{"id":16766,"date":"2022-04-29T12:05:08","date_gmt":"2022-04-29T10:05:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kleeberg.de\/?p=16766"},"modified":"2024-10-07T14:13:26","modified_gmt":"2024-10-07T12:13:26","slug":"besteuerung-von-aufsichtsratsverguetungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kleeberg.de\/en\/2022\/04\/29\/besteuerung-von-aufsichtsratsverguetungen\/","title":{"rendered":"Besteuerung von Auf&shy;sichtsrats&shy;verg\u00fctungen"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mit der Ver\u00f6ffentlichung des BMF-Schreibens vom 08.07.2021 und vom 29.03.2022 \u00e4ndert die Finanzverwaltung grundlegend die bisherige Umsatzbesteuerung von Aufsichtsratsverg\u00fctungen. W\u00e4hrend die Aufsichtsr\u00e4te bisher automatisch als selbstst\u00e4ndig t\u00e4tig und damit als umsatzsteuerliche Unternehmer galten, hat die Finanzverwaltung nun die aktuelle EuGH-Rechtsprechung zur Besteuerung von Verg\u00fctungen f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te \u00fcbernommen. Voraussetzung f\u00fcr die Annahme einer umsatzsteuerlichen (unternehmerischen) T\u00e4tigkeit der Aufsichtsr\u00e4te sind nunmehr die variablen, t\u00e4tigkeitsabh\u00e4ngigen Verg\u00fctungen.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit BMF-Schreiben vom 08.07.2021 und vom 29.03.2022 \u00e4ndert die Finanzverwaltung den Umsatzsteuererlass als Folge der aktuelleren EuGH-Rechtsprechung und regelt die umsatzsteuerliche Besteuerung der T\u00e4tigkeit der Aufsichtsr\u00e4te im Umsatzsteuer-Anwendungserlass neu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Bisherige umsatzsteuerliche Behandlung der Leistungen von Aufsichtsr\u00e4ten<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zur \u00c4nderung der Verwaltungsvorschriften waren lt. Abschn.&nbsp;2.2. Abs.&nbsp;3 UStAE die Aufsichtsr\u00e4te, die an sich ertragsteuerlich als selbstst\u00e4ndig T\u00e4tige gelten, automatisch auch umsatzsteuerliche Unternehmer. Alle inl\u00e4ndischen Aufsichtsr\u00e4te waren dadurch verpflichtet, die Ums\u00e4tze als Aufsichtsrat der Umsatzsteuer zu unterwerfen, die Umsatzsteuer in ihren Rechnungen auszuweisen und umsatzsteuerliche Deklarationen abzugeben, soweit sie keine Kleinunternehmer waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei im Ausland ans\u00e4ssigen Aufsichtsr\u00e4ten war die leistungsempfangende inl\u00e4ndische Gesellschaft Steuerschuldnerin der Umsatzsteuer. Die Rechnung wurde ohne Umsatzsteuer ausgestellt und das empfangende deutsche Unternehmen (z.B. die Aktiengesellschaft) versteuert nach \u00a7&nbsp;13b UStG (umgekehrte Steuerschuldnerschaft) die bezogene Leistung beim Finanzamt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese umsatzsteuerliche Einordnung gilt bis dato nicht nur f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te einer Aktiengesellschaft, sondern auch f\u00fcr andere vergleichbare T\u00e4tigkeiten, das kann z.B. auch die T\u00e4tigkeit von Beiratsmitgliedern einer GmbH sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Neue umsatzsteuerliche Behandlung der Leistungen von Aufsichtsr\u00e4ten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die automatische Behandlung von Aufsichtsr\u00e4ten als umsatzsteuerliche Unternehmer wurde in der j\u00fcngeren Vergangenheit nicht nur durch den EuGH, sondern auch durch den BFH verneint (EuGH-Urteil vom 13.06.2019 (C-420\/18) und BFH-Urteil vom 27.09.2019 (V R 23\/19)).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gem\u00e4\u00df dieser EuGH- und BFH-Rechtsprechung ist Kriterium f\u00fcr die Beurteilung eines Aufsichtsrats als umsatzsteuerlicher Unternehmer die Verg\u00fctungsart und nicht mehr die Art seiner T\u00e4tigkeit. Danach tr\u00e4gt das Aufsichtsratsmitglied bei Vereinnahmung einer variablen Verg\u00fctung das wirtschaftliche Risiko und gilt deshalb als umsatzsteuerlicher Unternehmer. Bei Vereinbarung einer festen, t\u00e4tigkeitsunabh\u00e4ngigen Verg\u00fctung ist das Aufsichtsratsmitglied hingegen kein umsatzsteuerlicher Unternehmer. Diese EuGH- und BFH-Rechtsprechung hat nun die Finanzverwaltung durch die Ver\u00f6ffentlichung zweier BMF-Schreiben \u00fcbernommen und schafft dadurch die bisherigen Regelungen zur Umsatzbesteuerung von Aufsichtsr\u00e4ten ab. Dabei ist zu beachten, dass die bisherigen ertragsteuerlichen Regelungen zur Besteuerung von Aufsichtsr\u00e4ten weiterhin bestehen bleiben, lediglich die umsatzsteuerliche Behandlung wird von der ertragsteuerlichen Behandlung entkoppelt und ist unabh\u00e4ngig davon zu w\u00fcrdigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><u>Keine umsatzsteuerbare T\u00e4tigkeit bei fixen Sitzungsgeldern<\/u><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gem\u00e4\u00df der neueren Verlautbarung der Finanzverwaltung sei die T\u00e4tigkeit als Mitglied im Aufsichtsrat nicht steuerbar, wenn das Aufsichtsratsmitglied:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Aufgrund einer nur oder \u00fcberwiegend erhaltenen fixen Festverg\u00fctung kein Verg\u00fctungsrisiko tr\u00e4gt; dies gilt unabh\u00e4ngig davon, ob die Verg\u00fctung in Geldzahlungen oder in Sachzuwendungen besteht,<\/li>\n\n\n\n<li>er nur eine pauschale Aufwandsentsch\u00e4digung erh\u00e4lt, die f\u00fcr die Dauer der Mitgliedschaft im Aufsichtsrat gezahlt wird und f\u00fcr s\u00e4mtliche T\u00e4tigkeiten abgeltende Wirkung hat,<\/li>\n\n\n\n<li>keine Sitzungsgelder erh\u00e4lt, die nur gezahlt werden, wenn er tats\u00e4chlich an der Sitzung teilnimmt,<\/li>\n\n\n\n<li>keine nach dem tats\u00e4chlichen Aufwand bemessene Aufwandsentsch\u00e4digungen erh\u00e4lt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Conclusio f\u00fchren grunds\u00e4tzlich feste Pauschalen, die an Mitglieder von Aufsichtsr\u00e4ten f\u00fcr ihre<br>T\u00e4tigkeiten gezahlt werden, soweit diese nicht abh\u00e4ngig vom Umfang der T\u00e4tigkeit gezahlt werden, zu keinen umsatzsteuerbaren T\u00e4tigkeiten. Insoweit wird der Aufsichtsrat nicht selbstst\u00e4ndig t\u00e4tig und es sind keine Rechnungen mit Umsatzsteuerausweis auszustellen. Dies gilt analog auch bei ausl\u00e4ndischen Aufsichtsratsmitgliedern, deren Leistungen beim deutschen Leistungsempf\u00e4nger keine Besteuerung nach \u00a7&nbsp;13b UStG (umgekehrte Steuerschuldnerschaft) mehr ausl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><u>Variable Verg\u00fctungen bestimmen zuk\u00fcnftig die Umsatzsteuerbarkeit der erbrachten Leistung<\/u><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch zuk\u00fcnftig kann die T\u00e4tigkeit der Aufsichtsr\u00e4te umsatzsteuerbar sein (und z.B. die umsatzsteuerliche Unternehmereigenschaft des Aufsichtsrats begr\u00fcnden), wenn variable Verg\u00fctungen gezahlt werden. Als variable Verg\u00fctung gelten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sitzungsgelder, die das Mitglied des Aufsichtsrats nur erh\u00e4lt, wenn es tats\u00e4chlich an der Sitzung teilnimmt,<\/li>\n\n\n\n<li>nach dem tats\u00e4chlichen Aufwand bemessene Aufwandsentsch\u00e4digungen,<\/li>\n\n\n\n<li>besteht die Verg\u00fctung des Aufsichtsratsmitglieds sowohl aus festen als auch aus variablen Bestandteilen, ist das Aufsichtsratsmitglied grunds\u00e4tzlich selbstst\u00e4ndig t\u00e4tig, wenn die variablen Bestandteile \u2013 im Gesch\u00e4ftsjahr der Gesellschaft \u2013 mindestens 10&nbsp;% der gesamten Verg\u00fctung des jeweiligen Aufsichtsrats betragen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bez\u00fcglich der Berechnung der 10%-Grenze gilt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Berechnung der 10%-Grenze ist allein die H\u00f6he der erhaltenen variablen Verg\u00fctungen einzubeziehen, erhaltene Aufwandsentsch\u00e4digungen sowie Reisekostenerstattungen sind keine Verg\u00fctungsbestandteile der variablen Verg\u00fctung und sind demzufolge bei der Ermittlung der 10%-Grenze nicht zu ber\u00fccksichtigen. Die 10%-Grenze ist f\u00fcr jedes Mandat eines Aufsichtsrats separat zu pr\u00fcfen. Erhalten die Aufsichtsratsmitglieder ausschlie\u00dflich oder \u00fcberwiegend variable Verg\u00fctungen, sind sie umsatzsteuerlich wie bisher zu behandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit BMF-Schreiben vom 29.03.2022 als Folge zahlreicher offenen Fragen aus der Praxis zur Umsetzung der Neuregelung, hat die Finanzverwaltung die Berechnung der 10%-Grenze konkretisiert. Danach sind bei der Pr\u00fcfung der oben genannten 10%-Grenze nur die Verg\u00fctungsbestandteile zu ber\u00fccksichtigen, die f\u00fcr Leistungen gezahlt werden, die in dem betreffenden Gesch\u00e4ftsjahr ausgef\u00fchrt werden. Die allgemeine T\u00e4tigkeit des Aufsichtsratsmitglieds wird mit dem Ablauf des Gesch\u00e4ftsjahrs bzw. des Wirtschaftsjahrs der Gesellschaft ausgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders ist es bei t\u00e4tigkeitsabh\u00e4ngigen Verg\u00fctungen: Erh\u00e4lt ein Aufsichtsratsmitglied f\u00fcr die tats\u00e4chliche Teilnahme an einer Aufsichtsratssitzung Auslagenersatz und Sitzungsgeld, sei der ma\u00dfgebliche Leistungszeitpunkt der Tag der Aufsichtsratssitzung. In die Pr\u00fcfung der 10%-Grenze sind als variable Verg\u00fctungsbestandteile die Sitzungsgelder aller geplanten Sitzungen eines Gesch\u00e4ftsjahrs der Gesellschaft, unabh\u00e4ngig von der tats\u00e4chlichen Teilnahme des Aufsichtsratsmitglieds, mit einzubeziehen. Ma\u00dfgeblicher Zeitpunkt f\u00fcr die Pr\u00fcfung der 10%-Grenze ist der Beginn des Gesch\u00e4ftsjahrs der Gesellschaft; nachtr\u00e4gliche \u00c4nderungen bleiben unber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die oben aufgef\u00fchrten Regelungen betreffen nicht nur die T\u00e4tigkeiten der Aufsichtsr\u00e4te bei AG, sondern auch der Mitglieder von anderen Gremien, die nicht der Aus\u00fcbung, sondern der Kontrolle der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung einer juristischen Person oder Personenvereinigung dienen, wie beispielsweise die Beir\u00e4te bei der GmbH.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Folgende Aufsichtsratsmitglieder seien per se weiterhin keine Unternehmer, unabh\u00e4ngig davon, ob eine variable oder feste Verg\u00fctung vereinbart wird:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Beamte und andere Bedienstete einer Gebietsk\u00f6rperschaft, die die T\u00e4tigkeit als Aufsichtsratsmitglied auf Verlangen, Vorschlag oder Veranlassung ihres Arbeitgebers \u00fcbernommen haben,<\/li>\n\n\n\n<li>Mitglieder der Bundes- oder einer Landesregierung, soweit sie im Zusammenhang mit ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zur Regierung einem Aufsichtsrat angeh\u00f6ren und einer zumindest teilweisen \u00f6ffentlich-rechtlichen Abf\u00fchrungspflicht unterliegen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese oben genannten Kriterien sind f\u00fcr jedes Aufsichtsratsmitglied f\u00fcr jedes Gesch\u00e4ftsjahr gesondert zu pr\u00fcfen bzw. zu \u00fcberwachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Zeitlicher Anwendungsbereich&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neuen Regelungen sind grunds\u00e4tzlich ab 08.07.2021 in allen offenen F\u00e4llen anzuwenden. Die Finanzverwaltung gew\u00e4hrte jedoch faktisch ein Wahlrecht, die bisherigen Regelungen zur Besteuerung von Aufsichtsr\u00e4ten \u00fcbergangsweise weiterhin bis zum 31.12.2021 anzuwenden. Gegebenenfalls sind \u00c4nderungsantr\u00e4ge gegen die nachteiligen und noch offenen Umsatzsteuerbescheide zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Fragen, die sich f\u00fcr die Praxis stellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entf\u00e4llt gem\u00e4\u00df der Neuregelung die Unternehmereigenschaft f\u00fcr die Aufsichtsratsmitglieder, entf\u00e4llt grunds\u00e4tzlich auch die Umsatzsteuerpflicht betreffend die Ums\u00e4tze aus Aufsichtsratst\u00e4tigkeiten. Insbesondere Aufsichtsr\u00e4te, die neben ihrer Aufsichtsratst\u00e4tigkeit weitere steuerbare Ums\u00e4tze aus anderen T\u00e4tigkeiten erzielen, haben die Kleinunternehmerregelung bzw. die Fortsetzung der Umsatzsteuerpflicht zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dabei sollen insbesondere die Kleinunternehmergrenzen neu ermittelt und auf die Auswirkungen im Hinblick auf die Umsatzsteuerpflicht und den Vorsteuerabzug untersucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus ist die neue Regelung im Hinblick auf eine m\u00f6gliche Steuerbefreiung f\u00fcr ehrenamtliche T\u00e4tigkeit und daraus resultierende Vorsteuerabzugsbeschr\u00e4nkungen zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die umsatzsteuerliche Behandlung und Auswirkungen im Falle einer unberechtigt ausgewiesenen Umsatzsteuer in der Rechnung nach \u00a7&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 UStG muss sowohl beim Aufsichtsrat als auch bei der Gesellschaft hinterfragt und \u00fcberpr\u00fcft werden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5. Beispiele aus der Praxis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Berechnung der  10%-Grenze<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der X-AG entspricht das Gesch\u00e4ftsjahr dem Kalenderjahr. Die Aufsichtsr\u00e4te der X-AG erhalten f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2022 jeweils eine feste Verg\u00fctung von EUR&nbsp;10.000 netto pro Gesch\u00e4ftsjahr f\u00fcr die Teilnahme an den regul\u00e4ren Sitzungen. Die Verg\u00fctung wird auch dann ausbezahlt, wenn die Aufsichtsratsmitglieder nicht an allen regul\u00e4ren Sitzungen teilnehmen. Grunds\u00e4tzlich finden pro Jahr vier regul\u00e4re Aufsichtsratssitzungen statt. Ab der f\u00fcnften Sitzung stehen den Aufsichtsratsmitgliedern eine zus\u00e4tzliche Verg\u00fctung von EUR&nbsp;1.000 netto pro jede weitere Sitzung zu, die nur dann ausbezahlt wird, wenn die Aufsichtsratsmitglieder an der Sitzung tats\u00e4chlich teilnehmen. Die Reisekostenerstattung betr\u00e4gt pro Sitzung pauschal EUR&nbsp;250 netto. F\u00fcr das Jahr 2022 sind am Anfang des Jahres insgesamt sechs Aufsichtsratssitzungen geplant, die letzten zwei Sitzungen finden in September 2022 und Dezember 2022 statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>L\u00f6sung: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die allgemeine Leistung der Aufsichtsr\u00e4te in H\u00f6he von jeweils EUR&nbsp;10.000 wird zum 31.12.2022 ausgef\u00fchrt. Die restlichen Leistungen im Zusammenhang mit den letzten variablen Sitzungen werden in September und Dezember 2022 ausgef\u00fchrt. Im Gesch\u00e4ftsjahr 2022 hat jedes Aufsichtsratsmitglied Leistungen von insgesamt EUR&nbsp;12.000 erbracht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da der Anteil der variablen Verg\u00fctung die 10%-Grenze in Gesch\u00e4ftsjahr 2022 \u00fcberschreitet sind die Aufsichtsr\u00e4te der X-AG in 2022 umsatzsteuerliche Unternehmer:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"317\" height=\"81\" src=\"https:\/\/www.kleeberg.de\/wp-content\/uploads\/Tabelle-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-16800\" srcset=\"https:\/\/www.kleeberg.de\/wp-content\/uploads\/Tabelle-2.png 317w, https:\/\/www.kleeberg.de\/wp-content\/uploads\/Tabelle-2-300x77.png 300w\" sizes=\"(max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Davon Anteil variable Verg\u00fctung: 16,66&nbsp;%, Reisekosten sind nicht einzubeziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gesch\u00e4ftsjahr 2022 hat die neue Regelung keine Auswirkung auf die Aufsichtsr\u00e4te der X-AG, denn sie sind wie nach der alten Regelung umsatzsteuerliche Unternehmer und haben wie bisher umsatzsteuerliche Deklarationen abzugeben und die Umsatzsteuer auf die vereinnahmten Verg\u00fctungen an das Finanzamt abzuf\u00fchren, soweit sie keine Kleinunternehmer sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Ermittlung der 10%-Grenze sind die geplanten und nicht die tats\u00e4chlichen Sitzungen, f\u00fcr die eine t\u00e4tigkeitsbezogene Verg\u00fctung gezahlt wird. Dabei ist aus der Planung zu Beginn des Gesch\u00e4ftsjahres auszugehen. Sollte die Verg\u00fctung am Gesch\u00e4ftsjahresende nicht entsprechend der Prognose ausfallen, m\u00fcssen keine Korrekturen vorgenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>6. Ausblick und Empfehlung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der \u00c4nderung des Umsatzsteueranwendungserlasses wurde die Umsatzbesteuerung der Aufsichtsr\u00e4te grundlegend ge\u00e4ndert. Nur Aufsichtsr\u00e4te, die aufgrund einer t\u00e4tigkeitsabh\u00e4ngigen Verg\u00fctung das wirtschaftliche Risiko tragen sind umsatzsteuerliche Unternehmer. Nun kann durch die vertragliche Ausgestaltung der Verg\u00fctungsregelung faktisch selbst bestimmt werden, ob die Verg\u00fctungen als umsatzsteuerpflichtig oder als nicht steuerbar behandelt werden sollen. Unternehmen, die Aufsichtsrats- oder Beiratsverg\u00fctungen zahlen aber auch die Aufsichtsr\u00e4te selber, sollten zeitnah \u00fcberpr\u00fcfen, inwieweit die neue Regelung Auswirkung auf deren aktuellen Vorsteuerabzug haben und ggf. von der bisherigen Regelung bis 31.12.2021 Gebrauch machen, wenn diese f\u00fcr sie vorteilhafter ist. Zuk\u00fcnftig ist zu \u00fcberlegen, welche steuerliche Behandlung f\u00fcr den leistungsempfangenden Unternehmer vorteilhafter ist und die Aufsichtsratsverg\u00fctung vertraglich entsprechend ausgestalten. Nicht vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer wie beispielsweise gemeinn\u00fctzige Gesellschaften oder Unternehmen der Bank- und Versicherungsbranche sollten eher eine feste Verg\u00fctung vereinbaren, da sie ansonsten aufgrund ihrer steuerfreien Ausgangsleistungen die Vorsteuer nicht geltend machen k\u00f6nnen. Gerne k\u00f6nnen wir bei allen Fragestellungen im Zusammenhang mit der neuen Regelung unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Ver\u00f6ffentlichung des BMF-Schreibens vom 08.07.2021 und vom 29.03.2022 \u00e4ndert die Finanzverwaltung grundlegend die bisherige Umsatzbesteuerung von Aufsichtsratsverg\u00fctungen. W\u00e4hrend die Aufsichtsr\u00e4te bisher automatisch als selbstst\u00e4ndig t\u00e4tig und damit als umsatzsteuerliche Unternehmer galten, hat die Finanzverwaltung nun die aktuelle EuGH-Rechtsprechung zur Besteuerung von Verg\u00fctungen f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te \u00fcbernommen. 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