{"id":39055,"date":"2026-06-26T09:26:54","date_gmt":"2026-06-26T07:26:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kleeberg.de\/?p=39055"},"modified":"2026-06-29T09:40:58","modified_gmt":"2026-06-29T07:40:58","slug":"physische-klimarisiken-werden-fuer-unternehmen-zur-kostenfrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kleeberg.de\/en\/2026\/06\/26\/physische-klimarisiken-werden-fuer-unternehmen-zur-kostenfrage\/","title":{"rendered":"Physische Klimarisiken werden f\u00fcr Unternehmen zur Kostenfrage"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Eine Sonderauswertung des KfW-Klimabarometers der F\u00f6rderbank KfW (Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau) zeigt: Bereits 21 Prozent der Unternehmen in Deutschland \u2013 rund 800.000 Betriebe \u2013 sp\u00fcren negative Folgen des Klimawandels, unter Gro\u00dfunternehmen sind es sogar 74 Prozent. Steigende physische Klimarisiken werden damit zu einem konkreten Faktor f\u00fcr Kostenstruktur, Versorgungssicherheit und Berichterstattung.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine aktuelle <strong>Sonderauswertung des KfW-Klimabarometers<\/strong> der F\u00f6rderbank KfW (Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau) zeigt, wie unmittelbar der Klimawandel inzwischen auf die deutsche Wirtschaft wirkt (<a href=\"https:\/\/www.kfw.de\/PDF\/Download-Center\/Konzernthemen\/Research\/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft\/Fokus-2026\/Fokus-Nr.-542-April-2026-Klimabetroffenheit.pdf\">KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 542, 08.04.2026<\/a>). Grundlage ist die vierte Erhebungswelle der j\u00e4hrlichen Unternehmensbefragung, an der sich rund 13.300 Unternehmen beteiligt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt geben rund 21\u00a0% der Unternehmen in Deutschland \u2013 hochgerechnet etwa 800.000\u00a0Betriebe\u00a0\u2013 an, zumindest teilweise von den negativen Folgen des Klimawandels betroffen zu sein. Die <strong>Betroffenheit steigt deutlich mit der Unternehmensgr\u00f6\u00dfe<\/strong>: W\u00e4hrend unter Kleinstunternehmen mit weniger als f\u00fcnf Besch\u00e4ftigten nur 19\u00a0% betroffen sind, sind es unter gr\u00f6\u00dferen Mittelst\u00e4ndlern mit mehr als 50 Besch\u00e4ftigten (aber weniger als 500\u00a0Millionen\u00a0Euro Umsatz) bereits 42\u00a0% und unter Gro\u00dfunternehmen mit mehr als 500\u00a0Millionen\u00a0Euro Jahresumsatz mehr als 70\u00a0%. Bei den Gro\u00dfunternehmen ist dieser Anteil binnen eines Jahres um 13\u00a0Prozentpunkte gestiegen. Ein wesentlicher Grund f\u00fcr den st\u00e4rkeren Anstieg der Betroffenheit bei Gro\u00dfunternehmen ist die h\u00f6here internationale Verflechtung: Gr\u00f6\u00dfere Unternehmen sind <strong>\u00fcber Lieferketten und Absatzm\u00e4rkte<\/strong> enger eingebunden und werden daher auch von Extremwetterereignissen in weit entfernten Regionen getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch <strong>zwischen den Branchen zeigen sich Unterschiede<\/strong>. Im verarbeitenden Gewerbe berichten 28\u00a0% der Unternehmen von negativen Folgen, im Handel 23\u00a0%, im Baugewerbe und im Dienstleistungssektor jeweils 18\u00a0%. \u00dcberdurchschnittlich betroffen sind Unternehmen der Energieversorgung sowie der Land- und Forstwirtschaft; letztere ist unmittelbar von Witterung, Ernteertr\u00e4gen und der Gesundheit der W\u00e4lder abh\u00e4ngig. Besonders exponiert sind zudem <strong>energieintensive Betriebe<\/strong>: Bei einem Energieanteil von 10\u00a0% oder mehr an den Gesamtkosten geben 31\u00a0% eine Betroffenheit an \u2013 f\u00fcnf\u00a0Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie konkret die Folgen ausfallen k\u00f6nnen, zeigten die trockenen Sommer\u00a02022 und\u00a02025: Niedrige Flusspegel \u2013 etwa am Rhein \u2013 lie\u00dfen nur noch reduzierte Ladungen zu, sodass weniger G\u00fcter und Energietr\u00e4ger ihre Bestimmungsorte erreichten. Thermische Kraftwerke und Wasserkraftwerke waren durch hohe Wassertemperaturen und niedrige Pegel in ihrer Leistung eingeschr\u00e4nkt, ebenso industrielle K\u00fchlprozesse. Neben solchen direkten Beeintr\u00e4chtigungen <strong>gewinnen auch indirekte Effekte an Bedeutung<\/strong>, zum Beispiel durch St\u00f6rungen der Energie- und Transportinfrastruktur sowie St\u00f6rungen in globalen Lieferketten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der wirtschaftliche Hintergrund ist erheblich: Weltweit summierten sich die <strong>Sch\u00e4den durch klimabedingte Katastrophen<\/strong> zwischen\u00a02000 und\u00a02024 auf <strong>\u00fcber 3,8\u00a0Billionen\u00a0US-Dollar<\/strong> und haben sich damit nachweislich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Mehr als die H\u00e4lfte der entstandenen Sch\u00e4den entfiel auf St\u00fcrme, gut ein Viertel auf \u00dcberschwemmungen. Allein f\u00fcr Deutschland beziffert die Europ\u00e4ische Umweltagentur die extremwetterbedingten Verm\u00f6genssch\u00e4den zwischen\u00a01980 und\u00a02023 auf etwa 180\u00a0Milliarden\u00a0Euro. Wesentliche Schadenstreiber sind hierzulande laut einer Studie, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums f\u00fcr den Zeitraum\u00a02000 bis\u00a02021 durchgef\u00fchrt wurde, Hochwasser- und Starkregenereignisse, Hitze und D\u00fcrre sowie Sturm, Hagel und Schnee; allein die Sturzfluten und \u00dcberschwemmungen im Juli\u00a02021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verursachten \u00fcber 40\u00a0Milliarden\u00a0Euro an Kosten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die direkten Sachsch\u00e4den hinaus bergen die Folgen des Klimawandels <strong>weitere Risiken<\/strong> f\u00fcr Unternehmen \u2013 <strong>h\u00f6here Kosten, gr\u00f6\u00dfere Unsicherheit und eine geringere wirtschaftliche Dynamik<\/strong>; ein ungebremster Klimawandel gilt auch f\u00fcr Deutschland als erhebliches Risiko f\u00fcr den k\u00fcnftigen wirtschaftlichen Wohlstand. Neben ambitioniertem Klimaschutz r\u00fcckt daher die fr\u00fchzeitige Anpassung in den Vordergrund. Zudem bietet die <strong>klimabezogene Risikoanalyse<\/strong> einen strukturierten Weg, die eigene Betroffenheit fortlaufend zu beobachten. Berichtspflichtige Unternehmen erfassen physische Risiken und Transitionsrisiken im Rahmen der <strong>European Sustainability Reporting Standards (ESRS)<\/strong>. F\u00fcr kleinere und mittlere Unternehmen au\u00dferhalb der Berichtspflicht bietet der <strong>freiwillige Voluntary Standard (VS)<\/strong> einen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Rahmen, dessen umfassendes Modul eine eigene Angabe zu Klimarisiken enth\u00e4lt. So l\u00e4sst sich die Betroffenheit \u2013 einschlie\u00dflich der Folgewirkungen entlang der Wertsch\u00f6pfungskette \u2013 regelm\u00e4\u00dfig erfassen, bewerten und als Grundlage f\u00fcr gezielte Anpassungsma\u00dfnahmen nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Sonderauswertung des KfW-Klimabarometers der F\u00f6rderbank KfW (Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau) zeigt: Bereits 21 Prozent der Unternehmen in Deutschland \u2013 rund 800.000 Betriebe \u2013 sp\u00fcren negative Folgen des Klimawandels, unter Gro\u00dfunternehmen sind es sogar 74 Prozent. Steigende physische Klimarisiken werden damit zu einem konkreten Faktor f\u00fcr Kostenstruktur, Versorgungssicherheit und Berichterstattung. 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