{"id":33992,"date":"2025-07-28T10:38:00","date_gmt":"2025-07-28T08:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kleeberg.de\/?p=33992"},"modified":"2025-07-28T10:27:52","modified_gmt":"2025-07-28T08:27:52","slug":"auswirkungen-geopolitischer-unsicherheiten-und-risiken-auf-die-bilanzierung-und-bewertung-nach-hgb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kleeberg.de\/en\/2025\/07\/28\/auswirkungen-geopolitischer-unsicherheiten-und-risiken-auf-die-bilanzierung-und-bewertung-nach-hgb\/","title":{"rendered":"Auswirkungen geopolitischer Unsicherheiten und Risiken auf die Bilanzierung und Bewertung nach HGB"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die aktuelle Bilanzierung und Bewertung stehen unter dem Einfluss geopolitischer Unsicherheiten. Ausgel\u00f6st insbesondere durch den seit Jahren andauernden Ukrainekrieg, den Krieg im Nahen Osten und die Handelspolitik der USA, zwingen neue Z\u00f6lle, Exportrestriktionen, Schwankungen auf Rohstoffm\u00e4rkten und unterbrochene Lieferketten Unternehmen, die unternehmensindividuellen Auswirkungen in ihrer Berichterstattung nach HGB sachgerecht abzubilden. Die Unternehmen m\u00fcssen auch in ihrer Halbjahresberichterstattung bzw. unterj\u00e4hrigen Rechnungslegung mit potenziellen Auswirkungen auf die Bilanzierung und Bewertung rechnen.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Hintergrund<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wirtschaftliche Berichterstattung zum 30.06.2025 sowie unterj\u00e4hrig im Jahr 2025 wird ma\u00dfgeblich durch eine <strong>Vielzahl geopolitischer Unsicherheiten<\/strong> beeinflusst. Zu den Herausforderungen z\u00e4hlen bspw. der andauernde russische Angriffskrieg in der Ukraine, Exportbeschr\u00e4nkungen in China sowie die instabile und protektionistische US-Handelspolitik, die oft kurzfristige und teils widerspr\u00fcchliche Ma\u00dfnahmen wie Zollerh\u00f6hungen umfasst. Diese Entwicklungen haben signifikante Auswirkungen auf den globalen Handel und hierdurch auch auf Rohstoffpreise, Lieferketten und Wechselkurse \u2013 allesamt Faktoren, die direkt in die Unternehmensberichterstattung einflie\u00dfen. Unternehmen geraten insbesondere bei der kurzfristigen Anpassung ihrer Rechnungslegung an neue Realit\u00e4ten, z.&nbsp;B. durch Wertminderungen oder ge\u00e4nderte Steuergrundlagen, unter Druck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Folgenden werden zahlreiche ausgew\u00e4hlte Aspekte im Zusammenhang mit den <strong>Auswirkungen geopolitischer Unsicherheiten und Risiken<\/strong> auf die Bilanzierung und Bewertung zum 30.06.2025 nach HGB \u00fcberblicksartig betrachtet. Die entsprechenden Hinweise gelten ebenso f\u00fcr die weitere unterj\u00e4hrige Berichterstattung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Betroffene Abschlussposten und potenzielle Risiken<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Anlageverm\u00f6gen und Vorr\u00e4te<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bewertung des <strong>Sachanlageverm\u00f6gens<\/strong> bleibt weitgehend unber\u00fchrt von den politischen sowie wirtschaftlichen Unsicherheiten. Hierbei gelten unver\u00e4ndert f\u00fcr das Anlageverm\u00f6gen die Bewertungsvorschriften gem. \u00a7&nbsp;253&nbsp;Abs.&nbsp;3&nbsp;HGB, die nur bei dauerhaften Wertminderungen eine au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Abschreibung gem. \u00a7&nbsp;253&nbsp;Abs.&nbsp;3&nbsp;Satz&nbsp;5&nbsp;HGB erfordern. Bei dieser Beurteilung sind allerdings die aktuellen externen Faktoren zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Sachanlageverm\u00f6gen stehen die <strong>immateriellen Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde<\/strong> und die <strong>Finanzanlagen<\/strong> gegen\u00fcber, welche durch geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten in manchen F\u00e4llen neu bewertet werden m\u00fcssen. Besonders anf\u00e4llig sind Gesch\u00e4fts- oder Firmenwerte sowie Finanzanlagen \u2013 z.&nbsp;B. Anteile an verbundenen Unternehmen und Beteiligungen \u2013, da ihre Werthaltigkeit stark von zuk\u00fcnftigen Ertragsaussichten und Marktbedingungen, wie etwa der Inflationsrate oder den Leitzinsen, abh\u00e4ngt. Werden <strong>Gesch\u00e4fts- oder Firmenwerte<\/strong> aufgrund eines Wertberichtigungsbedarfs au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig abgeschrieben, so ist zu beachten, dass im Gegensatz zu anderen Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nden ein Wertaufholungsverbot gem.&nbsp;\u00a7&nbsp;253&nbsp;Abs.&nbsp;5&nbsp;Satz&nbsp;2&nbsp;ggf.&nbsp;i.V.m.&nbsp;\u00a7&nbsp;298&nbsp;Abs.&nbsp;1&nbsp;HGB besteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei <strong>Vorr\u00e4ten<\/strong> erfolgt eine Bewertung nach \u00a7&nbsp;253&nbsp;Abs.&nbsp;1&nbsp;Satz&nbsp;1&nbsp;HGB grunds\u00e4tzlich zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Sofern der beizulegende Wert am Abschlussstichtag dauerhaft unter diesen liegt, ist gem\u00e4\u00df dem <strong>strengen Niederstwertprinzip im Umlaufverm\u00f6gen<\/strong> unabh\u00e4ngig von der voraussichtlichen Dauer dieser Wertminderung eine au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Abschreibung vorzunehmen. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, aber auch fertige und unfertige Erzeugnisse m\u00fcssen au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig abgeschrieben werden, sofern sie nicht mehr zu einem ausk\u00f6mmlichen Preis verarbeitet oder ver\u00e4u\u00dfert werden k\u00f6nnen. Der beizulegende Wert bemisst sich dann regelm\u00e4\u00dfig nach dem vermutlich erzielbaren Ver\u00e4u\u00dferungspreis abz\u00fcglich der noch anfallenden Kosten. Hierbei ist zu beachten, dass es aufgrund von Lieferengp\u00e4ssen oder sinkender Nachfrage zu vor\u00fcbergehenden Stilllegungen oder Nutzungseinschr\u00e4nkungen in der Fertigung kommen kann, wodurch die Fertigungsgemeinkosten steigen. Diese sind als sog. \u201eLeerkosten\u201c nicht den Herstellungskosten zuzuschreiben und stellen einen Aufwand der Periode dar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Ertragsteuern und latente Steuern<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Latente Steuern sind im HGB anzusetzen, wenn sich Unterschiede zwischen der HGB-Bilanz und der Steuerbilanz ergeben. Die US-Handelspolitik und\/oder sonstige geo- und wirtschaftspolitische Unsicherheiten und Risiken k\u00f6nnen erheblichen Einfluss auf die Gesch\u00e4ftsmodelle von Unternehmen nehmen. In der Folge k\u00f6nnten auch <strong>die Finanz- und Steuerplanung<\/strong> betroffen sein. Sollte sich durch derartige Unsicherheiten ein negativer Effekt auf die Prognosen zuk\u00fcnftiger steuerlicher Ertr\u00e4ge ergeben, kann dies <strong>sowohl den Ansatz als auch die Bewertung aktiver latenter Steuern<\/strong> erheblich beeintr\u00e4chtigen. Die Aktivierung aktiver latenter Steuern aus tempor\u00e4ren Differenzen gem. \u00a7&nbsp;274&nbsp;Abs.&nbsp;1&nbsp;Satz&nbsp;2&nbsp;HGB setzt voraus, dass in den zuk\u00fcnftigen Perioden, in denen der Abbau dieser Differenzen erfolgen wird, ein steuerliches Einkommen vorhanden ist, mit dem die Differenzen verrechnet werden k\u00f6nnen. Gleiches gilt hinsichtlich aktiver latenter Steuern, die sich aus der <strong>Nutzung steuerlicher Verlustvortr\u00e4ge<\/strong> in sp\u00e4teren Perioden ergeben. Allerdings d\u00fcrfen latente Steuern auf Verlustvortr\u00e4ge nur in dem Umfang ber\u00fccksichtigt werden, in dem eine Verrechnung innerhalb einer Nutzung der n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre m\u00f6glich ist (\u00a7&nbsp;274&nbsp;Abs.&nbsp;1&nbsp;Satz&nbsp;4&nbsp;HGB;&nbsp;DRS&nbsp;18.21&nbsp;f.). Soweit nach diesen Grunds\u00e4tzen in k\u00fcnftigen Perioden keine Steuerentlastung mehr realisiert werden kann, sind auf bereits ber\u00fccksichtigte aktive latente Steuern entsprechende Wertkorrekturen \u2013 und damit eine Belastung des Jahresergebnisses \u2013 erforderlich (vgl.&nbsp;DRS&nbsp;18.12&nbsp;ff.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>Prognose k\u00fcnftiger steuerlicher Einkommen<\/strong> ist aus einer <strong>Planungsrechnung<\/strong> des Unternehmens abzuleiten. Soweit hier durch die Ber\u00fccksichtigung der Auswirkungen der US-Handelspolitik und\/oder sonstiger geo- und wirtschaftspolitischer Unsicherheiten und Risiken k\u00fcnftige steuerliche Einkommen entfallen oder reduziert werden und dadurch ber\u00fccksichtigte aktive latente Steuern nicht mehr realisiert werden k\u00f6nnen, sind entsprechende Anpassungen erforderlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Verbindlichkeiten<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die <strong>Bilanzierung von Verbindlichkeiten<\/strong> d\u00fcrften sich die US-Handelspolitik sowie sonstige geo- und wirtschaftspolitische Unsicherheiten und Risiken nur in Ausnahmef\u00e4llen (etwa im Falle einer mit einer Umschuldung bzw. Modifizierung von Darlehensparametern einhergehenden Novation) auswirken, da sich der Erf\u00fcllungsbetrag der Verbindlichkeit durch die Auswirkungen ansonsten nicht ver\u00e4ndert. <br>K\u00f6nnen infolge der US-Handelspolitik sowie sonstiger geo- und wirtschaftspolitischer Unsicherheiten und Risiken <strong>Kreditvereinbarungsklauseln (Covenants) nicht eingehalten<\/strong> werden und berechtigt die Nichteinhaltung den Gl\u00e4ubiger zur vorzeitigen F\u00e4lligstellung eines Darlehens, wirkt sich dies grunds\u00e4tzlich nicht auf die Bewertung der Verbindlichkeit selbst aus. Auswirkungen k\u00f6nnen sich allerdings auf die nach \u00a7\u00a7\u00a0268\u00a0Abs.\u00a05\u00a0Satz\u00a01,\u00a0285\u00a0Nr.\u00a01\u00a0Buchst.\u00a0a\u00a0HGB anzugebenden Restlaufzeiten \u2013 und damit auf den Ausweis \u2013 ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>R\u00fcckstellungen<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geo- sowie wirtschaftspolitische Unsicherheiten k\u00f6nnen sich auch auf die Bildung und Bewertung von R\u00fcckstellungen auswirken. Im Fokus stehen hierbei insbesondere <strong>R\u00fcckstellungen f\u00fcr drohende Verluste<\/strong>.Diese sind gem. \u00a7&nbsp;249&nbsp;Abs.&nbsp;1&nbsp;Satz&nbsp;1&nbsp;HGB zu bilden, wenn bei schwebenden Gesch\u00e4ften \u2013 insbesondere Absatzvertr\u00e4gen mit fixierten Entgelten \u2013 zum Abschlussstichtag ein Verlust droht. Dies ist regelm\u00e4\u00dfig dann gegeben, wenn der Erf\u00fcllungsaufwand des bilanzierenden Unternehmens, z.&nbsp;B. infolge externer Faktoren wie stark gestiegener Energie- oder Rohstoffpreise, den damit in Zusammenhang stehenden Ertrag \u00fcbersteigt. Ma\u00dfgeblich ist, ob der nach dem Abschlussstichtag aus dem gegenseitigen Vertrag noch zuerbringende Leistungsanteil des Unternehmens einen niedrigeren beizulegenden Wert aufweist als der entsprechende Gegenleistungsanspruch (sog. <strong>unausgeglichenes Gesch\u00e4ft<\/strong>). Ineinem solchen Fall besteht eine handelsbilanzielle Verpflichtung zur Bildung einer R\u00fcckstellung f\u00fcr den drohenden Verlust. Steuerlich gilt f\u00fcr Drohverlustr\u00fcckstellungen hingegen ein Ansatzverbot. Die Pr\u00fcfung hat auf Einzelvertragsbasis unter Ber\u00fccksichtigung der tats\u00e4chlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten am Bilanzstichtag (z.&nbsp;B. 30.06.2025 als Stichtag der Halbjahresfinanzberichterstattung) zu erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem k\u00f6nnen Sanktionen im Zuge des Ukrainekriegs oder der protektionistischen US-Handelspolitik <strong>potenzielle Haftungsrisiken<\/strong> begr\u00fcnden, f\u00fcr die Verbindlichkeitsr\u00fcckstellungen erforderlich sein k\u00f6nnen, sollte gegen m\u00f6gliche Handelsembargos versto\u00dfen werden.<br><br>Dar\u00fcber hinaus beeinflussen handelspolitische Spannungen auch den <strong>Wechselkurs<\/strong>, insbesondere USD\/EUR. Wechselkurs\u00e4nderungen sind gem. \u00a7\u00a0253\u00a0Abs.\u00a01\u00a0Satz\u00a02\u00a0HGB bei der Bewertung von R\u00fcckstellungen zu ber\u00fccksichtigen und k\u00f6nnen deren H\u00f6he, je nach Richtung der Kursentwicklung, erh\u00f6hen oder mindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Umsatzrealisierung<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der <strong>ma\u00dfgebliche Zeitpunkt der Umsatzrealisierung<\/strong> wird handelsrechtlich durch die Grunds\u00e4tze ordnungsm\u00e4\u00dfiger Buchf\u00fchrung \u2013 und hierbei im Wesentlichen durch das <strong>Realisationsprinzip<\/strong>, das eine Komponente des Vorsichtsprinzips nach \u00a7&nbsp;252&nbsp;Abs.&nbsp;1&nbsp;Nr.&nbsp;4&nbsp;HGB darstellt \u2013 bestimmt. Gewinne sind demnach nur dann zu ber\u00fccksichtigen, wenn sie am Abschlussstichtag realisiert sind. Als Zeitpunkt der Umsatz- bzw. Gewinnrealisierung gilt die Leistungserbringung, da hierdurch \u2013 im Gegensatz zu anderen m\u00f6glichen Zeitpunkten, wie dem Vertragsschluss oder dem Zahlungseingang des Schuldners \u2013 einerseits dem Vorsichtsprinzip Rechnung getragen wird und andererseits eine periodengerechte Erfolgsermittlung willk\u00fcrfrei durchgef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unstrittig stellt der Risikoabbau eine unverzichtbare Voraussetzung f\u00fcr die Gewinnrealisierung dar. Um diesem Erfordernis gerecht zu werden, erfolgt die Umsatzrealisierung im Allgemeinen erst dann, wenn der zur Leistung verpflichtete Vertragspartner seine aus dem Vertrag resultierenden Pflichten vollst\u00e4ndig erf\u00fcllt hat. Dies setzt voraus, dass der <strong>Anspruch des Leistenden auf die Gegenleistung<\/strong> als <strong>nahezu sicher<\/strong> angesehen werden kann. In der Regel ist dies der Fall, wenn beim Leistenden lediglich das Gew\u00e4hrleistungsrisiko und das Forderungsausfallrisiko verbleiben. Dies ist gegeben, wenn der Vertrag bis auf unwesentliche Nebenleistungen erf\u00fcllt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <strong>Gew\u00e4hrleistungsrisiko<\/strong> wird durch die Bildung entsprechender R\u00fcckstellungen ber\u00fccksichtigt, w\u00e4hrend dem <strong>Forderungsausfallrisiko<\/strong> durch angemessene Wertberichtigungen Rechnung zu tragen ist. Die Erfassung unsicherer und nicht verf\u00fcgbarer Gewinne wird ausgeschlossen, sobald durch die Erf\u00fcllungshandlungen des Leistenden die Situation erreicht ist, in der der Anspruch auf die Gegenleistung \u2013 abgesehen vom Forderungsausfallrisiko \u2013 als gesichert anzusehen ist. In der Praxis ist dieser Zeitpunkt \u00fcblicherweise mit dem \u00dcbergang der Preisgefahr auf den Kunden verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten ist die <strong>Zahlungsf\u00e4higkeit der Kunden verst\u00e4rkt zu pr\u00fcfen<\/strong>. Bestehen Zweifel an der Einbringlichkeit einer Forderung, ist diese unter Ber\u00fccksichtigung des Bedarfs an Einzelwertberichtigungen zu behandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Aktualisierung von Angaben \u00fcber Gegebenheiten am Abschlussstichtag<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die aktuellen Gegebenheiten am Abschlussstichtag (<strong>Wertaufhellung<\/strong>) unmittelbar Einfluss auf die Bilanzierung und Bewertung nehmen, ist \u00fcber die Ereignisse nach dem Stichtag (<strong>Wertbegr\u00fcndung<\/strong>), die bis zur Aufstellung des Zwischenabschlusses eingetreten sind, ebenso zu berichten. Wertbegr\u00fcndende Ereignisse unterliegen gem. \u00a7&nbsp;285&nbsp;Nr.&nbsp;33&nbsp;HGB einer Angabepflicht. Dies gilt nach HGB mindestens f\u00fcr mittelgro\u00dfe und gro\u00dfe Kapitalgesellschaften. Ereignisse, die nicht in der Bilanz selbst zu ber\u00fccksichtigen sind, m\u00fcssen im Rahmen eines sog. <strong>Nachtragsberichts<\/strong> dargestellt werden. Dabei sind die Art und die finanziellen Auswirkungen dieser Ereignisse anzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entsprechende Vorg\u00e4nge besitzen immer dann eine <strong>besondere Bedeutung<\/strong>, wenn diese dazu gef\u00fchrt h\u00e4tten, dass die Lage der Gesellschaft anders dargestellt worden w\u00e4re, w\u00e4ren sie bereits vor dem Ende des Berichtszeitraums eingetreten. Die Beurteilung solcher Vorg\u00e4nge ist in der aktuellen Situation h\u00f6chst individuell vorzunehmen. Hinsichtlich der Angabepflicht im Anhang, insbesondere der Notwendigkeit, die finanziellen Auswirkungen solcher Ereignisse zu benennen, gestaltet sich eine konkrete Auskunft f\u00fcr die Bilanzierenden <strong>h\u00e4ufig schwierig<\/strong>. In diesem Fall sind <strong>Sch\u00e4tzungen<\/strong> vorzunehmen, wobei die zugrunde gelegten Annahmen entsprechend zu erl\u00e4utern sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Going Concern<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuellen, vielf\u00e4ltigen Risiken erschweren die Zukunftsbetrachtung, sorgen gleichzeitig jedoch f\u00fcr eine gesteigerte Bedeutung der <strong>Beurteilung der Unternehmensfortf\u00fchrung<\/strong> (Going Concern-Pr\u00e4misse).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>Einsch\u00e4tzung der Unternehmensfortf\u00fchrung<\/strong> gem. \u00a7&nbsp;252&nbsp;Abs.&nbsp;1&nbsp;Nr.&nbsp;2&nbsp;HGB ist Voraussetzung und zwingend erforderlich f\u00fcr die Aufstellung eines HGB-Abschlusses. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung hat diese Beurteilung auf Basis interner Ma\u00dfnahmen sowie der wirtschaftlichen, branchenspezifischen und geopolitischen Lage vorzunehmen (vgl.&nbsp;IDW&nbsp;RS&nbsp;HFA&nbsp;17,&nbsp;IDW&nbsp;PS&nbsp;270&nbsp;n.F.). Die Beurteilung erfolgt dabei unter Ber\u00fccksichtigung aller erkennbaren Risiken und Unsicherheiten \u00fcber einen <strong>Prognosezeitraum von i.d.R. zw\u00f6lf Monaten<\/strong>. Prognosen d\u00fcrfen dabei keine hypothetischen \u201eAls-ob\u201c-Annahmen enthalten, sondern m\u00fcssen auf Grundlage belastbarer Kennzahlen und durch Ma\u00dfnahmen belegbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sollten die aktuellen globalen Entwicklungen eine <strong>bestandsgef\u00e4hrdende Lage<\/strong> ausl\u00f6sen \u2013 etwa durch wegbrechende Absatzm\u00e4rkte, gestiegene Energiepreise, Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse oder Sanktionsfolgen \u2013, ist eine kritische Einsch\u00e4tzung erforderlich, und bei begr\u00fcndeten Zweifeln an der F\u00e4higkeit zur Fortf\u00fchrung des Unternehmens muss dies offengelegt werden. F\u00fcr den Fall, dass nicht mehr von Going Concern auszugehen ist, muss die Bilanzierung und Bewertung entsprechend angepasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen einer Zwischenberichterstattung muss die Fortf\u00fchrungsannahme auf der Grundlage aktualisierter Erkenntnisse \u00fcberpr\u00fcft werden, insbesondere dann, wenn sich die wirtschaftliche Lage seit dem letzten Jahresabschluss wesentlich ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Ausblick<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Halbjahresberichterstattung 2025 stellt eine <strong>Bew\u00e4hrungsprobe f\u00fcr Unternehmen<\/strong> dar. Werthaltigkeitspr\u00fcfungen auf der Aktivseite und die Bewertung von R\u00fcckstellungen auf der Passivseite stehen im Mittelpunkt, da sie die wirtschaftlichen Auswirkungen geopolitischer Unsicherheiten unmittelbar abbilden. Gleichzeitig setzen volatile M\u00e4rkte, schwankende Kundenbonit\u00e4ten und neue regulatorische Anforderungen die Finanzplanung der Unternehmen unter Druck. Vor allem deutsche Unternehmen mit US-Verflechtungen m\u00fcssen zudem bspw. auch die Entwicklungen in der amerikanischen Steuerpolitik im Blick behalten, um rechtzeitig auf m\u00f6gliche Belastungen zu reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die allgemeinen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten finden ihren Niederschlag in der Bilanzierung, Bewertung und Berichterstattung der Unternehmen und m\u00fcssen hinsichtlich der <strong>Prognose- und Planungsdaten<\/strong> angemessen ber\u00fccksichtigt werden. Dies gilt f\u00fcr die Halbjahresberichte ebenso wie f\u00fcr alle weiteren unterj\u00e4hrigen Abschlussstichtage, zu denen bilanziert, bewertet und berichtet wird. Im Hinblick auf den Jahresabschluss 2025 muss rechtzeitig gepr\u00fcft werden, welche Auswirkungen sich ergeben werden oder k\u00f6nnen. Hierbei ist auch auf eine zutreffende Ber\u00fccksichtigung der Aspekte, die sich bereits unterj\u00e4hrig auswirken, zu achten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle Bilanzierung und Bewertung stehen unter dem Einfluss geopolitischer Unsicherheiten. Ausgel\u00f6st insbesondere durch den seit Jahren andauernden Ukrainekrieg, den Krieg im Nahen Osten und die Handelspolitik der USA, zwingen neue Z\u00f6lle, Exportrestriktionen, Schwankungen auf Rohstoffm\u00e4rkten und unterbrochene Lieferketten Unternehmen, die unternehmensindividuellen Auswirkungen in ihrer Berichterstattung nach HGB sachgerecht abzubilden. 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