News

Verabschiedung von IDW PS 340 n.F. zur Prü­fung von Risiko­früh­erkennungs­systemen

Nach § 91 Abs. 2 AktG muss der Vorstand einer AG ein sogenanntes Risiko­früh­erken­nungs­system einrichten, damit bestands­gefährdende Entwicklungen frühzeitig erkannt werden können. Bei einer börsennotierten AG verlangt § 317 Abs. 4 HGB, dass der Abschlussprüfer dieses Risiko­früh­erken­nungs­system prüfen muss. Hierzu hat er die in IDW PS 340 verankerten Grundsätze für die Prüfung des Risiko­früh­erken­nungs­systems heranzuziehen. Dieser Prüfungsstandard wurde jüngst überarbeitet – die Neufassung ist erstmals auf Abschlussprüfungen für das Geschäftsjahr 2021 anzuwenden.

Für AG regelt § 91 Abs. 2 AktG explizit die Verpflichtung zur Einführung eines sogenannten Risikofrüherkennungssystems. Dieses soll dazu beitragen, dass bestandsgefährdende Risiken frühzeitig erkannt werden und somit Schaden vom Unternehmen abgewendet werden kann. Zwar gibt es für andere Rechtsformen (bspw. GmbH) keine explizite korrespondierende gesetzliche Regelung. Allerdings geht mit der Erfüllung der Sorgfaltspflichten eines Geschäftsleiters – wie sie z.B. auch für den GmbH-Geschäftsführer gelten – implizit eine vergleichbare Anforderung einher.

Eine Pflicht zur Prüfung des eingerichteten Risikofrüherkennungssystems hat der Gesetzgeber in § 317 Abs. 4 HGB explizit nur für börsennotierte AG verankert. Unabhängig davon kann aber jedes Unternehmen, welches über ein solches System verfügt, dessen Prüfung auf freiwilliger Basis mit dem Abschlussprüfer vereinbaren. Losgelöst von der Frage einer verpflichtenden oder freiwilligen Prüfung hat der Wirtschaftsprüfer bei seinen Tätigkeiten den Prüfungsstandard IDW PS 340 zu beachten. Dieser wurde nun überarbeitet, um auch den Entwicklungen der letzten Jahre in der Unternehmenspraxis in Bezug auf die Corporate-Governance-Systeme Rechnung zu tragen.

IDW PS 340 n.F. (Stand: 27.05.2020) wurde am 25.06.2020 vom IDW verabschiedet. In der Neufassung spielen insbesondere die folgenden Aspekte eine bedeutende Rolle:

  • Konkretisierung der Grundelemente eines Risikofrüherkennungssystems in Anlehnung an IDW PS 980 (Prüfung von Compliance-Management-Systemen) und IDW PS 981 (Prüfung von Risikomanagementsystemen),
  • Hervorhebung der Pflichten eines Unternehmens in Bezug auf seine Risikotragfähigkeit und die Risikoaggregation,
  • Klarstellungen zur Ausgestaltung der Maßnahmen nach § 91 Abs. 2 AktG bei Konzernen,
  • Klarstellungen zur Betrachtung von „Netto-Risiken“ sowie zur Risikosteuerung,
  • Verdeutlichung der Dokumentationspflichten des Unternehmens,
  • Konkretisierung und Betonung, dass die Prüfung gemäß § 317 Abs. 4 HGB durch den Abschlussprüfer unter Berücksichtigung der im Rahmen der Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts gewonnenen Erkenntnisse erfolgt,
  • Überarbeitung der Berichterstattung des Abschlussprüfers (weitergehende Berichterstattung in Bezug auf festgestellte Mängel sowie ergänzende Anforderungen in Bezug auf eine ggf. erforderliche Einschränkung oder Versagung der Erklärung).

IDW PS 340 n.F. ist erstmals auf Abschlussprüfungen für nach dem 31.12.2020 beginnende Berichtszeiträume anzuwenden. Bei einem kalenderjahrgleichen Geschäftsjahr betrifft er demnach die Prüfungen für das Geschäftsjahr 2021 im Jahr 2022.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Audit Tax

Besteuerung von Personen­gesell­schaften: Mitunter­nehmer­stellung eines Nieß­brauchers

Der Arbeitskreis „Besteuerung von Personengesellschaften“ des IDW erörterte in seiner 104. Sitzung am 16.02.2021 aktuelle Probleme bei der Übertragung von Mitunternehmeranteilen unter Nießbrauchsvorbehalt und fordert von der Finanzverwaltung eine verbindliche Klarstellung im Wege eines Anwendungsschreibens. Bei Fragen zur Mitunternehmerstellung des Schenkers bei Übertragung von Mitunternehmeranteilen unter Nießbrauchsvorbehalt bzw. zur...
Advisory Audit IT Audit

5. IDW-Update vom 06.04.2021 zum dritten Corona-Hinweis

Zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Rechnungslegung, Berichterstattung und Prüfung von Unternehmen bezog das IDW mit seinen fachlichen Hinweisen vom 04.03.2020, vom 25.03.2020 und vom 08.04.2020 Stellung. Der Hinweis vom 08.04.2020 wurde zudem mehrmals aktualisiert und erweitert. Kürzlich veröffentlichte das IDW im April 2021 ein mittlerweile fünftes Update...
Audit Tax

Die bilan­zielle und ertrag­steuer­liche Behand­lung von Corona-Finanz­hilfen

Die Regelungen rund um die Corona-Finanzhilfen des Bundes und der Länder, wie die Corona-Überbrückungshilfen sowie die November- und Dezemberhilfe, sind von hoher Dynamik gekennzeichnet und führen in diesem Zusammenhang zu hoher Unsicherheit in der Praxis. Dies gilt auch für die hiermit verbundene handelsrechtliche sowie steuerrechtliche Behandlung. Angelehnt an die...
Audit

Sofortab­schrei­bung digi­taler Vermögens­gegen­stände in der Handels­bilanz?

Das IDW hat sich in einer außerordentlichen Sitzung des Fachausschusses Unternehmens­berichterstattung mit den Auswirkungen der Verkürzung der steuerlichen Nutzungsdauer für digitale Vermögensgegenstände für die Handelsbilanz beschäftigt. Mit BMF-Schreiben vom 26.02.2021 (IV C 3 – S 2190/21/10002:013) hat das Bundesfinanzministerium die Nutzungsdauer von Computerhardware und Software auf ein Jahr reduziert. Die Verkürzung der...