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EZB erhöht zum dritten Mal seit Ende Juli den Leitzins

Erhöhung des Leitzinses um 0,75 % auf nun 2,00 %

Nachdem die EZB bereits im Juli 2022 einen historischen Schritt wagte und die Leitzinsen erstmals seit über zehn Jahren wieder anhob und im September 2022 den Leitzins zum zweiten Mal um weitere 0,75 % erhöhte, folgt jetzt eine weitere Erhöhung um 0,75 % auf nun 2,0 % per 02.11.2022. Dies ist der höchste Leitzins seit Februar 2009.

Das Statistische Bundesamt hat im September 2022 eine Inflationsrate von 10,0 % in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat gemessen. Damit bewegt sich die Inflationsrate weiterhin auf einem Rekordniveau. Im gesamten Euroraum ist die Lage vergleichbar. Eurostat schätzt die Inflation im Euroraum im September 2022 auf 9,9 %.

Der EZB-Rat hat schon im Juli 2022 erkannt, dass die Inflation deutlich zu hoch ist und voraussichtlich für längere Zeit über dem Zielwert von 2,0 % bleiben wird. Daher ist die EZB von der seit über zehn Jahren verfolgten Nullzinspolitik abgewichen und hat den Leitzins damals um 0,50 % erhöht. Nach der zweiten Zinserhöhung im September 2022 um 0,75 % folgt nun im Jahr 2022 eine dritte Zinserhöhung der drei Leitzinssätze von ebenfalls 0,75 %. In der Folge beträgt der Leitzins nun 2,0 % per 02.11.2022. Dies ist der höchste Leitzins seit Februar 2009. Der EZB-Rat geht, wie schon bei den vorherigen Zinserhöhungen auf Grundlage seiner aktuellen Einschätzung davon aus, dass er die Zinsen in den nächsten Sitzungen weiter erhöht, um die Nachfrage zu dämpfen und dem Risiko einer andauernden Aufwärtsverschiebung der Inflationserwartungen vorzubeugen.

Die derzeitige Inflation wird weiterhin von stark steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreisen, dem in einigen Sektoren herrschenden Nachfragedruck infolge der Wiederöffnung der Wirtschaft sowie von Lieferengpässen getrieben. Der Preisdruck hat in der gesamten Wirtschaft weiterhin an Stärke und Breite gewonnen. Auf kurze Sicht könnte die Inflation zudem nach Einschätzung der EZB weiter anziehen. Ob die EZB ihr Ziel vor dem Hintergrund der eigentlichen Treiber der Inflation (insbesondere Energie und Lebensmittel) erreichen kann, scheint fraglich. Fest steht, dass es schwierig sein dürfte, die Nachfrage nach Lebensmitteln und Energie zu dämpfen. Das generelle Konsumklima ist bereits auf einem sehr niedrigen Niveau und die Nachfrage nach Konsumgütern entsprechend gering. Insofern ist davon auszugehen, dass weniger eine nachfrage- als eine angebotsseitige Inflation vorherrscht. Dieser aktuellen Inflation könnte daher mit einer noch weiter gedämpften Nachfrage im Zweifel nicht viel entgegengebracht werden.

Der EZB-Rat geht davon aus, dass die Inflation wieder sinkt, wenn die derzeitigen Inflationstreiber mit der Zeit nachlassen und die Normalisierung der Geldpolitik auf die Wirtschaft und die Preisbildung durchschlägt. Problematisch dabei ist, dass es kurz- und auch mittelfristig höchstwahrscheinlich nicht gelingen wird, die Inflation allein mit den geldpolitischen Instrumenten der EZB in den Griff zu bekommen. Selbst die EZB hat ihre Projektionen für die Inflation deutlich nach oben korrigiert. Die EZB rechnet derzeit mit durchschnittlichen Inflationsraten von 8,1 % für 2022, 5,5 % für 2023 und 2,3 % für 2024.

In der Folge steht die Wirtschaft Deutschlands und des Euroraums vor einem Zeitraum von rund zwei Jahren oder möglicherweise mehr, in dem sich die erhofften positiven Effekte der Leitzinserhöhungen noch nicht niederschlagen (insbesondere Absinken der Inflationsrate auf das Zielniveau von 2,0 %), die möglichen negativen Folgen aber kurzfristig eintreten. Zu den möglichen negativen Folgen, die sich bereits jetzt abzeichnen, gehören unter anderem die steigenden Kosten der Fremdfinanzierung und die damit einhergehende Drosselung der Wirtschaftsleistung. Ferner ist zu beobachten, dass trotz steigender Zinsen auf dem Anleihenmarkt auch die erwarteten Eigenkapitalrenditen an den Aktienmärkten steigen. Steigende Eigenkapitalrenditen bedeuten höhere Eigenkapitalkosten, wodurch Unternehmenswerte noch weiter unter Druck geraten könnten. Darüber hinaus wird von erhöhten Leitzinsen auch ein allgemeines Ansteigen von bewertungsrelevanten Zinsen sowie ein weiterer Anstieg von Preisen und Kosten einhergehen.

Insgesamt könnte die EZB mit der weiteren Anhebung der Leitzinsen eine Rezession riskieren, wenn das erhoffte Absinken der Inflationsrate ausbleibt, die Kosten für die Wirtschaft, unter anderem um Investitionen zu tätigen, aber weiter ansteigen. Unternehmen sollten sich darauf einstellen, dass die Zinspolitik der EZB im Zweifel kein geeignetes Instrument darstellt, um beispielsweise die aktuellen Energiepreise zu kontrollieren und die bestehenden Lieferengpässe zu überwinden.

Insgesamt steht die Wirtschaft vor der Herausforderung, mit der aktuellen Zinssituation, der Inflation und den steigenden Preisen und Kosten umgehen zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die wirtschaftlich angespannte Situation möglichst bald wieder entspannen wird und in möglichst wenigen Jahren eine Rückkehr zu einer „normalen“ Inflationsrate von 2,0 % möglich sein wird. Bis dahin bleiben die Unternehmen in ihrem wirtschaftlichen Handeln sowie auch mit Blick auf Bewertungsfragen, die auch unmittelbar Auswirkungen auf die Bilanz und die Ergebnislage der Unternehmen haben können, gefordert.

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