News

Ukraine-Krieg: Wirtschafts­hilfen können ab sofort beantragt werden

Der Ukraine-Krieg hat weiterhin deutliche Auswirkungen auf deutsche Unternehmen. Der starke Anstieg der Energiepreise belastet viele Unternehmen und die Sanktionen wirken sich auch auf die wirtschaftliche Lage deutscher Unternehmen aus. Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck sowie Bundesfinanzminister Christian Lindner haben bereits am 08.04.2022 ein umfassendes Maßnahmenpaket für die vom Krieg besonders betroffenen Unternehmen vorgestellt.

Die ersten beiden staatlichen Hilfen, welche am 08.04.2022 grünes Licht von der Bundesregierung erhalten haben, sind endgültig beschlossen und laufen an. Hierbei handelt es sich um die Erweiterungen bei den Bund-Länder-Bürgschaftsprogrammen sowie das „KfW-Sonderprogramm UBR 2022“.

Die Unterstützung der Bundesregierung beläuft sich primär auf Liquiditätssicherungen der Unternehmen. Um diese kurzfristig sicherzustellen, kann einerseits das rund EUR 7 Mrd. große KfW-Kreditprogramm, mit Zugang zu zinsgünstigen und haftungsfreigestellten Krediten in Anspruch genommen werden. Andererseits sind Erweiterungen der zu den Zeiten der Corona-Pandemie eingeführten Bund-Länder-Bürgschaftsprogrammen für betroffene Unternehmen der Ukraine-Krise angedacht.

Die Anträge für die Bund-Länder-Bürgschaftsprogramme können seit dem 29.04.2022 gestellt werden. Gefördert werden Unternehmen, die ab EUR 20 Mio. Bürgschaftsbedarf in strukturschwachen Regionen und ab EUR 50 Mio. Bürgschaftsbedarf außerhalb strukturschwacher Regionen haben. Unternehmen können demnach bezogen auf Kredite für notwendige Investitionen oder Betriebsmittel eine Bürgschaft beantragen. Die Deckung der Bürgschaft kann maximal 90 % des Ausfalls aus der Hauptforderung (zzgl. Zinsen) betragen. Als Zulassungsvoraussetzung für die Bürgschaft durch die Bund-Länder-Bürgschaftsprogramme gilt eine nachgewiesene Betroffenheit, die aus den Sanktionen gegenüber Russland und Belarus oder den Kriegshandlungen in der Ukraine resultieren (bspw. Umsatzrückgang, Produktionsausfälle, Schließung von Produktionsstätten oder besonders hohe Betroffenheit wegen ansteigenden Energiekosten). Das erweiterte Bürgschaftsprogramm ist gemäß befristeten Krisenrahmen der Europäischen Kommission für staatliche Beihilfen („Temporary-Crisis-Framework“) bis zum 31.12.2022 befristet. Das Antragsverfahren für Bürgschaften ist formlos und kann durch die betroffenen Unternehmen unmittelbar gestellt werden.

Die zweite staatliche Hilfe, das „KfW-Sonderprogramm UBR“, besteht aus zwei Programmkomponenten. Eine Komponente für Kredite im Standardverfahren über Hausbanken bis zu einem Kreditbetrag von EUR 100 Mio. und die andere Komponente für individuelle, großvolumige Konsortialfinanzierungen. Gefördert werden hierbei kleine, mittelständische und große Unternehmen ohne Umsatzgrößenbeschränkung. Die Förderung richtet sich explizit auf Investitions- und Betriebsmittelkredite. Demnach gewährt die KfW den Hausbanken eine 80%ige Haftungsfreistellung für Kredite an mittelständische Unternehmen (bis max. EUR 500 Mio. Jahresumsatz) und eine 70%ige Haftungsfreistellung für Kredite an große Unternehmen. Hierdurch wird die Kreditvergabebereitschaft der Banken erhöht. Als Zugangsvoraussetzung gilt auch hier die nachgewiesene Betroffenheit, die aus den Sanktionen gegen Russland und Belarus oder den Kriegshandlungen in der Ukraine resultieren (z.B. Umsatzrückgang, etc.). Es werden Kredite mit einer maximalen Laufzeit von sechs Jahren vergeben, die bis zu zwei tilgungsfreie Anlaufjahre und eine sechsjährige Zinsbindung besitzen. Auch das KfW-Kreditprogramm ist bis zum 31.12.2022 befristet.

Beide staatlichen Hilfen der Bundesregierung, die Erweiterungen bei den Bund-Länder-Bürgschaftsprogrammen sowie das „KfW-Sonderprogramm UBR 2022“, sind bereits am Laufen und können ab sofort vom Ukraine-Krieg nachweislich betroffene Unternehmen beantragt werden.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Advisory Valuation

EZB und FED erhöhen erneut ihre Leitzinsen

Das Jahr 2022 war aus geldpolitischer Sicht ein Jahr der Leitzinserhöhungen. Die Notenbanken haben insbesondere in der zweiten Jahreshälfte die Leitzinsen vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Inflation kräftig erhöht. Die FED erhöhte im Jahr 2022 den Leitzins insgesamt sieben Mal während die EZB ebenfalls von ihrer langanhaltenden Niedrigzinspolitik...
Advisory Valuation

Basiszinssatz nach IDW S 1 bleibt zum 01.02.2023 bei 2,00 %

Der Basiszinssatz nach IDW S 1 bleibt zum 01.02.2023 mit 2,00 % konstant im Vergleich zum Vormonat. Im Vergleich zum Vormonat sinkt der ungerundete Basiszins jedoch leicht von 2,0399 % (01.01.2023) auf 1,9966 % (01.02.2023). Der für Bewertungszwecke relevante Basiszinssatz ist im Jahr 2022 sehr stark von 0,10 % zum...
Advisory Valuation

Basiszinssatz

Basiszinssätze nach IDW S 1 i. d. F. 2008 Die folgende Tabelle stellt die Basiszinssätze für Unternehmens­bewertungen nach IDW S 1 i. d. F. 2008 bzw. IDW RS HFA 10 für Bewertungsstichtage, beginnend ab 01.11.2017, dar. Die Zinssätze wurden gemäß Vorgaben des IDW (vgl. WPH Edition, Bewertung und Transaktionsberatung,...
Advisory Valuation

OLG Düsseldorf vom 07.07.2022 (Az.: 26 W 13/18)

Das OLG Düsseldorf hat sich in seinem Beschluss vom 07.07.2022 (26 W 13/18) zur Bestimmung des Unternehmenswerts und in diesem Kontext zur Verwendbarkeit plausibler Ausschüttungsannahmen bei der Unternehmensbewertung geäußert. Dem OLG Düsseldorf folgend ist in der ewigen Rente grundsätzlich von typisierten Ausschüttungsannahmen auszugehen. Ausnahmen können sich aber im Zusammenhang...