News

Entwurf einer Neu­fassung des IDW Standards zur Insolvenz­eröffnung

Beurteilung des Vorliegens von Insolvenzeröffnungsgründen

Der Fachausschuss Sanierung und Insolvenz (FAS) des IDW hat den Entwurf einer Neufassung des IDW Standards: Beurteilung des Vorliegens von Insolvenzeröffnungsgründen verabschiedet (IDW ES 11 n.F. Stand 08.01.2021). Der Entwurf berücksichtigt die Änderungen der Insolvenzordnung, die seit dem 01.01.2021 in Kraft getreten sind. Der Entwurf umfasst im Vergleich zur bisherigen Fassung vor allem folgende Änderungen:

(1) Differenzierung des Prognosezeitraums bei der drohenden Zahlungsunfähigkeit gemäß § 18 InsO und der Überschuldung gemäß § 19 InsO wird aufgegriffen:
Der Prognosezeitraum für die Fortbestehensprognose, die für die Einschätzung der Überschuldung maßgeblich ist, umfasst gemäß § 19 Abs. 2 Satz 1 InsO ab dem Beurteilungsstichtag zwölf Monate. Eine nach diesem Prognosezeitraum eintretende Liquiditätslücke begründet zum Beurteilungsstichtag keine Überschuldung. Tritt die Liquiditätslücke nach zwölf Monaten und innerhalb der nächsten (in der Regel) 24 Monaten ein, liegt eine drohende Zahlungsunfähigkeit und damit nur ein Antragsrecht vor.

(2) Die geänderten Höchstfristen für die Insolvenzantragspflicht gemäß § 15a InsO werden berücksichtigt:
Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ist von den Verantwortlichen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens unverzüglich, d.h. ohne schuldhaftes Zögern, zu beantragen. Hierfür sieht das Gesetz folgende Fristen vor:

  • Bei Zahlungsunfähigkeit drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit
  • Bei Überschuldung sechs Wochen nach Eintritt der Überschuldung

(3) Verweis auf den neu geschaffenen Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen
An mehreren Stellen wird auf das StaRUG verwiesen, welcher Auswirkungen auf die Insolvenzantragspflicht haben kann.

(4) Mit der Neufassung wird ein neuer Abschnitt eingefügt: Änderungen der Insolvenzantragspflichten aufgrund der Corona-Pandemie
Abschnitt 7 stellt die zentralen Änderungen der Insolvenzantragspflichten aufgrund der Corona-Pandemie im Zeitablauf dar. Der Gesetzgeber hat mit dem COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetz die Insolvenzantragspflicht mehrfach geändert und ausgesetzt. Im neu eingefügten Abschnitt 7 wird dargestellt bei welchen Insolvenzantragsgründen im Zeitablauf Antragspflicht oder Antragsrecht besteht.

Bei dem vorliegenden Papier handelt es sich zwar noch um eine Entwurfsfassung, der FAS und der Hauptfachausschuss (HFA) des IDW empfehlen jedoch aufgrund der wichtigen Änderungen der Insolvenzordnung, die am 01.01.2021 in Kraft getreten sind, eine vorzeitige Anwendung.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Advisory Valuation

Basiszins nach IDW S 1 bleibt zum 01.08.2021 bei gerundet 0,30 %

Der Basiszinssatz nach IDW S 1 bleibt zum 01.08.2021 bei gerundet 0,30 % im Vergleich zum Vormonat. Somit ist der gerundete Basiszinssatz nun seit dem 01.06.2021 konstant. Ungerundet sinkt er leicht von 0,341 % auf 0,287 %. Es bleibt abzuwarten, ob der Basiszinssatz weiterhin konstant bleibt oder sich die...
Advisory Valuation

Basiszinssatz

Basiszinssätze nach IDW S 1 i. d. F. 2008 Die folgende Tabelle stellt die Basiszinssätze für Unternehmens­bewertungen nach IDW S 1 i. d. F. 2008 bzw. IDW RS HFA 10 für Bewertungsstichtage, beginnend ab 01.09.2017, dar. Die Zinssätze wurden gemäß Vorgaben des IDW (vgl. WPH Edition, Bewertung und Transaktionsberatung,...
Advisory Tax

Steuerliche Maß­nahmen zur Berück­sichtigung des Corona­virus

Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurden vielschichtige Erleichterungen für Steuerpflichtige, insbesondere verfahrenstechnischer Art, gestattet. Im weiteren Verlauf der Corona-Krise erfuhren diese Erleichterungen stellenweise Änderungen; teilweise wurden sie zurückgenommen oder neue kamen hinzu. Das IDW publizierte bereits frühzeitig einen fachlichen Hinweis mit einer Übersicht zu solchen steuerlichen Maßnahmen zur Berücksichtigung...
Audit

Umsatz­realisie­rung beim Werk­lieferungs­vertrag

Das IDW befasst sich mit dem Fall eines Werklieferungsvertrags über eine herzustellende Maschine mit Montageverpflichtung und gibt Hinweise zu folgenden Fragestellungen: Ist in solchen Fällen im handelsrechtlichen Jahresabschluss eine Umsatzrealisierung des Gesamtauftrags bereits bei Lieferung der Maschine zulässig? Und sind bei der Bildung einer Rückstellung für die noch ausstehenden...