{"id":37993,"date":"2026-03-31T08:15:00","date_gmt":"2026-03-31T06:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kleeberg.de\/?p=37993"},"modified":"2026-03-31T07:52:59","modified_gmt":"2026-03-31T05:52:59","slug":"homeoffice-betriebsstaette-im-lichte-des-oecd-updates-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kleeberg.de\/en\/2026\/03\/31\/homeoffice-betriebsstaette-im-lichte-des-oecd-updates-2025\/","title":{"rendered":"Homeoffice-Betriebsst\u00e4tte im Lichte des OECD-Updates\u00a02025"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die fortschreitende Digitalisierung und internationale Mobilit\u00e4t ver\u00e4ndern die Arbeitswelt erheblich und stellen auch das Steuerrecht vor neue Herausforderungen. Eine wesentliche Fragestellung ist, ob grenz\u00fcberschreitende Homeoffice-T\u00e4tigkeiten eines Arbeitnehmers eine ertragsteuerliche Betriebsst\u00e4tte f\u00fcr das Unternehmen begr\u00fcnden k\u00f6nnen. Dabei spielt sowohl nach nationalem Recht als auch nach Auslegung des Doppelbesteuerungsabkommens die Betriebsst\u00e4tte als zentraler Ankn\u00fcpfungspunkt in der internationalen Besteuerung eine wichtige Rolle. Die OECD hat im Update&nbsp;2025 zum OECD-Musterkommentar die Voraussetzungen f\u00fcr die Betriebsst\u00e4ttenbegr\u00fcndung im Zusammenhang mit Homeoffice konkretisiert.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>I. Einleitung und Begriff der Betriebsst\u00e4tte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grenz\u00fcberschreitende Dienstleistungen nehmen weiter zu und werden durch Digitalisierung sowie internationale Mobilit\u00e4t verst\u00e4rkt, was f\u00fcr das Steuerrecht neue Herausforderungen schafft. Insbesondere wird diskutiert, ob mobile Arbeitsformen wie \u201eHomeoffice\u201c oder \u201eWorkation\u201c zu einer internationalen ertragsteuerlichen Betriebsst\u00e4tte des Arbeitgebers f\u00fchren k\u00f6nnen. Trotz meist geringer Gewinnzurechnungen durch solche Betriebsst\u00e4tten sind sie oft mit umfangreichen Registrierungs- und Compliance-Pflichten verbunden. Zu begr\u00fc\u00dfen ist daher, dass der OECD-Musterkommentar&nbsp;2025 die Anforderungen an eine Homeoffice-Betriebsst\u00e4tte konkretisiert und aktualisiert. Hieraus lassen sich praxistaugliche Leitlinien ableiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grunds\u00e4tzlich ist der Begriff der Betriebsst\u00e4tte zentral f\u00fcr die (internationale) Unternehmensbesteuerung, wobei zwischen dem nationalen (\u00a7&nbsp;12&nbsp;AO in&nbsp;Deutschland) und dem abkommensrechtlichen Begriff (Art.&nbsp;5&nbsp;OECD-MA) zu unterscheiden ist. Im deutschen&nbsp;Recht wird unter einer Betriebsst\u00e4tte jede feste Gesch\u00e4ftseinrichtung verstanden, die einem Unternehmen dient, wobei vier&nbsp;Merkmale kumulativ vorliegen m\u00fcssen:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>eine feste Gesch\u00e4ftseinrichtung, die \u00f6rtlich fixiert sein muss,<\/li>\n\n\n\n<li>die Verf\u00fcgungsmacht \u00fcber diese Einrichtung,<\/li>\n\n\n\n<li>die Nachhaltigkeit (zeitliche Mindestdauer) dieser Einrichtung und<\/li>\n\n\n\n<li>die T\u00e4tigkeit in dieser Einrichtung, die dem Unternehmenszweck dienen muss.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben hat der deutsche Gesetzgeber Beispiele wie die St\u00e4tte der Gesch\u00e4ftsleitung angef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abkommensrechtlich definiert die OECD im Musterabkommen eine Betriebsst\u00e4tte als feste Gesch\u00e4ftseinrichtung, durch die Unternehmensaktivit\u00e4ten ganz oder teilweise ausge\u00fcbt werden. Hilfs- und vorbereitende T\u00e4tigkeiten sollen aber nicht zur Betriebsst\u00e4tte f\u00fchren, wodurch der abkommensrechtliche Begriff in der Regel enger gefasst ist als der nationale.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Hintergrund grenz\u00fcberschreitender Homeoffice-T\u00e4tigkeiten stellt sich daher die Frage, ob der ausl\u00e4ndische Arbeitsort eines Arbeitnehmers als feste Gesch\u00e4ftseinrichtung im Sinne einer Betriebsst\u00e4tte im T\u00e4tigkeitsstaat anzusehen ist, was steuerrechtliche Konsequenzen f\u00fcr das Unternehmen bedeuten k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>II. Homeoffice aus Sicht der Finanzverwaltung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>deutsche&nbsp;Finanzverwaltung<\/strong> verfolgt im Hinblick auf die Homeoffice-Betriebsst\u00e4tte eine im internationalen Vergleich restriktive Auffassung. Im Anwendungserlass zur AO wurde Anfang&nbsp;2024 festgehalten, dass die Arbeit eines Mitarbeiters in dessen h\u00e4uslichen R\u00e4umen grunds\u00e4tzlich keine Betriebsst\u00e4tte des Arbeitgebers begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies soll entsprechend der deutschen&nbsp;Finanzverwaltung auch gelten, wenn der Arbeitgeber die Kosten und Ausstattung des Homeoffice \u00fcbernimmt. Ebenso wird keine Betriebsst\u00e4tte begr\u00fcndet, wenn ein Mietvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer \u00fcber die h\u00e4uslichen R\u00e4ume des Arbeitnehmers geschlossen wird, sofern der Arbeitgeber diese R\u00e4ume nicht tats\u00e4chlich anderweitig nutzen kann. Schlie\u00dflich soll es auch unerheblich sein, ob dem Arbeitnehmer kein anderer Arbeitsplatz zur Verf\u00fcgung gestellt wird und das Unternehmen faktisch die Nutzung des Homeoffice verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Begr\u00fcndung des BMF lautet, dass der Arbeitgeber in diesen F\u00e4llen typischerweise keine ausreichende Verf\u00fcgungsmacht \u00fcber die privaten R\u00e4umlichkeiten des Arbeitnehmers besitzt. Diese restriktive Sichtweise wird auch von der herrschenden Meinung in der Literatur geteilt, kann jedoch von den Auffassungen anderer Staaten abweichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausnahmen sieht das BMF, wenn ein Arbeitnehmer im Homeoffice Leitungsfunktionen aus\u00fcbt, was eine Betriebsst\u00e4tte begr\u00fcnden k\u00f6nnte. Allerdings bestehen Unsicherheiten, welche Personen als leitende Angestellte gelten und ob Leitungsfunktionen eine ausreichende Verf\u00fcgungsmacht des Unternehmens \u00fcber das Homeoffice gew\u00e4hrleisten. Selbst bei leitenden Angestellten d\u00fcrfte das Unternehmen keine dauerhafte Nutzungsbefugnis \u00fcber die h\u00e4uslichen R\u00e4umlichkeiten haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Finanzverwaltungen anderer Staaten vertreten allerdings oft eine von der deutschen Sicht abweichende Auffassung. F\u00fcr die Praxis erschwerend ist, dass es an \u00f6ffentlichen Verlautbarungen zu dieser Thematik oft fehlt oder lediglich sehr spezifische Einzelf\u00e4lle exemplarisch ver\u00f6ffentlicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So vertrat das <strong>\u00f6sterreichische<\/strong>&nbsp;BMF bisher in mehreren Ausk\u00fcnften zur Betriebsst\u00e4ttenbegr\u00fcndung durch Homeoffice-T\u00e4tigkeit, dass nach dem innerstaatlichen (\u00f6sterreichischen) Betriebsst\u00e4ttenbegriff gem.&nbsp;\u00a7&nbsp;29&nbsp;BAO bereits die Bereitstellung von Arbeitsmitteln wie Laptop und Smartphone durch den Arbeitgeber eine entsprechende \u201eEinrichtung\u201c darstellen kann und es dar\u00fcber hinaus gen\u00fcgt, wenn die T\u00e4tigkeit in der Wohnung des Arbeitnehmers stattfindet und dieser diese dem Unternehmen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit zur Verf\u00fcgung stellt. Dadurch solle dem Arbeitgeber faktisch eine n\u00f6tige Verf\u00fcgungsmacht verschafft worden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abkommensrechtlich erkennt das \u00f6sterreichische&nbsp;BMF grunds\u00e4tzlich keine Einschr\u00e4nkung des Besteuerungsrechtes an und verweist auch auf den OECD-Musterkommentar zu Art.&nbsp;5&nbsp;OECD-MA&nbsp;2017 (siehe im Folgenden).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die zeitliche Komponente galt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bei gelegentlicher Homeoffice-Nutzung (unter&nbsp;25&nbsp;% der&nbsp;Arbeitszeit) wird keine Betriebsst\u00e4tte angenommen.<\/li>\n\n\n\n<li>Mit mindestens&nbsp;50&nbsp;% der T\u00e4tigkeit im Homeoffice wird eine Betriebsst\u00e4tte unterstellt, da damit eine faktische Verf\u00fcgungsmacht des Arbeitgebers vorliegt.<\/li>\n\n\n\n<li>Zwischen&nbsp;25\u201350&nbsp;% bleiben Unsicherheiten; jedoch wurde in einer EAS-Entscheidung klargestellt, dass keine Verf\u00fcgungsmacht besteht, wenn der Arbeitgeber einen festen Arbeitsplatz zur Nutzung bereitstellt und der Arbeitnehmer diesen tats\u00e4chlich nutzt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Regelungen wurden auch in den \u00f6sterreichischen&nbsp;Verrechnungspreisrichtlinien&nbsp;2021 (i.&nbsp;d.&nbsp;F.&nbsp;vom&nbsp;11.3.2025) festgehalten. \u00dcberschritt die Homeoffice-T\u00e4tigkeit die Mindestschwelle von&nbsp;25&nbsp;% und verlangte der Arbeitgeber die Nutzung, wurde eine Betriebsst\u00e4tte auch im Abkommensfall angenommen. Unklar blieb, ob das Merkmal des \u201eNichtverlangens\u201c auch f\u00fcr leitende Angestellte galt und somit einer Betriebsst\u00e4ttenbegr\u00fcndung bei Leitungsfunktionen entgegenstand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Hinweis<\/em><\/strong><em>: Das \u00f6sterreichische&nbsp;BMF hat die \u00c4nderungen des OECD-Musterkommentars&nbsp;2025 bereits aufgegriffen und im Wesentlichen best\u00e4tigt. Ab&nbsp;2026 sind die Ausf\u00fchrungen des OECD-Musterkommentars&nbsp;2025 (siehe im Folgenden) ma\u00dfgeblich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>d\u00e4nische<\/strong>&nbsp;Finanzverwaltung hat in verschiedenen sog.&nbsp;Rulings \u2013 also jeweils einzelfallbezogen \u2013 zur Frage der ertragsteuerlichen Betriebsst\u00e4ttenbegr\u00fcndung durch Homeoffice-T\u00e4tigkeiten Stellung genommen. Ma\u00dfgeblich sind dabei die Funktion des Mitarbeiters, das gesch\u00e4ftliche Interesse des Unternehmens und die Art sowie Regelm\u00e4\u00dfigkeit der ausge\u00fcbten T\u00e4tigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die T\u00e4tigkeit in D\u00e4nemark ausschlie\u00dflich aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden des Mitarbeiters erfolgt und das Unternehmen daraus keinen gesch\u00e4ftlichen Nutzen zieht, begr\u00fcndet dies in der Regel keine Betriebsst\u00e4tte \u2013 auch nicht bei leitenden Angestellten. Entscheidend ist das wirtschaftliche Interesse des Unternehmens in D\u00e4nemark. Liegt ein solches vor (zum&nbsp;Beispiel f\u00fcr Marktentwicklung, Kundenn\u00e4he, Vertrieb oder Leitung d\u00e4nischer Aktivit\u00e4ten) oder geh\u00f6rt die T\u00e4tigkeit zum Kerngesch\u00e4ft des Unternehmens, wird eher eine Betriebsst\u00e4tte angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die unterschiedlichen Einsch\u00e4tzungen der Steuerverwaltungen verschiedener Jurisdiktionen erschweren die einheitliche Beurteilung vieler Homeoffice-Sachverhalte. Abhilfe k\u00f6nnen einheitliche Standards \u00fcbergeordneter Organisationen \u2013 wie&nbsp;der&nbsp;OECD \u2013 schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>III. Homeoffice im Musterabkommen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>a. OECD-Musterkommentar zu Art.&nbsp;5&nbsp;OECD-MA&nbsp;2017 (alte&nbsp;Fassung)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits der nun \u00fcberholte OECD-Musterkommentar&nbsp;2017 enthielt Hinweise zu Homeoffice-F\u00e4llen, wobei keine genaue Definition des Begriffs \u201eHomeoffice\u201c vorgenommen wurde. Die OECD bezog sich dabei prim\u00e4r auf Homeoffice im engeren Sinn \u2013 also auf die Privatwohnung des Arbeitnehmers \u2013 und weniger auf mobile Formen des Arbeitens (\u201eWorkation\u201c, \u201edigitale&nbsp;Nomaden\u201c). Die Begr\u00fcndung einer Betriebsst\u00e4tte hing nicht allein von der Nutzung des Ortes durch den Arbeitnehmer ab, sondern von den konkreten Umst\u00e4nden des Falles, insbesondere der faktischen Verf\u00fcgungsmacht des Unternehmens \u00fcber das Homeoffice.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">War vertraglich oder tats\u00e4chlich eine Homeoffice-Nutzung durch den Arbeitnehmer notwendig (z.&nbsp;B.&nbsp;keine Bereitstellung eines B\u00fcros oder entsprechende Klauseln im Arbeitsvertrag), konnte eine Betriebsst\u00e4tte durch die Aus\u00fcbung der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit des Unternehmens in den Privatr\u00e4umen begr\u00fcndet werden. Die OECD stellte im Musterkommentar&nbsp;2017 dabei weniger auf die Dauer der Nutzung ab, als auf die tats\u00e4chliche und nachhaltige Verf\u00fcgungsmacht. Eine klare Schwelle f\u00fcr die zeitliche Nutzung wurde nicht genannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiterhin schloss die OECD eine Betriebsst\u00e4tte bei Homeoffice aus, wenn die dort verrichteten T\u00e4tigkeiten lediglich Hilfst\u00e4tigkeiten sind (mit Verweis auf den entsprechenden Passus im Musterabkommen in Art.&nbsp;5 Abs.&nbsp;4 OECD-MA&nbsp;2017). Da die OECD davon ausging, dass die meisten im Homeoffice ausge\u00fcbten T\u00e4tigkeiten nur Hilfst\u00e4tigkeiten seien, sollten allein dadurch schon keine Betriebsst\u00e4tten durch Homeoffice begr\u00fcndet werden. Tats\u00e4chlich ist die Abgrenzung von Haupt- und Hilfst\u00e4tigkeit in der Praxis h\u00e4ufig schwierig. Vertriebst\u00e4tigkeiten oder das Erschlie\u00dfen neuer M\u00e4rkte k\u00f6nnen deutlich \u00fcber Hilfst\u00e4tigkeiten hinausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>b. OECD-Musterkommentar zu Art.&nbsp;5&nbsp;OECD-MA&nbsp;2025 (aktuelle&nbsp;Fassung)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem OECD-Musterkommentar-Update&nbsp;2025 wurden die bisherigen Ausf\u00fchrungen im OECD-MA&nbsp;2017 gestrichen und durch einen gesonderten Abschnitt mit zahlreichen Unterpunkten zur \u201egrenz\u00fcberschreitende[n] Arbeit von zu Hause oder einem anderen geeigneten Ort\u201c ersetzt (Textziffern&nbsp;44.1\u201344.21). Die OECD r\u00fcckt dabei von der bisherigen Fokussierung auf ein \u201eVerlangen\u201c des Arbeitgebers zur Homeoffice-Nutzung sowie auf die spezielle Funktion des Mitarbeiters ab. Entscheidend ist nun, ob die T\u00e4tigkeit im anderen Vertragsstaat aus pers\u00f6nlichen Motiven des Arbeitnehmers oder aus gesch\u00e4ftlichen Gr\u00fcnden des Unternehmens erfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der <strong>Homeoffice-Definition der OECD<\/strong> werden alle Orte erfasst, die eine Person aus pers\u00f6nlichen bzw.&nbsp;privaten Gr\u00fcnden f\u00fcr grenz\u00fcberschreitende T\u00e4tigkeiten f\u00fcr ein Unternehmen w\u00e4hlt und die weder R\u00e4umlichkeiten des eigenen Unternehmens noch eines gesch\u00e4ftlich verbundenen Unternehmens (z.&nbsp;B.&nbsp;Kunden, Lieferant, verbundenes Unternehmen) sind. Beispiele sind die Wohnung des Arbeitnehmers, ein Zweitwohnsitz, eine Ferienunterkunft oder die Wohnung von Freunden\/Verwandten. Typisch sind der private Charakter, der fehlende Zugang zu den R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr andere Mitarbeiter sowie ein hoher Grad an Kontrolle durch den Arbeitnehmer. Damit grenzt die OECD das Homeoffice klar von sonstigen vom Unternehmen genutzten R\u00e4umen ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Wohnung oder ein anderer relevanter Ort kann nur dann eine Betriebsst\u00e4tte begr\u00fcnden, wenn er als <strong>feste Gesch\u00e4ftseinrichtung<\/strong> des Unternehmens anzusehen ist. Dies erfordert eine gewisse <strong>Dauerhaftigkeit<\/strong>, die nach den allgemeinen Grunds\u00e4tzen zu beurteilen ist. Selbst bei Vorliegen eines festen Ortes scheidet eine Betriebsst\u00e4tte OECD\u2011MA&nbsp;2025 aus, wenn dort nur vorbereitende oder hilfsweise T\u00e4tigkeiten ausge\u00fcbt werden. Wie bereits&nbsp;2017 betont die OECD, dass Homeoffice\u2011T\u00e4tigkeiten h\u00e4ufig so unregelm\u00e4\u00dfig oder zuf\u00e4llig sind, dass der Ort nicht als Gesch\u00e4ftseinrichtung gilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Hinweis:<\/strong> Die neuen Leitlinien sollen allerdings grunds\u00e4tzlich nicht f\u00fcr F\u00e4lle gelten, in denen eine Person die einzige Person oder Hauptperson ist, die die Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit eines Unternehmens aus\u00fcbt (z.&nbsp;B.&nbsp;bei Start\u2011ups, Entrepreneure, allein t\u00e4tige Berater). In solchen Konstellationen wird die Schwelle zur Betriebsst\u00e4tte schneller \u00fcberschritten, ohne dass das OECD-Update hierzu vertiefte Vorgaben macht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wird eine Wohnung oder ein anderer relevanter Ort \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg fortlaufend f\u00fcr T\u00e4tigkeiten im Zusammenhang mit der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit eines Unternehmens genutzt, kann dies \u2013 zusammen mit weiteren Umst\u00e4nden \u2013 f\u00fcr eine Gesch\u00e4ftseinrichtungsbetriebsst\u00e4tte sprechen. Grunds\u00e4tzlich liegt jedoch <strong>keine Betriebsst\u00e4tte<\/strong> vor, wenn die Person dort <strong>weniger&nbsp;als&nbsp;50&nbsp;%<\/strong> ihrer gesamten Arbeitszeit f\u00fcr dieses Unternehmen erbringt. Ma\u00dfgeblich ist das tats\u00e4chliche Arbeitsverhalten. Vertragliche Vereinbarungen und Unternehmensrichtlinien sind lediglich Indizien. Dass eine Person einen Ort im Ausland dauerhaft innehat (z.&nbsp;B.&nbsp;ein&nbsp;Ferienhaus), gen\u00fcgt f\u00fcr sich genommen nicht f\u00fcr die Annahme der erforderlichen Dauerhaftigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 50-%-Grenze bezieht sich auf einen <strong>Zw\u00f6lfmonatszeitraum<\/strong>, der im betreffenden Steuerjahr beginnt oder endet. Erbringt die Person in einem solchen Zeitraum mindestens&nbsp;50&nbsp;% ihrer Gesamtarbeitszeit von der Wohnung oder einem anderen relevanten Ort aus, ist anhand der konkreten Umst\u00e4nde zu pr\u00fcfen, ob dort eine Gesch\u00e4ftseinrichtung des Unternehmens vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zus\u00e4tzliches zentrales Kriterium f\u00fcr die Begr\u00fcndung einer Homeoffice\u2011Betriebsst\u00e4tte ist nach dem OECD\u2011Update, ob ein <strong>gesch\u00e4ftlicher Grund<\/strong> daf\u00fcr besteht, dass die T\u00e4tigkeiten im Staat des Homeoffice ausge\u00fcbt werden. Ein solcher Grund liegt vor, wenn die physische Anwesenheit der Person dort die Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit des Unternehmens wesentlich erleichtert, also z.&nbsp;B.&nbsp;weil sich in diesem Staat Kunden, Lieferanten, verbundene Unternehmen oder sonstige erforderliche Ressourcen befinden, die physische oder zeitnahe Interaktionen erfordern. Beispiele sind insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Treffen zwischen der betreffenden Person und Kunden des Unternehmens;<\/li>\n\n\n\n<li>Aufbau eines neuen Kundenstamms oder Identifizierung von Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten;<\/li>\n\n\n\n<li>Identifizierung neuer Lieferanten, Pflege von Lieferantenbeziehungen oder Abschluss, \u00dcberwachung oder Verwaltung vertraglicher Vereinbarungen mit Lieferanten;<\/li>\n\n\n\n<li>Interaktion in Echtzeit oder nahezu in Echtzeit mit Kunden oder Lieferanten in unterschiedlichen Zeitzonen (z.&nbsp;B.&nbsp;Erbringung von Callcenter\u2011Leistungen, virtuellem IT\u2011Support oder medizinischen Dienstleistungen);<\/li>\n\n\n\n<li>Zugang zu gesch\u00e4ftsrelevanter Fachkompetenz, die bei der Aus\u00fcbung der T\u00e4tigkeit des Unternehmens genutzt wird, etwa durch regelm\u00e4\u00dfige Treffen mit Mitarbeitern einer Universit\u00e4t, die f\u00fcr die Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit des Unternehmens relevante Forschung betreibt;<\/li>\n\n\n\n<li>Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen;<\/li>\n\n\n\n<li>Erbringung von Dienstleistungen f\u00fcr Kunden oder Auftraggeber in diesem anderen Staat, sofern diese Dienstleistungen die physische Anwesenheit von Arbeitnehmern oder anderem Personal des Unternehmens in diesem anderen Staat erfordern (z.&nbsp;B.&nbsp;Schulungs\u2011 oder Reparaturleistungen auf dem Gel\u00e4nde des Kunden);<\/li>\n\n\n\n<li>Interaktion mit Arbeitnehmern und anderem Personal des Unternehmens oder verbundener Unternehmen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Auffassung der OECD liegen demgegen\u00fcber regelm\u00e4\u00dfig <strong>keine gesch\u00e4ftlichen Gr\u00fcnde <\/strong>vor, wenn<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Kontakte zu Kunden, Lieferanten usw.&nbsp; im T\u00e4tigkeitsstaat nur sporadisch oder von untergeordneter Bedeutung sind,<\/li>\n\n\n\n<li>Homeoffice oder Arbeit von einem anderen relevanten Ort lediglich zugelassen wird, um den Mitarbeiter zu gewinnen oder zu halten,<\/li>\n\n\n\n<li>die Gestattung von Homeoffice ausschlie\u00dflich der Kostensenkung (z.&nbsp;B.&nbsp;Reduktion von B\u00fcrofl\u00e4chen) dient,<\/li>\n\n\n\n<li>sich die Annahme eines gesch\u00e4ftlichen Grundes allein auf die blo\u00dfe Anwesenheit von Kunden\/Lieferanten im Staat des Homeoffice oder allein auf eine abweichende Zeitzone st\u00fctzt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesen F\u00e4llen ist grunds\u00e4tzlich keine Gesch\u00e4ftseinrichtungsbetriebsst\u00e4tte durch mobiles&nbsp;Arbeiten anzunehmen, sofern nicht besondere zus\u00e4tzliche Umst\u00e4nde ausnahmsweise zu einer abweichenden Beurteilung f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unterst\u00fctzend bietet das Update des OECD-Musterkommentars&nbsp;2025 auch noch verschiedene Beispiele, die die Ansicht der OECD verdeutlichen. In einem Beispiel wird auch die f\u00fcr die Praxis besonders relevante Konstellation der sog.&nbsp;Workation behandelt: Diese soll grunds\u00e4tzlich keine Betriebsst\u00e4tte des Arbeitgebers entstehen lassen, wenn sich der Arbeitnehmer nur f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum von einigen Monaten im Ausland aufh\u00e4lt und (etwa im Anschluss an einen Urlaub) von dort f\u00fcr den inl\u00e4ndischen Arbeitgeber t\u00e4tig wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>IV. Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Update zum OECD-Musterkommentar&nbsp;2025 begegnet der Problematik der Homeoffice-Betriebsst\u00e4tte mit einem praktikablen und eher restriktiven Ansatz. Durch die Verkn\u00fcpfung der 50-%-Zeitgrenze mit dem Erfordernis eines gesch\u00e4ftlichen Grundes wird eine Ausweitung des Betriebsst\u00e4ttenbegriffs auf privat veranlasste Homeoffice-Konstellationen verhindert, zugleich aber die Besteuerung im T\u00e4tigkeitsstaat sichergestellt, sofern das Homeoffice eine tats\u00e4chliche physische Pr\u00e4senz des Unternehmens vermittelt. Die Hervorhebung des Kriteriums des gesch\u00e4ftlichen Grundes ist nachvollziehbar, weil die Abgrenzung der Verf\u00fcgungsmacht \u2013 insbesondere zwischen rechtlicher und faktischer Verf\u00fcgungsmacht \u2013 in der Praxis erhebliche Unsicherheiten mit sich bringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neue OECD-Sichtweise zur Homeoffice-Betriebsst\u00e4tte ist f\u00fcr OECD-Verh\u00e4ltnisse ungew\u00f6hnlich klar und bietet eine tragf\u00e4hige Orientierung f\u00fcr die Praxis. Folgen die OECD-Mitgliedstaaten dieser Auslegung, profitieren die Rechtsanwender erheblich: Arbeitgeber k\u00f6nnten Besch\u00e4ftigten verst\u00e4rkt mobiles&nbsp;Arbeiten erm\u00f6glichen, was angesichts des Fachkr\u00e4ftemangels die Besetzung offener Stellen erleichtern d\u00fcrfte. Zugleich sind jedoch weitere Problemfelder im Zusammenhang mit dezentralem Arbeiten, etwa lohnsteuerliche, sozialversicherungs- oder arbeitsrechtliche Fragestellungen, zu beachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit den neu geschaffenen OECD-Kriterien gehen auch entsprechende Nachweispflichten f\u00fcr Unternehmen einher. Es ist zu dokumentieren, von welchen Orten aus Arbeitnehmer t\u00e4tig werden und ob (keine) gesch\u00e4ftlichen Gr\u00fcnde f\u00fcr die T\u00e4tigkeit im Ausland vorliegen, um das Nichtvorliegen einer ausl\u00e4ndischen Betriebsst\u00e4tte belegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Offen bleibt aber insbesondere der Umgang mit leitenden Angestellten und Personen in F\u00fchrungsfunktionen. W\u00e4hrend die deutsche&nbsp;Finanzverwaltung in solchen F\u00e4llen eher zur Annahme einer Betriebsst\u00e4tte tendiert, nimmt die OECD im Update&nbsp;2025 hierzu nicht ausdr\u00fccklich Stellung. F\u00fcr Unternehmen verbleiben damit in diesem Bereich erhebliche Unsicherheiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem ist zu ber\u00fccksichtigen, dass der OECD-Musterkommentar&nbsp;2025 keine unmittelbare Rechtsverbindlichkeit entfaltet, auch wenn ihm erhebliche Bedeutung f\u00fcr die Auslegung von DBA zukommt. Unklar bleibt damit, wie sich die Neuerungen im OECD-Musterkommentar auf bestehende Doppelbesteuerungsabkommen auswirken. Die unterschiedlichen Auffassungen der deutschen Finanzverwaltung, des BFH und der Literatur zur statischen bzw.&nbsp;dynamischen Auslegung von&nbsp;DBA versch\u00e4rfen dieses Problem. Noch ist nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, ob es sich bei den im Update enthaltenen Ausf\u00fchrungen der OECD zum Homeoffice lediglich um eine Klarstellung bereits geltender Grunds\u00e4tze des Betriebsst\u00e4ttenprinzips oder um eine inhaltliche Weiterentwicklung handelt. Da die Vertragsstaaten dies abkommensrechtlich unterschiedlich bewerten k\u00f6nnten, ist in der Praxis jeweils im Einzelfall zu pr\u00fcfen, ob und in welcher Weise sich die betroffenen Staaten hierzu positionieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die fortschreitende Digitalisierung und internationale Mobilit\u00e4t ver\u00e4ndern die Arbeitswelt erheblich und stellen auch das Steuerrecht vor neue Herausforderungen. Eine wesentliche Fragestellung ist, ob grenz\u00fcberschreitende Homeoffice-T\u00e4tigkeiten eines Arbeitnehmers eine ertragsteuerliche Betriebsst\u00e4tte f\u00fcr das Unternehmen begr\u00fcnden k\u00f6nnen. 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