News

Neue Pflichten zur Ein­richtung von Hin­weisgeber­systemen

Folgen der Whistleblower-Richtlinie (WBRL) und des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG)

Durch die Whistleblower-Richtlinie der EU, die derzeit in deutsches Recht umgesetzt wird, einerseits sowie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz andererseits werden bestimmte Unternehmen zukünftig einer gesetzlichen Verpflichtung zur Einrichtung von Hinweisgebersystemen unterliegen. Den jeweiligen Anforderungen von WBRL und LkSG kann grundsätzlich durch ein integriertes System Rechnung getragen werden, wobei stellenweise jedoch Unterschiede zwischen den beiden geforderten Systemen unbedingt zu beachten sind.

Nach der EU-Whistleblower-Richtlinie (WBRL), die bis zum 17.12.2021 in deutsches Recht hätte umgesetzt werden sollen, sind Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern dazu verpflichtet, interne Meldekanäle für Mitarbeiter einzurichten, wobei für Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitern diese Verpflichtung erst ab dem 17.12.2023 gilt. Die Zielsetzung ist insbesondere auch, den Schutz von Hinweisgebern vor Benachteiligung und Bestrafung aufgrund einer Meldung zu verbessern.

Gleichzeitig sind ab dem 01.01.2023 (ab dem 01.01.2024) Unternehmen mit über 3.000 Beschäftigten (1.000 Beschäftigten) nach dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) vom 16.07.2021 verpflichtet, ein internes Beschwerde- und Meldesystem einzuführen. Hierdurch soll ermöglicht werden, auf nach dem Gesetz geschützte menschenrechtliche oder umweltbezogene Risiken oder Verletzungen hinzuweisen.

Sowohl die Whistleblower-Richtlinie als auch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz beinhalten detaillierte, zum Teil abweichende Vorgaben zu den Meldekanälen, Meldeinhalten sowie zu der erforderlichen Dokumentation und Kommunikation der Systeme. Trotzdem besteht ein gewisser Gestaltungsspielraum bei der Umsetzung der Hinweisgebersysteme. Insgesamt ist die Einrichtung eines integrierten Systems, welches sämtlichen Anforderungen aus WBRL und LkSG genügt, grundsätzlich möglich und für die Praxis zu empfehlen.

Im Ergebnis werden im Jahr 2022 eine Vielzahl von Gesellschaften erstmals ein Hinweisgebersystem einrichten oder bestehende Systeme überprüfen müssen, um den neuen jeweils definierten Anforderungen gerecht zu werden. Betroffene Gesellschaften sollten bereits jetzt mit der Implementierung beginnen. Hierbei ist unbedingt darauf zu achten, welche Unterschiede im Einzelfall zwischen den Vorgaben der WBRL und des LkSG existieren. Neben der Einrichtung und Instandhaltung eines gesetzes- und richtlinienkonformen Meldesystems kann je nach Unternehmen eine weitere Herausforderung auch in der Förderung einer offenen „Speak-up-“ und „Listen-up-Kultur“ liegen.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Advisory Valuation

Zinsniveau mit beschleunigtem Wachstum zum Jahresende 2022

Der hohe Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus prägt bislang das noch laufende Jahr 2022. Besonders spürbar ist der Anstieg beim risikolosen Basiszinssatz nach IDW S 1. Zum 31.12.2021 betrug der risikolose Basiszinssatz noch gerundet 0,10 %. Aktuell (Mitte November 2022) beträgt der risikolose Basiszinssatz gerundet 2,00 %. Hervorzuheben ist, dass...
Advisory Corona

Schlussabrechnungen der Überbrückungs­hilfen III Plus und IV (Paket 2) freigeschalten

Am 15.11.2022 wurde das Bundesportal für die Einreichung des zweiten Pakets der Schlussabrechnung freigeschalten. Damit können nun für alle Antragsteller die verpflichtenden Schlussabrechnungen der Überbrückungs- sowie November- und Dezemberhilfen durch die prüfenden Dritten eingereicht werden. Bereits seit dem 05.05.2022 war das Paket 1 der Schlussabrechnung im Bundesportal freigeschalten. Das Paket 1...
Advisory Tax

Auswirkungen des geplanten JStG 2022 auf das BewG und das ErbStG

Mit dem JStG 2022 soll das im Bewertungsgesetz geregelte Ertrags- und Sachwertverfahren an die geänderte ImmoWertV angepasst werden. Hiermit gehen diverse Änderungen einher, die unmittelbare Auswirkungen auf die Ergebnisse dieser Bewertungsverfahren haben und deshalb einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Hintergrund Die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) wurde mit der Fassung vom 14.07.2021 neu...
Advisory Audit

ESMA veröffentlicht Prüfungs­schwerpunkte für die Jahres­finanz­berichte 2022

Am 28.10.2022 hat die European Securities and Markets Authority (ESMA) ihr Public Statement bezüglich der gemeinsamen europäischen Prüfungsschwerpunkte der nationalen Enforcement-Stellen in der EU veröffentlicht. Hiervon betroffen sind die Jahresfinanzberichte kapitalmarktorientierter Unternehmen nach IFRS für das Geschäftsjahr 2022. In ihrem am 28.10.2022 veröffentlichten Public Statement geht die ESMA auf...