das IDW im April 2021 ein mittlerweile fünftes Update...
Audit Tax

Die bilan­zielle und ertrag­steuer­liche Behand­lung von Corona-Finanz­hilfen

Die Regelungen rund um die Corona-Finanzhilfen des Bundes und der Länder, wie die Corona-Überbrückungshilfen sowie die November- und Dezemberhilfe, sind von hoher Dynamik gekennzeichnet und führen in diesem Zusammenhang zu hoher Unsicherheit in der Praxis. Dies gilt auch für die hiermit verbundene handelsrechtliche sowie steuerrechtliche Behandlung. Angelehnt an die...
Audit

Sofortab­schrei­bung digi­taler Vermögens­gegen­stände in der Handels­bilanz?

Das IDW hat sich in einer außerordentlichen Sitzung des Fachausschusses Unternehmens­berichterstattung mit den Auswirkungen der Verkürzung der steuerlichen Nutzungsdauer für digitale Vermögensgegenstände für die Handelsbilanz beschäftigt. Mit BMF-Schreiben vom 26.02.2021 (IV C 3 – S 2190/21/10002:013) hat das Bundesfinanzministerium die Nutzungsdauer von Computerhardware und Software auf ein Jahr reduziert. Die Verkürzung der...