{"id":39616,"date":"2026-08-07T09:46:00","date_gmt":"2026-08-07T07:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kleeberg.de\/?p=39616"},"modified":"2026-08-07T09:33:41","modified_gmt":"2026-08-07T07:33:41","slug":"finalisierung-der-ueberarbeiteten-esrs-2026-und-des-standards-zur-freiwilligen-berichterstattung-vs-auf-der-zielgeraden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kleeberg.de\/en\/2026\/08\/07\/finalisierung-der-ueberarbeiteten-esrs-2026-und-des-standards-zur-freiwilligen-berichterstattung-vs-auf-der-zielgeraden\/","title":{"rendered":"Finalisierung der \u00fcberarbeiteten ESRS\u00a02026 und des Standards zur freiwilligen Berichterstattung (VS) auf der Zielgeraden"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mit den am 03.07.2026 verabschiedeten zwei Delegierten Verordnungen zu den \u00fcberarbeiteten ESRS und dem neuen Voluntary Standard (VS) setzt die Europ\u00e4ische Kommission die Ziele der Omnibus-I-Richtlinie konsequent um. Unternehmen profitieren von deutlich reduzierten Berichtspflichten, mehr Rechtssicherheit und praxisnahen Erleichterungen. Besonders f\u00fcr KMU schafft der neue Value Chain Cap wirksamen Schutz vor \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Datenanforderungen entlang der Lieferkette.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Status quo und Hintergrund<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am <strong>03.07.2026<\/strong> hat die <strong>Europ\u00e4ische Kommission zwei delegierte Verordnungen verabschiedet<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Zum einen die \u00fcberarbeitete Fassung der europ\u00e4ischen Berichtsstandards f\u00fcr zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtete Unternehmen (<strong>European Sustainability Reporting Standards (ESRS)<\/strong>),<\/li>\n\n\n\n<li>zum anderen einen freiwilligen Standard f\u00fcr nicht berichtspflichtige Unternehmen (<strong>Voluntary Standard (VS)<\/strong>), der auf dem vormaligen VSME-Standard beruht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ver\u00f6ffentlichung dieser beiden delegierten Verordnungen markiert das (vorl\u00e4ufige) Ende von intensiven politischen und fachlichen Debatten \u00fcber die <strong>Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit von Transparenzpflichten<\/strong> und die <strong>Wettbewerbsf\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen Wirtschaft<\/strong>, die Ausl\u00f6ser und damit auch Gegenstand des sog.&nbsp;\u201eOmnibus-I-Pakets\u201c aus dem Februar 2025 waren. Auf Basis der Richtlinie (EU)&nbsp;2026\/470 vom 24.02.2026, mit der die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) vom 14.12.2022 zuletzt ge\u00e4ndert worden war, reagiert die EU damit unmittelbar auf die Forderungen nach Entlastung und globaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden delegierten Verordnungen wurden dem <strong>EU-Parlament<\/strong> und dem <strong>EU-Rat<\/strong> zur Pr\u00fcfung \u00fcbermittelt. Beide Instanzen haben nun eine zweimonatige Pr\u00fcfungsfrist (<strong>Scrutiny Period<\/strong>), die um zwei weitere Monate verl\u00e4ngert werden kann. Sofern es nicht zu weiteren Ver\u00e4nderungen kommt, treten die beiden Verordnungen nach Ablauf der Scrutiny Period \u2013 konkret am dritten Tag nach ihrer Ver\u00f6ffentlichung im EU-Amtsblatt \u2013 in Kraft (voraussichtlich sp\u00e4testens im November&nbsp;2026). Eine Transformation in nationales Recht der Mitgliedstaaten ist nicht erforderlich, da es sich um Verordnungen (keine Richtlinien) der EU handelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Delegierten Rechtsakte sollen f\u00fcr <strong>ab dem 01.01.2027 beginnende Gesch\u00e4ftsjahre<\/strong> gelten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret hat die EU-Kommission folgende zwei Rechtstexte angenommen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>C(2026)&nbsp;5010 \u2013 revidierte ESRS f\u00fcr die berichtspflichtigen Unternehmen<\/strong>: Eine <strong>\u00c4nderungsverordnung zur Delegierten Verordnung (EU)&nbsp;2023\/2772<\/strong>, die die urspr\u00fcnglichen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) \u2013 das sog.&nbsp;\u201eSet&nbsp;1\u201c \u2013 \u00fcberarbeitet und verschlankt (sog.&nbsp;\u201eESRS&nbsp;2.0\u201c oder \u201eESRS&nbsp;2026\u201c).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>C(2026)&nbsp;5011 \u2013 neuer freiwilliger Standard (VS)<\/strong>: Eine <strong>neue Delegierte Verordnung<\/strong>, die den freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandard (Voluntary Standard (VS)) f\u00fcr Unternehmen einf\u00fchrt, die nicht der gesetzlichen Berichtspflicht gem\u00e4\u00df CSRD unterliegen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Rechtsakte basieren auf dem <strong>technischen Rat der EFRAG<\/strong> (European Financial Reporting Advisory Group) und reflektieren die Erfahrungen aus den ersten Anwendungsjahren der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in der EU. W\u00e4hrend die berichtspflichtigen Unternehmen durch die <strong>\u00fcberarbeiteten ESRS<\/strong> <strong>sp\u00fcrbar entlastet<\/strong> werden sollen, dient der neue <strong>freiwillige Standard (VS)<\/strong> prim\u00e4r dazu, allen anderen Unternehmen ein standardisiertes Instrument an die Hand zu geben, um den Informationsbed\u00fcrfnissen von Banken, Investoren und gro\u00dfen Gesch\u00e4ftspartnern effizient zu begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der neue <strong>VS<\/strong> basiert auf dem vormaligen VSME-Standard \u2013 durch die <strong>Verabschiedung als Delegierter Rechtsakt <\/strong>mit Ver\u00f6ffentlichung im EU-Amtsblatt soll er allerdings ein <strong>h\u00f6heres Ma\u00df an Akzeptanz<\/strong> erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kern geht es bei den geschaffenen Erleichterungen darum, die Berichtslasten deutlich zu senken, ohne dabei die \u00fcbergeordneten Ziele des <strong>European Green Deal<\/strong> zu gef\u00e4hrden. Sch\u00e4tzungen der EU-Kommission sowie Analysen der EFRAG gehen davon aus, dass die Vereinfachungen zu <strong>Kosteneinsparungen von durchschnittlich 34&nbsp;%<\/strong> \u00fcber einen F\u00fcnfjahreszeitraum f\u00fchren werden. Unter Ber\u00fccksichtigung der Effekte in der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette k\u00f6nnten die kumulierten Einsparungen f\u00fcr Unternehmen in der EU zwischen 2027 und 2031 sogar bis zu <strong>4,7&nbsp;Milliarden&nbsp;EUR<\/strong> erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der deutlichen <strong>Reduzierung der in den ESRS<\/strong> enthaltenen Datenpunkte ist die <strong>Einf\u00fchrung des sog.<\/strong>&nbsp;<strong>Value Chain Cap<\/strong> ein zentrales Element der Reform. Bisher klagten viele kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), die nicht selbst CSRD-berichtspflichtig sind, \u00fcber unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Datenabfragen seitens ihrer gro\u00dfen, berichtspflichtigen Kunden (sog.&nbsp;\u201eTrickle-down-Effekt\u201c). Die neuen Regelungen untersagen es gro\u00dfen Unternehmen k\u00fcnftig ausdr\u00fccklich, von ihren nicht berichtspflichtigen Gesch\u00e4ftspartnern in der Wertsch\u00f6pfungskette Informationen zu verlangen, die \u00fcber den Umfang des neuen freiwilligen Standards (VS) hinausgehen. Damit <strong>fungiert der VS als<\/strong> eine Art gesetzliches <strong>\u201eSchutzschild\u201c<\/strong> f\u00fcr KMU.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus schafft der neue Delegierte Rechtsakt zu den ESRS&nbsp;2.0 die dringend ben\u00f6tigte <strong>Rechtssicherheit<\/strong>. Die \u00fcberarbeiteten ESRS enthalten <strong>klarere Anweisungen zur Wesentlichkeitsanalyse<\/strong> und f\u00fchren zahlreiche <strong>Erleichterungen (\u201eReliefs\u201c)<\/strong> sowie <strong>zeitliche Aufsch\u00fcbe (\u201ePhase-ins\u201c)<\/strong> ein, die insbesondere f\u00fcr komplexe Themengebiete wie Biodiversit\u00e4t oder die Berichterstattung \u00fcber die eigene Belegschaft in Drittstaaten gelten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Basis f\u00fcr die Vereinfachung bildet die <strong>Richtlinie (EU)&nbsp;2026\/470<\/strong> vom 24.02.2026, besser bekannt als die <strong>Omnibus-I-Richtlinie<\/strong>. Diese am 18.03.2026 in Kraft getretene Richtlinie hatte insbesondere das Ziel, den Anwendungsbereich der CSRD zu pr\u00e4zisieren und die b\u00fcrokratischen H\u00fcrden f\u00fcr Unternehmen abzubauen. Omnibus-I erm\u00e4chtigte die EU-Kommission ausdr\u00fccklich dazu, innerhalb weniger Monate einen delegierten Rechtsakt zur Vereinfachung der ESRS vorzulegen. Die Zielrichtung der Omnibus-Regelungen war klar definiert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Entfernung weniger wichtiger Datenpunkte<\/strong> aus den Berichtsstandards: Informationen, die f\u00fcr die allgemeine Nachhaltigkeitsbewertung eine untergeordnete Rolle spielen, wurden gestrichen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fokus auf Quantifizierung<\/strong>: Wo immer m\u00f6glich, wurden qualitative Narrativberichte durch quantitative Datenpunkte ersetzt, um die Vergleichbarkeit zu erh\u00f6hen und gleichzeitig den Erstellungsaufwand zu senken.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kl\u00e4rung der Wesentlichkeit<\/strong>: Es wurde klargestellt, dass Unternehmen grunds\u00e4tzlich nur wesentliche Informationen berichten sollen und keine Verpflichtung besteht, die spezifischen Bed\u00fcrfnisse jedes einzelnen Nutzers zu befriedigen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit den j\u00fcngsten Beschl\u00fcssen der EU-Kommission vom 03.07.2026 wird dieser Auftrag nun in die Tat umgesetzt. Die neuen Standards treten ab dem <strong>Gesch\u00e4ftsjahr&nbsp;2027<\/strong> verbindlich in Kraft, wobei Unternehmen die Option haben, diese bereits freiwillig f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2026 anzuwenden, um fr\u00fcher von den Erleichterungen zu profitieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Die wichtigsten \u00c4nderungen in den ESRS<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Grundlagen<\/strong><br>Die verabschiedete Modifikation der <strong>ESRS<\/strong> stellt eine grundlegende Neuausrichtung der Berichtsinhalte dar, die den Fokus weg von einer rein datengetriebenen Vollst\u00e4ndigkeit hin zu einem risikoorientierten und pragmatischen Managementansatz verschiebt. W\u00e4hrend die urspr\u00fcngliche Fassung der Standards oft als b\u00fcrokratisch und \u00fcberfordernd kritisiert wurde, zielt die \u00fcberarbeitete Version darauf ab, die Berichtslast signifikant zu senken, ohne die Kernziele des European Green Deal zu untergraben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das prim\u00e4re Ziel dieser umfassenden \u00dcberarbeitung war es, die <strong>Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Berichterstattung<\/strong> wiederherzustellen und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit europ\u00e4ischer Unternehmen zu sichern. Die Europ\u00e4ische Kommission reagierte damit auf die Erfahrungen aus der ersten Anwendungswelle der CSRD und ESRS in der EU, die zeigten, dass insbesondere die Datenerhebung in der Wertsch\u00f6pfungskette und die Quantifizierung langfristiger finanzieller Effekte viele Unternehmen vor enorme praktische Herausforderungen stellten. Diese Erkenntnisse basieren u.&nbsp;a. auf einer konkreten Befragung von zahlreichen Unternehmen und sonstigen Stakeholdern der Nachhaltigkeitsberichterstattung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Reduzierung der Datenpunkte<\/strong><br>Eines der sichtbarsten Ergebnisse der \u00dcberarbeitung ist die K\u00fcrzung des Umfangs der ESRS. Die Anzahl der verpflichtend zu berichtenden Datenpunkte wurde um <strong>61&nbsp;% reduziert<\/strong>. Strukturell spiegelt sich dies darin wider, dass die urspr\u00fcnglichen ESRS im EU-Amtsblatt 284 Seiten umfassten, w\u00e4hrend nunmehr <strong>185 Seiten<\/strong> ausreichen. Die Gesamtzahl der Disclosure Requirements sank von etwa 91 auf rund <strong>75 Offenlegungspflichten<\/strong>. Diese Reduktion dient unmittelbar der Sicherung des \u201eCompetitive Growth\u201c der EU-Wirtschaft, indem administrative Lasten gesenkt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese K\u00fcrzung wurde nicht durch das Streichen ganzer Themen erreicht, sondern durch eine B\u00fcndelung und den <strong>Verzicht auf weniger entscheidungsrelevante Detailangaben<\/strong>. So wurden bspw. in den Sozialstandards die Berichtspflichten zu Beschwerdemechanismen und Abhilfeprozessen direkt in die allgemeinen Kapitel zur Stakeholder-Einbindung integriert, anstatt sie als separate, redundante Bl\u00f6cke zus\u00e4tzlich in den themenspezifischen Standards zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Methodische \u00c4nderungen<\/strong><br>Die \u00dcberarbeitung der ESRS f\u00fchrt mehrere methodische Neuerungen ein, die den Erstellungsprozess des Nachhaltigkeitsberichts grundlegend vereinfachen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Einf\u00fchrung des Top-down-Ansatzes bei der doppelten Wesentlichkeitsanalyse (double materiality assessment \u2013 DMA)<\/strong>: Unternehmen sind k\u00fcnftig nicht mehr verpflichtet, jede einzelne potenzielle Auswirkung, jedes Risiko und jede Chance (Impact, Risk, Opportunity (IRO)) separat auf Wesentlichkeit zu pr\u00fcfen. Stattdessen d\u00fcrfen sie eine Wesentlichkeitsentscheidung unmittelbar auf der Ebene von Themen oder Unterthemen treffen, basierend auf ihrer Strategie, ihrem Gesch\u00e4ftsmodell und ihrem sektoralen Kontext. Nur wenn die Wesentlichkeit auf dieser aggregierten Ebene nicht eindeutig bestimmt werden kann, ist eine detaillierte Einzelpr\u00fcfung auf IRO-Ebene erforderlich.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>Merkmal<\/strong><\/td><td><strong>\u201eBottom-up\u201c-Ansatz<\/strong><\/td><td><strong>\u201eTop-down\u201c-Ansatz<\/strong><\/td><\/tr><tr><td><strong>Analyse<\/strong><\/td><td>Bewertung jedes einzelnen individuellen IRO.<\/td><td>Beurteilung unmittelbar auf (Unter-)Themenebene.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Methodik<\/strong><\/td><td>Vollst\u00e4ndige Suche und detailliertes Einzel-Scoring.<\/td><td>Informed Assessment (fundierte Einsch\u00e4tzung) basierend auf Strategie, Sektor und Geografie.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Dokumentation<\/strong><\/td><td>Hoher Nachweisaufwand f\u00fcr jeden Einzelaspekt.<\/td><td>Fokus auf strategische Plausibilit\u00e4t, Detailanalyse nur bei Unklarheit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Prinzip der \u201eReasonable and Supportable Information\u201c<\/strong>: Die Nachweisanforderungen wurden erheblich gelockert. Es gilt nun das allgemeine Prinzip, dass Unternehmen nur Informationen verwenden m\u00fcssen, die <strong>ohne unangemessenen Kosten- oder Zeitaufwand<\/strong> (\u201ewithout undue cost or effort\u201c) verf\u00fcgbar sind. Dies befreit Unternehmen von der Pflicht zu einer langwierigen Suche nach Daten, insbesondere in der (weiter entfernten) Wertsch\u00f6pfungskette.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<ol start=\"3\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Konzept der \u201eFair Presentation\u201c<\/strong>: Die Nachhaltigkeitserkl\u00e4rung muss als Ganzes ein zutreffendes Bild der materiellen Nachhaltigkeitsaspekte vermitteln. Gem\u00e4\u00df Appendix&nbsp;B zu den ESRS&nbsp;2026 wird dies durch zwei qualitative Merkmale definiert:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Relevanz<\/strong>: Die Informationen bilden die tats\u00e4chlichen IROs des Unternehmens ab.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Faithful Representation<\/strong>: Die Darstellung muss vollst\u00e4ndig, neutral und genau sein. Reicht die Anwendung der ESRS allein nicht aus, um dieses Bild zu vermitteln, sind zus\u00e4tzliche unternehmensspezifische Angaben zwingend erforderlich.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<ol start=\"4\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Zentralisierung der antizipierten finanziellen Effekte (AFE)<\/strong>: Die Berichterstattung \u00fcber voraussichtliche finanzielle Auswirkungen wurde in dem \u00fcbergreifenden Standard ESRS&nbsp;2 (dort in SBM-3) zentralisiert. Zudem wurde klargestellt, dass quantitative Angaben zu zuk\u00fcnftigen Effekten nicht verpflichtend sind, wenn sie mit einem unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Sch\u00e4tzaufwand verbunden w\u00e4ren. Qualitative Erl\u00e4uterungen sind in solchen F\u00e4llen ausreichend.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Struktur\u00e4nderung: von MDR zu GDR<\/strong><br>Ein technischer, aber f\u00fcr die Berichtserstellung wesentlicher Aspekt ist die Umbenennung der <strong>Minimum Disclosure Requirements (MDR)<\/strong> in <strong>General Disclosure Requirements (GDR)<\/strong>. Diese Anforderungen zu Richtlinien (Policies), Ma\u00dfnahmen (Acts), Zielen (Targets) und Kennzahlen (Metrics) sind nun geb\u00fcndelt in ESRS&nbsp;2 zu finden und bilden eine einheitliche Logik f\u00fcr jedes wesentliche Thema. Diese Verschiebung \u2013 weg von den einzelnen zehn themenspezifischen Standards hin zu ESRS&nbsp;2 \u2013 erh\u00f6ht die Effizienz, da die Berichterstattung nicht mehr als isolierte Compliance-Aufgabe, sondern als Spiegelbild der tats\u00e4chlichen Managementinstrumente fungiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem wurden die <strong>Anwendungsanforderungen<\/strong> (<strong>Application Requirements<\/strong> <strong>\u2013 AR<\/strong>) aus den Anh\u00e4ngen der jeweiligen Standards direkt in den Flie\u00dftext unter die jeweiligen Datenpunkte integriert, was die Lesbarkeit und Handhabung der Standards deutlich verbessert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Verh\u00e4ltnis zur CSRD und zeitliche Anwendung<\/strong><br>Die \u00fcberarbeiteten ESRS 2026 bleiben der technische Kern der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), setzen aber den neuen politischen Fokus auf <strong>Entb\u00fcrokratisierung<\/strong> um. Besonders wichtig f\u00fcr berichtspflichtige Unternehmen sind die neu gefassten \u00dcbergangsregelungen. Es wird nun strikt zwischen sogenannten <strong>\u201eWave-one\u201c-Unternehmen<\/strong> (die bereits berichten) und anderen Unternehmen unterschieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr besonders komplexe Themen wie Biodiversit\u00e4t (ESRS&nbsp;E4) oder die Berichterstattung \u00fcber Arbeitnehmer in der Wertsch\u00f6pfungskette (ESRS&nbsp;S2-ESRS&nbsp;S4) gew\u00e4hrt die neue Fassung einen verl\u00e4ngerten <strong>Aufschub bis zum Gesch\u00e4ftsjahr 2027<\/strong>. Die Pflicht zur quantitativen Berichterstattung \u00fcber antizipierte finanzielle Effekte wurde sogar bis zum <strong>Gesch\u00e4ftsjahr 2030<\/strong> verschoben, um den Unternehmen Zeit zu geben, robuste Methoden f\u00fcr diese komplexen Sch\u00e4tzungen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zwischenfazit<\/strong><br>Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass die ESRS durch die \u00dcberarbeitung im Jahr 2026 zu einem <strong>praxistauglicheren Berichtsrahmen<\/strong> transformiert wurden. Der Fokus liegt nun auf der Plausibilit\u00e4t und strategischen Relevanz der Informationen, was den Erstellungsprozess f\u00fcr Unternehmen zwar immer noch anspruchsvoll, aber deutlich effizienter und zielgerichteter gestaltet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Der freiwillige Nachhaltigkeitsstandard f\u00fcr KMU (VS)<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Grundlagen<\/strong><br>Parallel zur Vereinfachung der ESRS f\u00fcr berichtspflichtige Unternehmen hat die Europ\u00e4ische Kommission mit einer weiteren Delegierten Verordnung einen standardisierten Rahmen f\u00fcr die freiwillige Berichterstattung geschaffen. Der sog.&nbsp;<strong>Voluntary Standard<\/strong> (VS) ist die Antwort der EU auf die wachsende Sorge, dass kleinere Unternehmen, die nicht in den direkten Anwendungsbereich der CSRD fallen, durch indirekte Anforderungen ihrer Gesch\u00e4ftspartner und Banken \u00fcberfordert werden. Dieser Standard f\u00fcr eine freiwillige Berichterstattung fungiert als strategisches Bindeglied f\u00fcr Unternehmen au\u00dferhalb der gesetzlichen Berichtspflicht. Er basiert inhaltlich auf dem <strong>VSME-Standard<\/strong>&nbsp;(Empfehlung 2025\/1710) und wurde f\u00fcr eine konsistente Interoperabilit\u00e4t mit den revidierten ESRS optimiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret ist der VS f\u00fcr Unternehmen konzipiert, die an ihren Abschlussstichtagen im Durchschnitt w\u00e4hrend des vorangegangenen Gesch\u00e4ftsjahres <strong>nicht mehr als 1.000 Mitarbeiter<\/strong> besch\u00e4ftigen. Damit werden Kleinstunternehmen, kleine, mittlere und gro\u00dfe Unternehmen abgedeckt, die die Schwellenwerte in der CSRD f\u00fcr die verpflichtende ESRS-Berichterstattung unterschreiten. Die Anwendung der Regelungen ist <strong>freiwillig<\/strong>. Unternehmen k\u00f6nnen den Standard ab dem Tag des Inkrafttretens der Verordnung nutzen, um ihre Nachhaltigkeitsleistung transparent zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Namens\u00e4nderung von VSME zu VS<\/strong><br>W\u00e4hrend die urspr\u00fcngliche Empfehlung der EU-Kommission noch unter der Bezeichnung <strong>VSME-Standard<\/strong> (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) bekannt war, wurde der finale Rechtsakt nun schlicht als <strong>Voluntary Standard (VS)<\/strong> verabschiedet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hintergrund ist die durch Omnibus-I vorgenommene <strong>Neukalibrierung der Schwellenwerte<\/strong>. Da die Anwendungspflicht der <strong>CSRD<\/strong> nur noch <strong>Unternehmen<\/strong> <strong>mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450&nbsp;Mio.&nbsp;EUR Umsatz<\/strong> betrifft, wird nun der Anwendungsbereich des freiwilligen Rahmens ausgeweitet. Daher soll der Titel des VS (fr\u00fcher VSME) die gesamte Breite der nun vor einer CSRD-Berichtspflicht \u201egesch\u00fctzten\u201c Unternehmen widerspiegeln, ohne sie ausschlie\u00dflich als KMU zu bezeichnen. Mit der Verabschiedung der neuen Verordnung wird die bisherige unverbindliche VSME-Empfehlung (2025\/1710) offiziell ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Inhalte des VS<\/strong><br>Der VS ist im Vergleich zu den ESRS deutlich schlanker und folgt einer <strong>modularen Struktur<\/strong>, die es Unternehmen erlaubt, den Umfang ihres Berichts an ihre Kapazit\u00e4ten und die Bed\u00fcrfnisse ihrer Stakeholder anzupassen. Er besteht \u2013 wie schon der VSME \u2013 aus zwei Modulen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Basis-Modul (Basic Module)<\/strong>: Dies ist der Mindeststandard f\u00fcr alle VS-Anwender. Es umfasst grundlegende Informationen zur Erstellung (B1) sowie zu den Praktiken und Initiativen f\u00fcr den \u00dcbergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft (B2). Erg\u00e4nzt wird dies durch Kennzahlen (B3 bis B11) zu Themen wie Energie und Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch, Abfallmanagement sowie wesentliche Kennzahlen zur Belegschaft (Arbeitssicherheit, Entlohnung, Weiterbildung) und zur Korruptionsbek\u00e4mpfung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Erweitertes Modul (Comprehensive Module)<\/strong>: Dieses Modul richtet sich an Unternehmen, die tiefergehende Informationen bereitstellen m\u00f6chten oder m\u00fcssen, z.&nbsp;B. auf Anfrage von Investoren oder Gro\u00dfkunden. Es umfasst zus\u00e4tzliche Angaben zur Strategie und zum Gesch\u00e4ftsmodell (C1), detailliertere Klimaziele und -risiken (C3,&nbsp;C4) sowie erweiterte Informationen zu Menschenrechten und Diversit\u00e4t (C6,&nbsp;C9).<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig zu beachten ist, dass die Anwendung des Basis-Moduls die Voraussetzung ist, um Informationen aus dem erweiterten Modul zu berichten. Der Standard enth\u00e4lt zudem Erleichterungen f\u00fcr Kleinstunternehmen (bis 10 Mitarbeiter), f\u00fcr die bestimmte Kennzahlen lediglich auf freiwilliger Basis vorgesehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nutzen des VS<\/strong><br>Der prim\u00e4re Nutzen des VS liegt in der <strong>Standardisierung der Datenabfragen<\/strong>. KMU sahen sich bisher oft mit einer Flut an unterschiedlichen, unkoordinierten Frageb\u00f6gen von bspw. Banken, Versicherern und Kunden konfrontiert. Der VS dient hier als standardisierter Rahmen. Wenn ein Unternehmen nach diesem Standard berichtet, k\u00f6nnen Gesch\u00e4ftspartner darauf vertrauen, dass die Daten konsistent und auch mit dem ESRS-Rahmenwerk kompatibel sind. Weitere <strong>Vorteile einer freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung unter Anwendung des VS<\/strong> sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Verbesserter Zugang zu Kapital<\/strong>: Banken nutzen Nachhaltigkeitsdaten zunehmend f\u00fcr Kreditentscheidungen. Ein VS-Bericht kann die Informationsbedarfe der Finanzinstitute effizient erf\u00fcllen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/strong>: Die systematische Erfassung von Verbr\u00e4uchen (Energie, Wasser) hilft KMU, Ineffizienzen zu identifizieren und ihre Resilienz gegen\u00fcber regulatorischen \u00c4nderungen oder steigenden Ressourcenpreisen zu erh\u00f6hen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kosteneffizienz<\/strong>: Da der VS keine Pr\u00fcfungspflicht (Assurance) vorsieht, bleiben die Compliance-Kosten f\u00fcr Anwender gering. Gleichwohl schafft eine freiwillige Pr\u00fcfung von VS-basierten Informationen eine noch h\u00f6here Verl\u00e4sslichkeit am Markt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Value Chain Cap (VCC)<\/strong><br>Das wohl <strong>wichtigste Instrument f\u00fcr den Mittelstand<\/strong> ist der neu eingef\u00fchrte <strong>Value Chain Cap<\/strong>. Um den \u201eTrickle-down-Effekt\u201c, d.&nbsp;h. die Weitergabe von Berichtslasten durch (sehr) gro\u00dfe Unternehmen bzw. Konzerne an KMU, zu verhindern, etabliert die Omnibus-I-Regulatorik einen rechtlich verbindlichen \u201eCap\u201c. Berichtspflichtige Gro\u00dfunternehmen d\u00fcrfen von ihren Zulieferern (&lt;&nbsp;1.000 Mitarbeiter) keine Informationen verlangen, die \u00fcber die im VS definierten \u201e<strong>Essential Datapoints<\/strong>\u201c hinausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die so gesch\u00fctzten Unternehmen haben das Recht, die Bereitstellung von Informationen zu verweigern, die \u00fcber das im VS definierte Ma\u00df hinausgehen. Gro\u00dfunternehmen sind zudem verpflichtet, ihre Lieferanten bei Datenfragen explizit \u00fcber deren Verweigerungsrecht zu informieren. Der Cap bezieht sich dabei spezifisch auf die <strong>\u201eEssential Datapoints\u201c<\/strong> des VS, wobei zwischen Kleinstunternehmen (bis 10 Mitarbeiter) und anderen Unternehmen unterschieden wird, um die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit zu wahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Value Chain Cap tritt f\u00fcr die Berichtspflichten der von der CSRD unmittelbar betroffenen Unternehmen ab dem <strong>Gesch\u00e4ftsjahr 2027<\/strong> (bei kalenderjahrgleichem Gesch\u00e4ftsjahr) verbindlich in Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zwischenfazit<\/strong><br>Somit fungiert der VS nicht nur als Berichtsrahmen, sondern als gesetzliches Schutzschild gegen b\u00fcrokratische \u00dcberforderung durch den sog.&nbsp;\u201eTrickle-down-Effekt\u201c. Dennoch ist kritisch anzumerken, dass berichtspflichtige Unternehmen Lieferanten bevorzugen k\u00f6nnten, die \u00fcber die gesetzlich vorgesehenen Informationen hinausgehende Daten bereitstellen. Dadurch wird der Trickle-down-Effekt zwar rechtlich begrenzt, faktisch jedoch nicht vollst\u00e4ndig verhindert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Was bedeuten die ESRS&nbsp;2026 und der VS f\u00fcr die Praxis?<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Unternehmen bedeuten die Neuregelungen in den beiden delegierten Rechtsakten nicht nur eine formale Anpassung an neue Regelungsinhalte, sondern eine <strong>grundlegende Chance, den Prozess der Berichterstattung effizienter und aussagekr\u00e4ftiger zu gestalten<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die \u00dcberarbeitung der Berichtsstandards eine erhebliche Entlastung bringt, m\u00fcssen Unternehmen ihre bisherigen Vorbereitungen kritisch \u00fcberpr\u00fcfen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>\u00dcberpr\u00fcfung der doppelten Wesentlichkeitsanalyse (DMA)<\/strong>: Unternehmen sollten ihre bestehenden Materialit\u00e4tsbewertungen auf den neuen <strong>Top-down-Ansatz<\/strong> umstellen. Dies erlaubt es, die Relevanz von Themen unmittelbar auf Basis des Gesch\u00e4ftsmodells und der Strategie festzulegen, anstatt m\u00fchsam jeden einzelnen Datenpunkt (IRO) zu bewerten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Anpassung der Berichtsgrenzen<\/strong>: Durch die neue Flexibilit\u00e4t bei der Berichterstattung \u00fcber Treibhausgasemissionen hinsichtlich der Wahl zwischen dem \u201e<strong>Financial Control Approach<\/strong>\u201c und dem \u201e<strong>Operational Control Approach<\/strong>\u201c (Angleichung an den GHG-Protocol-Standard) m\u00fcssen Unternehmen pr\u00fcfen, welcher Ansatz f\u00fcr ihre Struktur und Treibhausgasbilanzierung am vorteilhaftesten und zugleich konsistent mit globalen Standards ist.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Implementierung des Value Chain Cap (VCC)<\/strong>: Gro\u00dfe berichtspflichtige Unternehmen m\u00fcssen ihre Einkaufsprozesse anpassen. Sie sind k\u00fcnftig verpflichtet, ihre Partner in der Wertsch\u00f6pfungskette \u00fcber deren <strong>gesetzliches Recht zur Verweigerung<\/strong> \u00fcberschie\u00dfender Datenabfragen aufzukl\u00e4ren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Nutzung von Erleichterungen (Reliefs)<\/strong>: Es muss gepr\u00fcft werden, welche unwesentlichen Aktivit\u00e4ten k\u00fcnftig aus Kennzahlen ausgeschlossen werden k\u00f6nnen, um den Erhebungsaufwand in Randbereichen zu senken.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>\u00dcberarbeitung der Berichtsstandards<\/strong> bietet <strong>erhebliche wirtschaftliche und strategische Vorteile<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Massive Kosteneinsparungen<\/strong>: Die EFRAG prognostiziert durch die Vereinfachungen (insbesondere die Reduzierung der Datenpunkte um 61&nbsp;%) Kosteneinsparungen von durchschnittlich 34&nbsp;% \u00fcber einen F\u00fcnfjahreszeitraum.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Schutzschild f\u00fcr den Mittelstand<\/strong>: Der Voluntary Standard (VS) beendet das \u201eFragebogen-Chaos\u201c in der Wertsch\u00f6pfungskette. Er fungiert als gesetzliche Obergrenze und sch\u00fctzt sehr viele Unternehmen vor unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Anforderungen ihrer Gro\u00dfkunden.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<ol start=\"3\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Fokus auf \u201eFair Presentation\u201c<\/strong>: Anstatt eine statische Checkliste abzuarbeiten, k\u00f6nnen Unternehmen nun ein zutreffendes Gesamtbild ihrer Nachhaltigkeitsleistung vermitteln. Dies erh\u00f6ht die Qualit\u00e4t der Kommunikation gegen\u00fcber Investoren und Banken, da die wirklich steuerungsrelevanten Informationen in den Vordergrund r\u00fccken.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<ol start=\"4\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Internationale Anschlussf\u00e4higkeit<\/strong>: Die st\u00e4rkere Harmonisierung mit globalen Standards wie denen des ISSB (IFRS&nbsp;S1\/S2) reduziert das Risiko von Doppelberichterstattungen f\u00fcr global agierende Konzerne.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Empfehlungen f\u00fcr die Praxis<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um optimal von den Neuregelungen und Vereinfachungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu profitieren, sind folgende Schritte zu empfehlen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mut zur L\u00fccke durch das \u201eUndue Cost or Effort\u201c-Prinzip<\/strong>: Machen Sie konsequent von dem neuen Grundsatz Gebrauch, nach dem nur Informationen verwendet werden m\u00fcssen, die <strong>ohne unangemessenen Kosten- oder Zeitaufwand<\/strong> verf\u00fcgbar sind. Dokumentieren Sie plausibel, warum bestimmte Daten in der tiefen Wertsch\u00f6pfungskette (aktuell) nicht erhoben werden k\u00f6nnen, anstatt teure und unsichere Sch\u00e4tzmodelle zu finanzieren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Anwendung der Klima-Sonderregel<\/strong>: Auch wenn f\u00fcr die meisten Themen k\u00fcnftig ein einfaches \u201enicht wesentlich\u201c ausreicht, erfordert das Thema <strong>Klimawandel<\/strong> weiterhin eine explizite Begr\u00fcndung bei Nicht-Wesentlichkeit. Stellen Sie sicher, dass diese Argumentation robust und konsistent mit Ihrer Unternehmensstrategie ist.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Nutzung der Executive Summary<\/strong>: Nutzen Sie die neue Option einer Zusammenfassung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen am Anfang des Nachhaltigkeitsberichts. Dies ist ein exzellentes Instrument, um die komplexen ESRS-Inhalte f\u00fcr Ihre Stakeholder (insb. Aufsichtsgremien und Investoren) verst\u00e4ndlich aufzubereiten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Fr\u00fchzeitige Anwendung (FY 2026)<\/strong>: Unternehmen, die bereits nachhaltigkeitsbezogene Informationen berichten, sollten pr\u00fcfen, ob sie die neuen Standards bereits <strong>freiwillig f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2026<\/strong> anwenden. Dies erm\u00f6glicht es, fr\u00fcher von der Reduzierung der Datenpunkte und den methodischen Erleichterungen zu profitieren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Modularer Einstieg f\u00fcr KMU<\/strong>: Nicht berichtspflichtige KMU sollten den VS zun\u00e4chst \u00fcber das <strong>Basis-Modul<\/strong> pilotieren. Dies erleichtert bspw. den Zugang zu nachhaltiger Finanzierung (z.&nbsp;B. bei Kreditverhandlungen), ohne die Kapazit\u00e4ten des Unternehmens durch das umfassende Modul (Comprehensive Module) des VS sofort zu \u00fcberfordern.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die Praxis k\u00fcnftig weniger Zeit f\u00fcr die reine Datenaggregation und <strong>mehr Zeit f\u00fcr die inhaltliche Steuerung von Nachhaltigkeitsthemen<\/strong> haben wird. Der Wegfall oder die Vereinfachung quantitativer Pflichtangaben bei hohen Unsicherheiten (wie bei antizipierten finanziellen Effekten) st\u00e4rkt die Glaubw\u00fcrdigkeit der Berichte und sch\u00fctzt Unternehmen vor Haftungsrisiken durch mangelhafte Sch\u00e4tzungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Fazit<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das neue Regulierungspaket ist ein Schritt in Richtung <strong>Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/strong>. Durch die <strong>Reduzierung der verpflichtend zu berichtenden Datenpunkte in den ESRS&nbsp;2026 um 61&nbsp;%<\/strong> und die Einf\u00fchrung pragmatischer Grunds\u00e4tze wie dem <strong>Top-down-Ansatz<\/strong> bei der doppelten Wesentlichkeitsanalyse wird der Erstellungsaufwand f\u00fcr berichtspflichtige Unternehmen gesenkt. Besonders <strong>f\u00fcr den (gro\u00dfen) Mittelstand<\/strong> fungiert der <strong>VS<\/strong> in Kombination mit dem <strong>Value Chain Cap<\/strong> als rechtlich verankerter Schutzschild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Verabschiedung der beiden Delegierten Rechtsakte am 03.07.2026 begann die sog. <strong>Scrutiny Period<\/strong> (Pr\u00fcfungsfrist), in der das Europ\u00e4ische Parlament und der Rat der EU das Recht haben, Einspruch gegen die Rechtsakte zu erheben. Die Pr\u00fcfungsfrist betr\u00e4gt zwei Monate, sie kann auf Antrag um weitere zwei Monate verl\u00e4ngert werden. In dieser Zeit k\u00f6nnen Parlament und Rat den Text nur als Ganzes annehmen oder ablehnen, aber <strong>inhaltlich nicht mehr ver\u00e4ndern<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die EU-Kommission die Entw\u00fcrfe der \u00fcberarbeiteten ESRS sowie des VS jedoch eng mit den Mitgliedstaaten und Experten abgestimmt hat, <strong>gilt eine Ablehnung durch Parlament bzw. Rat der EU als unwahrscheinlich<\/strong>. Dennoch sind die Standards rechtlich erst nach Ablauf dieser Frist und der anschlie\u00dfenden Ver\u00f6ffentlichung im EU-Amtsblatt rechtlich finalisiert und k\u00f6nnen anschlie\u00dfend erst in Kraft treten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgehend von einer maximal viermonatigen Scrutiny Period sollte dies <strong>voraussichtlich sp\u00e4testens im November&nbsp;2026<\/strong> der Fall sein. Aus heutiger Sicht ist <strong>davon auszugehen<\/strong>, dass die \u00fcberarbeiteten ESRS sowie auch der freiwillige Berichtsstandard VS <strong>noch im Jahr&nbsp;2026 G\u00fcltigkeit<\/strong> erlangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der <strong>Praxis<\/strong> ist daher anzuraten, sich noch im Gesch\u00e4ftsjahr 2026 mit den entsprechenden Berichtspflichten auseinanderzusetzen. Gerade im \u201eMittelstand\u201c, also den Unternehmen und Konzernen, die nicht unter die unmittelbare CSRD-Pflicht fallen, weil sie nicht mehr als 1.000 Mitarbeitende und nicht mehr als 450&nbsp;Mio.&nbsp;EUR Umsatz haben, werden die <strong>Anforderungen aus vor- und nachgelagerten Stufen<\/strong> <strong>der Liefer- und Wertsch\u00f6pfungsketten <\/strong>an Bedeutung gewinnen. Eine rechtzeitige <strong>Auseinandersetzung mit einer Berichterstattung nach VS<\/strong> ist daher <strong>zu empfehlen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleiches gilt f\u00fcr die Unternehmen, die <strong>perspektivisch<\/strong>, bspw. auf Basis angedachten Wachstums oder auf Grundlage von M&amp;A-Aktivit\u00e4ten (wenn sie in gr\u00f6\u00dfere, CSRD-berichtspflichtige Einheiten integriert werden sollen), selbst <strong>von der Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung erfasst<\/strong> sein werden. Auch hier bietet sich eine rechtzeitige Besch\u00e4ftigung mit den Berichtsanforderungen \u2013 zumindest auf VS-Niveau \u2013 an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>Nachhaltigkeitsberichterstattung<\/strong> ist unver\u00e4ndert, insbesondere f\u00fcr die von der CSRD unmittelbar betroffenen Unternehmen und Konzerne, ein <strong>aufw\u00e4ndiges, neues Berichtsinstrument<\/strong>, das neben die finanzielle Berichterstattung tritt. Zugleich hat die EU mit den <strong>ESRS&nbsp;2.0 deutliche Erleichterungen<\/strong> geschaffen. Dies ist zumindest ein richtiger Schritt in Richtung einer aus Kosten-Nutzen-Perspektive ausgewogeneren Berichterstattungspflicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den am 03.07.2026 verabschiedeten zwei Delegierten Verordnungen zu den \u00fcberarbeiteten ESRS und dem neuen Voluntary Standard (VS) setzt die Europ\u00e4ische Kommission die Ziele der Omnibus-I-Richtlinie konsequent um. Unternehmen profitieren von deutlich reduzierten Berichtspflichten, mehr Rechtssicherheit und praxisnahen Erleichterungen. 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