{"id":35203,"date":"2025-09-18T13:27:08","date_gmt":"2025-09-18T11:27:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kleeberg.de\/?p=35203"},"modified":"2025-09-18T20:40:33","modified_gmt":"2025-09-18T18:40:33","slug":"aktivierung-von-forschungs-und-entwicklungsausgaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kleeberg.de\/en\/2025\/09\/18\/aktivierung-von-forschungs-und-entwicklungsausgaben\/","title":{"rendered":"Aktivierung von Forschungs- und Entwicklungsausgaben"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Forschungs- und Entwicklungskosten werden nach IFRS, US-GAAP und HGB unterschiedlich bilanziert. Gem\u00e4\u00df IAS\u00a038 werden Forschungskosten stets als Aufwand erfasst, w\u00e4hrend Entwicklungskosten bei Erf\u00fcllung bestimmter Kriterien aktivierungspflichtig werden. Die US-GAAP verfolgen dagegen das Aufwandsprinzip, erlauben aber die Aktivierung bei Unternehmenszusammenschl\u00fcssen sowie bei physischen Verm\u00f6genswerten mit alternativer Nutzungsm\u00f6glichkeit. Das HGB verbietet die Aktivierung von Forschungskosten, bietet aber f\u00fcr Entwicklungskosten ein Wahlrecht.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Forschungs- und Entwicklungskosten nehmen in einer von Innovationen gepr\u00e4gten Wirtschaft eine wichtige Rolle ein. Sie bestimmen oft die Wettbewerbsf\u00e4higkeit oder die Best\u00e4ndigkeit von Unternehmen unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfenordnung. Bei der Bilanzierung solcher immateriellen Werte stellt sich daher die Frage, wie diese anzusetzen sind. Abh\u00e4ngig vom angewandten Regelwerk (IFRS, GAAP oder HGB) ergeben sich unterschiedliche Voraussetzungen, die ein individuelles Endergebnis implizieren. <br>Im Folgenden werden genauere Herangehensweisen erl\u00e4utert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>IFRS: Differenzierung zwischen Forschungs- und Entwicklungskosten<\/strong><br><br>F\u00fcr Ausgaben f\u00fcr immaterielle Verm\u00f6genswerte verlangt IAS\u00a038 eine klare Abgrenzung zwischen Forschungs- und Entwicklungskosten. <strong>Forschungskosten<\/strong> sind stets sofort <strong>als Aufwand zu erfassen<\/strong>, da ein k\u00fcnftiger wirtschaftlicher Nutzen in dieser fr\u00fchen Phase nicht verl\u00e4sslich nachweisbar ist. <strong>Entwicklungskosten<\/strong> sind dagegen zu aktivieren, sofern bestimmte <strong>Voraussetzungen erf\u00fcllt<\/strong> sind, etwa der Nachweis eines wahrscheinlichen k\u00fcnftigen wirtschaftlichen Nutzens und eine verl\u00e4ssliche Bewertbarkeit der Kosten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr <strong>selbst geschaffene immaterielle Verm\u00f6genswerte<\/strong> kommen weitere Kriterien hinzu: Technische Realisierbarkeit, Absicht und F\u00e4higkeit zur Fertigstellung und Nutzung bzw. zum Verkauf sowie der Nachweis ausreichender Ressourcen. Lassen sich Forschungs- und Entwicklungskosten nicht trennen, sind s\u00e4mtliche Aufwendungen erfolgswirksam zu erfassen. Im Rahmen einer Unternehmens\u00fcbernahme sind Forschungs- und Entwicklungskosten zum Fair Value anzusetzen; eine nicht identifizierbare Komponente geht in den Goodwill ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die IFRS-Regelung kn\u00fcpft an den zeitlichen Ablauf an. Ma\u00dfgeblich ist der Zeitpunkt, ab dem die Kriterien nach IAS&nbsp;38.65\u201366 erf\u00fcllt sind. Damit gilt Material zum <strong>Zeitpunkt seines Verbrauchs als aktivierungsf\u00e4hig<\/strong>, sofern es nicht bereits in der Forschungsphase eingesetzt wurde. Eine nachtr\u00e4gliche Aktivierung bereits aufwandswirksam erfasster Betr\u00e4ge ist ausgeschlossen. Vorauszahlungen f\u00fcr Verm\u00f6genswerte und Dienstleistungen bleiben hingegen aktivierungsf\u00e4hig. Liegt kein immaterieller Verm\u00f6genswert vor, kann eine Bilanzierung nach einem anderen Standard in Betracht kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Praxisbeispiel ist die Anschaffung einer Roboterschwei\u00dfanlage f\u00fcr 2&nbsp;Mio.&nbsp;\u20ac die zun\u00e4chst in einem Forschungsprojekt f\u00fcr neue Schwei\u00dfverfahren eingesetzt wird, sich jedoch sp\u00e4ter auch in der Serienproduktion nutzen l\u00e4sst. Nach IFRS stellt sich die Frage, ob die Kosten im Rahmen des Forschungsprojekts nach IAS&nbsp;38 sofort als Forschungsaufwand zu erfassen sind oder ob eine Aktivierung als Verm\u00f6genswert m\u00f6glich ist. Forschungskosten werden grunds\u00e4tzlich sofort aufwandswirksam, da in der fr\u00fchen Phase kein sicherer k\u00fcnftiger Nutzen (\u201ealternative future use\u201c) nachweisbar ist. IAS&nbsp;38.3 und IAS&nbsp;38.5 verweisen jedoch darauf, dass ein anderer IFRS-Standard Vorrang hat, wenn er die Aktivierung regelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da es sich bei der Roboterschwei\u00dfanlage um einen physischen Verm\u00f6genswert handelt, greift IAS&nbsp;16. Die Aktivierung erfolgt, wenn ein k\u00fcnftiger wirtschaftlicher Nutzen wahrscheinlich ist und die Anschaffungskosten verl\u00e4sslich ermittelt werden k\u00f6nnen. Beide Kriterien sind hier erf\u00fcllt, sodass die Anlage als Property, Plant and Equipment (PPE) zu aktivieren und planm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Nutzungsdauer abzuschreiben ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Begleitende Forschungsausgaben unterliegen strengeren Vorgaben. Spezialwerkzeuge, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr das Forschungsprojekt genutzt werden, stellen keinen eigenst\u00e4ndigen Verm\u00f6genswert dar und sind mangels k\u00fcnftigen Nutzens unmittelbar als Aufwand zu erfassen. Allgemein verwendbare Materialien, die auch in der regul\u00e4ren Produktion eingesetzt werden k\u00f6nnen, sind nach IAS&nbsp;2 (Vorr\u00e4te) zu bilanzieren und erst beim Verbrauch aufwandswirksam zu ber\u00fccksichtigen. Eine nachtr\u00e4gliche Aktivierung bereits erfasster Aufwendungen ist nach IAS&nbsp;38.71 ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Entscheidung, ob Forschungs- und Entwicklungskosten aktivierbar sind, ist in einem ersten Schritt die Definition des IAS\u00a038 entscheidend. Handelt es sich jedoch um einen physischen Verm\u00f6genswert ist ma\u00dfgebend, ob der Verm\u00f6genswert eine alternative Nutzungsm\u00f6glichkeit besitzt oder eigenst\u00e4ndig ansetzbar ist. In diesem Fall greifen die Vorschriften des jeweils einschl\u00e4gigen Standards (IAS\u00a016 oder IAS\u00a02); die Unterscheidung zwischen Forschung und Entwicklung nach IAS\u00a038 ist dann nicht ma\u00dfgeblich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>US-GAAP: Grundsatz der Aufwandswirksamkeit<\/strong><br><br>Die US-GAAP Regelungen verfolgen <strong>grunds\u00e4tzlich einen aufwandsorientierten Ansatz<\/strong> gem\u00e4\u00df ASC\u00a0730. Auf die Sonderregelungen nach ASC\u00a0985 (Internetpr\u00e4senzen) sowie ASC\u00a0350-40\/50 (Softwareanwendungen) wird im Folgenden nicht eingegangen. Interne Forschungs- und Entwicklungskosten sind demnach unmittelbar in der Periode ihres Anfalls als Aufwand zu erfassen. Allerdings bestehen bestimmte Ausnahmen: Nach den Vorgaben der US-GAAP ist im Rahmen eines <strong>Unternehmenszusammenschlusses<\/strong> (Business Combination nach ASC\u00a0805) eine <strong>Aktivierung<\/strong> von Forschungs- und Entwicklungskosten zum Fair Value vorgesehen, unabh\u00e4ngig davon, ob die entsprechenden Kosten eindeutig identifizierbar sind. Ein Ausweis im Goodwill ist hierbei ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus <strong>d\u00fcrfen physische Verm\u00f6genswerte<\/strong> aktiviert werden, sofern die Ansatzkriterien erf\u00fcllt sind und ein \u201e<strong>alternative future use<\/strong>\u201c besteht. Das bedeutet, dass die Verm\u00f6genswerte unabh\u00e4ngig vom Erfolg des urspr\u00fcnglichen Forschungsprojekts wirtschaftlich nutzbringend eingesetzt werden k\u00f6nnen \u2013 beispielsweise f\u00fcr andere Projekte oder in der Produktion. Ob ein solcher Nutzen vorliegt, h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich von den <strong>Einsch\u00e4tzungen und Erwartungen des Managements<\/strong> ab. Entscheidend ist, dass sinnvollerweise erwartet werden kann, dass der Verm\u00f6genswert in anderer Weise wirtschaftlich verwertbar ist. Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass der Verm\u00f6gensgegenstand fertig nutzbar ist. Im Kontext von Forschungs- und Entwicklungst\u00e4tigkeiten gilt f\u00fcr erworbene physische Verm\u00f6genswerte eine widerlegbare Vermutung eines k\u00fcnftigen Nutzens. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei erworbenen bzw. selbsterstellten <strong>immateriellen Verm\u00f6genswerten<\/strong> besteht eine solche Vermutung hingegen nicht. Hier muss mit einer <strong>Wahrscheinlichkeit von \u00fcber 50&nbsp;%<\/strong> nachgewiesen werden, dass aus weiteren Projekten ein alternativer Nutzen resultiert. Ausschlaggebend f\u00fcr die Beurteilung ist die Absicht des Managements, ob das Kriterium des \u201ealternative future use\u201c erf\u00fcllt ist. F\u00fcr aktivierte Kosten gilt: Aufwendungen, die w\u00e4hrend der Entwicklungsphase entstehen \u2013 wie etwa der Verbrauch von Materialien in F&amp;E-Aktivit\u00e4ten, die Abschreibung genutzter Anlagen und Ausr\u00fcstungen sowie die Amortisation eingesetzter immaterieller Verm\u00f6genswerte \u2013 sind als Aufwand zu erfassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>HGB: Grunds\u00e4tze und Aktivierungswahlrecht<\/strong><br><br>Die Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten ist in \u00a7\u00a0248 Abs.\u00a02 i.V.m.\u00a0\u00a7\u00a0255 Abs.\u00a02a HGB geregelt. F\u00fcr Forschungskosten gilt ein <strong>Aktivierungsverbot<\/strong>; sie sind zwingend als Aufwand zu erfassen. Ist eine verl\u00e4ssliche Abgrenzung zwischen Forschung und Entwicklung nicht m\u00f6glich, ist eine Aktivierung \u2013 analog zu IFRS \u2013 ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Entwicklungskosten besteht dagegen ein <strong>Aktivierungswahlrecht<\/strong>, sofern es sich um Aufwendungen f\u00fcr einen selbst geschaffenen immateriellen Verm\u00f6gensgegenstand des Anlageverm\u00f6gens handelt. Voraussetzungen sind die Abgrenzbarkeit und selbstst\u00e4ndige Bewertbarkeit des Verm\u00f6genswertes, eine hinreichende Erfolgswahrscheinlichkeit sowie die Zuordnung zum Anlageverm\u00f6gen, sodass ein Nutzen \u00fcber mehrere Perioden erwartet wird. Herstellungskosten in der Entwicklungsphase umfassen Ausgaben f\u00fcr den Verbrauch von G\u00fctern und die Inanspruchnahme von Diensten, die der Herstellung, Erweiterung oder wesentlichen Verbesserung des immateriellen Verm\u00f6genswertes dienen. Wird das Wahlrecht ausge\u00fcbt, besteht f\u00fcr k\u00fcnftige vergleichbare F\u00e4lle ein <strong>Aktivierungsgebot<\/strong> (Stetigkeit). Aktivierte Entwicklungskosten sind planm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Nutzungsdauer abzuschreiben und unterliegen nach \u00a7&nbsp;268 Abs.&nbsp;8 HGB einer <strong>Aussch\u00fcttungssperre<\/strong>, um den Gl\u00e4ubigerschutz sicherzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Sachanlagen und Vorr\u00e4te gelten unabh\u00e4ngig von ihrem Einsatz in Forschungs- oder Entwicklungsprojekten die allgemeinen Aktivierungsvorschriften des Anlage- bzw. Umlaufverm\u00f6gens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Insgesamt zeigt der Vergleich, dass sich einzelne Regelungen und Voraussetzungen von IFRS, US-GAAP und HGB deutlich unterscheiden. Als gemeinsames Ziel verfolgen die Regelwerke dennoch eine vorsichtige und realistische Abbildung von Forschungs- und Entwicklungskosten in der Rechnungslegung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forschungs- und Entwicklungskosten werden nach IFRS, US-GAAP und HGB unterschiedlich bilanziert. Gem\u00e4\u00df IAS\u00a038 werden Forschungskosten stets als Aufwand erfasst, w\u00e4hrend Entwicklungskosten bei Erf\u00fcllung bestimmter Kriterien aktivierungspflichtig werden. Die US-GAAP verfolgen dagegen das Aufwandsprinzip, erlauben aber die Aktivierung bei Unternehmenszusammenschl\u00fcssen sowie bei physischen Verm\u00f6genswerten mit alternativer Nutzungsm\u00f6glichkeit. 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