News

Auswirkungen des Brexits auf befreiende Konzernabschlüsse

Der Übergangszeitraum nach der Beendigung der Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland (UK) in der EU durch den Brexit Ende Januar 2020 endet mit dem 31.12.2020. Nach Ansicht des HFA und des FAB des IDW kann ein Konzernabschluss und Konzernlagebericht eines Mutterunternehmens mit Sitz in UK zum Stichtag 31.12.2020, der durch einen britischen Wirtschaftsprüfer geprüft wird, noch befreiende Wirkung nach §§ 264 Abs. 3, 264b und 291 HGB entfalten.

Bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen beinhalten § 264 Abs. 3 HGB für Tochterunternehmen in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft sowie § 264b HGB für Mutter- oder Tochterunternehmen in der Rechtsform einer haftungsbeschränkten Personenhandelsgesellschaft die Möglichkeit einer Befreiung von einzelgesellschaftlichen Rechnungslegung-, Prüfungs- und Offenlegungspflichten. § 291 HGB beinhaltet Befreiungsmöglichkeiten von einer Konzernrechnungslegungspflicht.

Eine der Voraussetzungen für die Inanspruchnahme dieser Befreiungsmöglichkeiten ist, dass die betroffene Gesellschaft in den befreienden Konzernabschluss und den befreienden Konzernlagebericht eines Mutterunterunternehmens mit Sitz in einem EU-Mitgliedstaat oder einem EWR-Vertragsstaat einbezogen wird, der durch einen Abschlussprüfer im Sinne der EU-Abschlussprüferrichtlinie geprüft wird.

Nach Ansicht des Hauptfachausschusses (HFA) und des Fachausschusses Unternehmensberichterstattung (FAB) des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) kann ein Konzernabschluss und Konzernlagebericht zum Stichtag 31.12.2020, der von einem Mutterunternehmen mit Sitz in UK aufgestellt wird, diese Voraussetzung noch erfüllen. Die Übergangsfrist nach dem Brexit endet mit Ablauf des 31.12.2020, sodass die Bedingung hinsichtlich des Sitzes des Mutterunternehmens in einem EU-Mitgliedstaat zum 31.12.2020 letztmals noch erfüllt ist. Dass die Prüfung des betreffenden Konzernabschlusses und Konzernlageberichts durch einen britischen Wirtschaftsprüfer erst nach Ablauf der Übergangsfrist abgeschlossen werden kann, steht dieser Beurteilung aus Sicht des HFA und des FAB nicht entgegen, da die Prüfungsdurchführung in einem solchen Fall – ohne wesentliche Änderung des die Abschlussprüfung regelnden nationalen Rechts in UK – noch als materiell im Einklang mit der EU-Abschlussprüferrichtlinie anzusehen ist. 

Für Abschlussstichtage ab dem 01.01.2021 ist hingegen – vorbehaltlich etwaiger weitergehender Vereinbarungen zwischen der EU und UK – nicht mehr von einem Erfüllen diese Befreiungsvoraussetzung auszugehen. 

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Tax Audit

Angemessenheit von Pensions­zusagen

Das Finanzgericht Nürnberg hat mit Urteil 1 K 186/19 vom 20.04.2021 zur Angemessenheit von Pensionszusagen an Minderheits-Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH geurteilt. Dem Urteil des Finanzgerichts lag folgender Tatbestand zu Grunde: Das Finanzamt und die GmbH stritten um die Angemessenheit von Pensionszusagen gegenüber den Minderheitsgesellschafterinnen. Die betroffenen Gesellschafterinnen waren jeweils mit...
Advisory Audit Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeits­reporting: Immaterielle Vermögenswerte

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU sieht vor, dass in der Nachhaltigkeitsberichterstattung künftig Informationen über immaterielle Vermögenswerte aufzunehmen sind. Auf den ersten Blick scheint diese Anforderung einfach, jedoch kann sie weitreichende Änderungen und eine Ausweitung der Angabepflichten bedeuten. Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wird die...
Audit Tax

Untergang von Verlusten nach § 15a EStG bei Umwandlung

Beim Formwechsel einer Kommanditgesellschaft in eine GmbH gehen bestehende Verluste nach § 15a EStG unter und können bei der späteren Veräußerung der GmbH nicht mit dem Veräußerungsgewinn verrechnet werden, so das Hessische Finanzgericht mit Urteil vom 26.01.2022. Das Hessische Finanzgericht hatte sich im vorliegenden Fall mit folgendem Sachverhalt zu...
Advisory Audit Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeits­reporting: Beschreibung von Nachhaltigkeits­risiken

Nachhaltigkeitsrisiken können negative finanzielle Auswirkungen auf Investitionen haben. Anleger fokussieren sich daher zunehmend auf diese Risiken. Mit der Spezifizierung der Berichtsinhalte zu Nachhaltigkeitsrisiken wird in der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) dieser zunehmenden Bedeutung Rechnung getragen. Die in der Praxis aufgetretene Heterogenität in den Inhalten unterschiedlicher nicht-finanzieller Erklärungen (gemäß...