News

Wahl der Bewertungs­methode bei der Ermittlung des gemeinen Werts

BFH, Urteil vom 02.12.2020 - II R 5/19

Der BFH hat in seinem Urteil vom 02.12.2020 – II R 5/19 entschieden, dass für die Ermittlung des gemeinen Werts von Anteilen nicht börsennotierter Kapitalgesellschaften allein der Steuerpflichtige die Wahl zwischen einem individuellen Ertragswertverfahren nach § 11 Abs. 2 Satz BewG und dem vereinfachten Ertragswertverfahren nach §§ 190 ff. BewG hat.

Der BFH hat sich in seinem Urteil vom 02.12.2020 – II R 5/19 in Bezug auf die Ermittlung des gemeinen Werts von nicht börsennotierten Kapitalgesellschaften geäußert.

Dem Urteil des BFH folgend hat allein der Steuerpflichtige die Wahl zwischen der Verwendung eines individuellen Ertragswertverfahrens nach § 11 Abs. 2 S.2 BewG und dem vereinfachten Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. BewG.

Ist das FG nicht in der Lage, sich auf Grundlage der Wertermittlung des Steuerpflichtigen nach § 11 Abs. 2 S. 2 BewG eine ausreichende Überzeugung vom gemeinen Wert des Anteils zu bilden, so hat es von Amts wegen geeignete Maßnahmen zur Sachaufklärung zu ergreifen, um den gemeinen Wert zu ermitteln. Eine Wertermittlung nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. BewG ist dabei keine Auffangmethode für die Finanzverwaltung.

Sofern sich der Steuerpflichtige gegen das vereinfachte Ertragswertverfahren durch Vorlage eines unter Beachtung des IDW S 1 erstellten individuellen Gutachtens entscheidet, kann nach Auffassung des BFH eine Bewertung nach den §§ 199 ff. BewG auch nicht nach Art eines Auffangtatbestandes der Bewertung, zu der das FG gemäß § 96 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 2 FGO i.V.m. § 162 der Abgabenordnung (AO) verpflichtet ist, zugrunde gelegt werden. Das gilt selbst dann, wenn der Unternehmenswert nach Maßgabe von § 11 Abs. 2 Satz 2 BewG bislang unzureichend ermittelt worden ist.

Der BFH wies den Fall an das FG zurück, da das FG zu Unrecht von einem Vorgang des vereinfachten Ertragswertverfahrens (§§ 199 ff. BewG) ausgegangen sei. Die Pflicht zur Sachverhaltsaufklärung wurde verletzt, da die von der Klägerin in Form der gutachterlichen Stellungnahme eingereichte Wertermittlung vom FG keine Berücksichtigung fand. Das FG hatte die Ertragsaussichten nach § 11 Abs. 2 Satz 2 BewG weder ergänzt noch angepasst.

Der BFH merkte zudem an, dass derjenige, der eine Wertermittlung nach den Ertragsaussichten beispielsweise nach IDW S1 vornimmt, keine gesonderte Erklärung darlegen muss, warum die von ihm gewählte Methode gegenüber anderen anerkannten Methoden oder auch dem vereinfachten Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. BewG vorzuziehen ist. In der Praxis wird zumindest bei Beteiligungen an „großen“ Gesellschaften die Ertragswertmethode präferiert. Wenn der Steuerpflichtige wiederum den Anteilswert mittels einer anderen Methode, wie den vergleichsorientierten Methoden oder der Multiplikatoren-Methode ermitteln möchte, so muss dieser Ansatz gesondert von ihm begründet werden.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Tax

BFH zur Rechtmäßigkeit einer unange­kündigten Wohnungs­besichtigung durch das Finanzamt

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 12.07.2022 (VIII R 8/19) über die Rechtmäßigkeit einer unangekündigten Wohnungsbesichtigung durch das Finanzamt entschieden. Gemäß der Entscheidung des BFH ist eine unangekündigte Wohnungsbesichtigung durch einen Beamten der Steuerfahndung als sogenannter Flankenschutzprüfer zur Überprüfung der Angaben der Steuerpflichtigen zu einem häuslichen Arbeitszimmer rechtswidrig,...
Advisory Audit Corona

IDW veröffentlicht fachlichen Hinweis zur Schluss­abrechnung für die Corona-ÜH

Am 26.09.2022 veröffentlichte das IDW einen fachlichen Hinweis für prüfende Dritte zu den von den prüfenden Dritten einzureichenden Schlussabrechnungen. Der fachliche Hinweis ist in Anbetracht dessen, dass das erste Paket der Schlussabrechnungen (Paket I) bereits seit dem 05.05.2022 eingereicht werden kann, besonders zu begrüßen. Der am 26.09.2022 veröffentlichte fachliche...
Advisory Tax

Bundestag beschließt ermäßigten Umsatz­steuersatz in der Gastronomie

Im Rahmen des Gesetzes zur Änderung von Verbrauchsteuergesetzen hat der Bundestag am 22.09.2022 neben der Umsetzung der EU-Alkoholstrukturrichtlinie auch die Verlängerung der Anwendung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen (mit Ausnahme der Abgabe von Getränken) als Teil des dritten Entlastungspaketes der Bundesregierung bis Ende 2023 beschlossen. Mit dem...
Advisory Tax

BMF-Entwurf: Befristete Absenkung des Umsatz­steuer­satzes für Gas­lieferungen

Am 22.09.2022 hat das BMF den Entwurf eines Schreibens zur befristeten Absenkung des Umsatzsteuersatzes auf 7 % für Lieferungen von Gas über das Erdgasnetz, die zum 01.10.2022 in Kraft treten soll, veröffentlicht. Hintergrund ist der im dritten Entlastungspaket enthaltene Beschluss, dass der Umsatzsteuersatz für Gaslieferungen vorübergehend (01.10.2022 bis 31.03.2024)...