News

EFRAG veröffentlicht Entwurf zu KMU-Nachhaltigkeitsstandards

geplante Erleichterungen für berichtspflichtige und freiwillig berichterstattende KMU

Die Europäische Beratungsgruppe für Finanzberichterstattung (EFRAG) hat zwei neue Entwürfe für Nachhaltigkeitsberichtsstandards veröffentlicht, die sich speziell an KMU richten: einen ESRS für gelistete (LSME) und einen für weitere KMU (VSME). Die beiden Standardentwürfe zielen darauf ab, die umfassenden Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichte durch Erleichterungen zu vereinfachen und KMU so besser in die Lage zu versetzen, effizienter auf Finanz- und Marktbedürfnisse reagieren zu können. Die öffentliche Konsultationsphase läuft bis zum 21.05.2024.

Am 22.01.2024 hat die Europäische Beratungsgruppe für Finanzberichterstattung (EFRAG) zwei bedeutende Entwürfe für Nachhaltigkeitsberichtsstandards zur Konsultation freigegeben, die auf kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) ausgerichtet sind.

Die neuen Standardentwürfe,

  • der European Sustainability Reporting Standard (ESRS) für gelistete KMU (ESRS LSME) (LSME = Listed small and medium-sized enterprises) und
  • der freiwillige Standard für nicht gelistete KMU (ESRS VSME) (VSME = Voluntary small and medium-sized enterprises),

sollen eine nachhaltigere Unternehmensführung fördern, die Nachhaltigkeitsberichterstattung der zahlreichen neu berichtspflichtigen KMU harmonisieren und zugleich die Komplexität der Anforderungen und den administrativen Aufwand reduzieren.

Diese speziell auf KMU ausgerichteten Standards adressieren eine bedeutende Entwicklung in der Nachhaltigkeitsberichterstattung: Für Geschäftsjahre ab dem 01.01.2026, spätestens ab dem 01.01.2028 (opt-out-Möglichkeit) müssen auch kapitalmarktorientierte KMU einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, der den Anforderungen der CSRD bzw. ESRS entspricht. Diese Verpflichtung betrifft in Deutschland schätzungsweise rd. 140 KMU.

Für diese sollen mit dem ESRS LSME Erleichterungen geschaffen werden im Vergleich zu den „full ESRS“ für große Unternehmen. Diese Erleichterungen sollen über die gelisteten KMU hinaus auch für etwa 1.000 kleine und nicht komplexe Kreditinstitute sowie konzerneigene Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen gelten, die ebenfalls ab dem 01.01.2026 berichtspflichtig sind. In dem Standardentwurf ESRS LSME wurde die Anzahl der zu berichtenden Datenpunkte im Vergleich zu den vollständigen ESRS um 48 % reduziert.

Auch wenn nicht-kapitalmarktorientierte KMU nicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sind, werden sie in der Praxis dennoch regelmäßig mit entsprechenden Informationsanforderungen konfrontiert (z. B. weil sie Element der Lieferketten von großen Unternehmen sind). Der VSME-Standard soll diesen nicht gelisteten KMU den Einstieg in ein freiwilliges Nachhaltigkeitsreporting erleichtern und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Dieser nicht verpflichtend anzuwendende Standard kann dazu beitragen, die Anzahl individueller Anfragen an nicht berichtspflichtige KMU zu Nachhaltigkeitsinformationen zu reduzieren, was insbesondere bei Kredit- und Auftragsvergaben von Vorteil ist.

Die Kommentierungsphase für beide Standardentwürfe läuft bis zum 21.05.2024. Die EFRAG lädt Stakeholder ein, durch die Beantwortung speziell entwickelter Online-Fragebögen ihr Feedback zu geben. Ziel ist es, die Passgenauigkeit und Anwendbarkeit der geplanten Standards zu evaluieren. Zusätzlich führt die EFRAG während der Konsultationsphase Feldversuche durch, um direktes Feedback zur Machbarkeit und Wirksamkeit der Entwürfe zu erhalten.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Audit Advisory

E-DRÄS 14 mit Änderungen des DRS 18 zu latenten Steuern veröffentlicht

Die durch das Ende Dezember 2023 durch das Mindestbesteuerungsrichtlinie-Umsetzungsgesetz in das HGB aufgenommenen Regelungen beinhalten sowohl eine Ausnahme von der Bildung latenter Steuern als auch korrespondierend eine Ausweitung der Anhangberichtspflichten. DRS 18 zu latenten Steuern soll entsprechend ergänzt werden. Mit dem am 28.02.2024 vorgelegten Entwurf des Deutschen Rechnungslegungs Änderungsstandards Nr. 14...
Tax Advisory

Bundestag stimmt “unechtem” Vermittlungsergebnis zum Wachstums-chancengesetz zu

Der Bundestag hat in seiner Sitzung vom 23.02.2024 – wie erwartet – dem “unechten” Vermittlungsergebnis zum Wachstumschancengesetz zugestimmt. Die Zustimmung erfolgte ohne die Stimmen der Union. Damit bleibt es ungewiss, ob der Bundesrat dem Wachstumschancengesetz zustimmen wird. Die Abstimmung im Bundesrat ist für die Sitzung am 22.03.2024 geplant. Am...
Tax Audit Advisory

Heilung eines “fehlerhaften” Gewinnabführungs-vertrags

Der BFH äußert sich in seinem Urteil vom 03.05.2023 zur Heilungswirkung nach den Übergangsregelungen in § 17 Abs. 2 i. V. m. § 34 Abs. 10b S. 2 und 3 KStG i. d. F. 2013. Demnach hängt der Eintritt der Heilungswirkung bei „fehlerhaften“ Gewinnabführungsverträgen vom Verhalten des Steuerpflichtigen ab, sodass es in seinem Ermessen liegt, ob er die...
Tax Advisory

Einigung beim Wachstumschancengesetz weiterhin ungewiss

Nachdem im Vermittlungsausschuss am 21.02.2024 ein sogenanntes “unechtes Vermittlungsergebnis” erzielt werden konnte, haben Bundestag und Bundesrat erneut über das Wachstumschancengesetz abzustimmen. Das Entlastungsvolumen wurde immens gekürzt, denn zahlreiche Erleichterungen entfallen oder werden verringert. Der derzeitige Stand steht allerdings weiterhin unter Vorbehalt, da die Union ihre Zustimmung am Verzicht der...