{"id":40106,"date":"2026-08-27T13:52:05","date_gmt":"2026-08-27T11:52:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kleeberg.de\/?p=40106"},"modified":"2026-08-27T13:52:05","modified_gmt":"2026-08-27T11:52:05","slug":"kaufpreisallokationen-als-zusaetzlicher-anhaltspunkt-zur-ableitung-von-lizenzraten-in-der-markenbewertung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kleeberg.de\/en\/2026\/08\/27\/kaufpreisallokationen-als-zusaetzlicher-anhaltspunkt-zur-ableitung-von-lizenzraten-in-der-markenbewertung\/","title":{"rendered":"Kaufpreisallokationen als zus\u00e4tzlicher Anhaltspunkt zur Ableitung von Lizenzraten in der Markenbewertung"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Marken z\u00e4hlen zu den wichtigsten immateriellen Werttreibern eines Unternehmens. In der Bewertungspraxis kommt h\u00e4ufig die Lizenzpreisanalogie zum Einsatz. Besonders anspruchsvoll ist dabei die Bestimmung einer angemessenen Lizenzrate. Erg\u00e4nzend zu Vertragsdatenbanken und Profit-Split-\u00dcberlegungen k\u00f6nnen ver\u00f6ffentlichte Markenwerte aus Kaufpreisallokationen herangezogen werden, um implizite Lizenzraten retrograd abzuleiten.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die finanzielle Bewertung von Marken wird bei Unternehmens\u00fcbernahmen und Kaufpreisallokationen, bei der Festlegung von Verrechnungspreisen oder in schadensersatzrechtlichen Streitf\u00e4llen ben\u00f6tigt. Die Herausforderung liegt dabei h\u00e4ufig weniger in der Bewertungsmethode als in der sachgerechten Bestimmung der ma\u00dfgeblichen Parameter.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum es f\u00fcr Marken keine Marktpreise gibt<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bewertungsstandards wie IDW&nbsp;S&nbsp;5, DIN&nbsp;ISO&nbsp;10668 und IVS&nbsp;210 unterscheiden zwischen marktpreis-, kapitalwert- und kostenorientierten Verfahren. Marktpreisorientierte Ans\u00e4tze setzen beobachtbare Preise aus vergleichbaren Transaktionen voraus. Bei Marken fehlt jedoch regelm\u00e4\u00dfig ein aktiver Markt, da jede Marke durch ihre rechtliche Ausgestaltung, Bekanntheit, Positionierung und wirtschaftliche Nutzung gepr\u00e4gt ist. Auch nach IAS&nbsp;38.78 ist das Bestehen eines aktiven Marktes f\u00fcr Marken \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Bewertungspraxis kommt deshalb h\u00e4ufig die Lizenzpreisanalogie zur Anwendung. Der Markenwert entspricht dabei dem Barwert der Lizenzzahlungen, die ein Unternehmen einspart, weil es die Marke selbst besitzt und nicht von einem fremden Rechteinhaber lizenzieren muss.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie sich die Lizenzrate bestimmen l\u00e4sst<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zentrale Bewertungsparameter ist die Lizenzrate. Sie beeinflusst den Markenwert unmittelbar, ihre Herleitung er\u00f6ffnet jedoch erhebliche Ermessensspielr\u00e4ume. In der Praxis werden vor allem Vertragsdatenbanken und Profit-Split-\u00dcberlegungen herangezogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Vertragsrecherche werden tats\u00e4chlich abgeschlossene Lizenzvertr\u00e4ge gesucht, die mit dem Bewertungsfall m\u00f6glichst gut vergleichbar sind. Dieser marktnahe Ansatz genie\u00dft grunds\u00e4tzlich eine hohe Akzeptanz. Viele Vertr\u00e4ge b\u00fcndeln allerdings mehrere Schutzrechte oder zus\u00e4tzliche Leistungen. Auch innerhalb vergleichbarer Branchen unterscheiden sich Vertr\u00e4ge deutlich, etwa hinsichtlich Laufzeit, vereinbarter Exklusivit\u00e4t, betroffenem Absatzgebiet oder der zugrunde gelegten Umsatzbasis f\u00fcr die Staffelung. Diese Unterschiede schr\u00e4nken die Vergleichbarkeit zus\u00e4tzlich ein, sodass die ermittelten Lizenzraten entsprechend breit ausfallen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Profit-Split orientiert sich an der wirtschaftlichen Leistungsf\u00e4higkeit des potenziellen Lizenznehmers und teilt den mit der Marke erzielbaren Gewinn fiktiv zwischen einem hypothetischen Lizenzgeber und Lizenznehmer auf. Nach&nbsp;IDW&nbsp;S&nbsp;5, Tz.&nbsp;65, muss die Lizenzrate dabei in einem angemessenen Verh\u00e4ltnis zum erzielbaren Ergebnis stehen. Dem Lizenznehmer muss nach Zahlung der Lizenzgeb\u00fchr ein angemessener Gewinn verbleiben. Pauschale Prozents\u00e4tze eignen sich deshalb nur als grobe erste Einordnung und sind anhand der Branche, des Gesch\u00e4ftsmodells und der Ertragssituation im Einzelfall zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Unterschiedliche Bilanzierung selbst geschaffener und erworbener Marken<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst geschaffene Marken d\u00fcrfen weder nach \u00a7&nbsp;248&nbsp;Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2&nbsp;HGB noch nach IAS&nbsp;38.63 aktiviert werden. Beim Unternehmenserwerb ist die Behandlung anders. Nach IFRS&nbsp;3.10 sind erworbene identifizierbare Verm\u00f6genswerte getrennt vom Gesch\u00e4fts- oder Firmenwert anzusetzen. Eine Marke ist identifizierbar, wenn sie separierbar ist oder aus vertraglichen beziehungsweise gesetzlichen Rechten entsteht. Die ma\u00dfgeblichen Kriterien ergeben sich aus IFRS&nbsp;3.B31 bis&nbsp;B34.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erworbene Marke wird gem\u00e4\u00df IFRS&nbsp;3.18 zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Der Gesch\u00e4fts- oder Firmenwert ergibt sich anschlie\u00dfend nach IFRS&nbsp;3.32 als verbleibende Gr\u00f6\u00dfe. Dadurch kann beim Erwerber ein Markenwert bilanziell sichtbar werden, der beim erworbenen Unternehmen zuvor nicht angesetzt werden durfte. Ein Widerspruch liegt darin nicht, weil das Aktivierungsverbot selbst geschaffene Marken betrifft, w\u00e4hrend IFRS&nbsp;3 die im Rahmen eines Unternehmenszusammenschlusses erworbene Marke regelt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lizenzraten aus Kaufpreisallokationen zur\u00fcckrechnen<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erg\u00e4nzend zu Vertragsdaten und Profit-Split kann aus dem in einer Kaufpreisallokation ausgewiesenen Markenwert retrograd eine implizite Lizenzrate abgeleitet werden. Hierzu wird die Barwertberechnung der Lizenzpreisanalogie nach der Lizenzrate umgestellt. Ermittelt wird derjenige Lizenzsatz, der unter den zugrunde gelegten Bewertungsannahmen zu dem ausgewiesenen Markenwert f\u00fchrt. F\u00fcr die R\u00fcckrechnung werden insbesondere die markenbezogenen Ums\u00e4tze, der Steuersatz, die Wachstumsannahmen, die Dauer der Detailplanung, die wirtschaftliche Nutzungsdauer und der Kapitalisierungszinssatz ben\u00f6tigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Nutzen dieser Vorgehensweise liegt in ihrem Transaktionsbezug. Der Gesamtkaufpreis wurde tats\u00e4chlich am Markt gezahlt und anschlie\u00dfend auf die erworbenen Verm\u00f6genswerte und Schulden verteilt. Die zur\u00fcckgerechnete Lizenzrate kann daher einen zus\u00e4tzlichen Anhaltspunkt f\u00fcr die wirtschaftliche Bedeutung der Marke innerhalb der Transaktion liefern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist zwischen dem Kaufpreis und dem Markenwert zu unterscheiden. Der Gesamtkaufpreis beruht auf einer tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrten Transaktion. Der auf die Marke entfallende Wert ist dagegen das Ergebnis einer Bewertung. Die daraus abgeleitete Lizenzrate ist daher kein unmittelbar beobachtbarer Marktpreis, sondern h\u00e4ngt von den Annahmen der Kaufpreisallokation und der sp\u00e4teren R\u00fcckrechnung ab.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nutzen und Grenzen der R\u00fcckrechnung<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die retrograde Ableitung ersetzt weder die Recherche nach vergleichbaren Lizenzvertr\u00e4gen noch den Profit-Split. Sie erg\u00e4nzt beide Verfahren um eine transaktionsbezogene Perspektive. Vertragsdaten liefern marktbezogene Anhaltspunkte, der Profit-Split pr\u00fcft die wirtschaftliche Tragf\u00e4higkeit und die R\u00fcckrechnung stellt den Bezug zu einer konkreten Unternehmenstransaktion her. Das kann insbesondere hilfreich sein, wenn sich aus Vertragsdatenbanken eine gro\u00dfe Bandbreite m\u00f6glicher Lizenzraten ergibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aussagekraft h\u00e4ngt jedoch von der verf\u00fcgbaren Datenbasis ab. Diskontierungszinss\u00e4tze, Wachstumsannahmen, Planungshorizonte und Nutzungsdauern werden in ver\u00f6ffentlichten Kaufpreisallokationen h\u00e4ufig nicht vollst\u00e4ndig offengelegt. Fehlende Angaben lassen sich dann nur \u00fcber eigene Annahmen und branchen\u00fcbliche Vergleichswerte ann\u00e4hern. Die ermittelte Lizenzrate enth\u00e4lt dann sowohl die Annahmen der urspr\u00fcnglichen Bewertung als auch die Einsch\u00e4tzungen desjenigen, der die R\u00fcckrechnung vornimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem muss die herangezogene Transaktion hinreichend vergleichbar sein. Das betrifft insbesondere die Unternehmensgr\u00f6\u00dfe, den zeitlichen Abstand zur eigenen Bewertung, das Wettbewerbsumfeld sowie die N\u00e4he von Branche und Gesch\u00e4ftsmodell zum Bewertungsfall. Je geringer die Vergleichbarkeit und je unvollst\u00e4ndiger die verf\u00fcgbaren Informationen sind, desto geringer ist die Aussagekraft der zur\u00fcckgerechneten Lizenzrate.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die R\u00fcckrechnung aus Kaufpreisallokationen kann die Auswahl innerhalb einer Bandbreite m\u00f6glicher Lizenzraten unterst\u00fctzen. Wie belastbar das Ergebnis ist, h\u00e4ngt vor allem von der Vergleichbarkeit der Transaktion, der Qualit\u00e4t der verf\u00fcgbaren Informationen und der Konsistenz der verwendeten Annahmen ab. Die Methode eignet sich daher in erster Linie als erg\u00e4nzende Kontrollrechnung und nicht als alleinige Grundlage f\u00fcr die Bestimmung der Lizenzrate.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marken z\u00e4hlen zu den wichtigsten immateriellen Werttreibern eines Unternehmens. In der Bewertungspraxis kommt h\u00e4ufig die Lizenzpreisanalogie zum Einsatz. Besonders anspruchsvoll ist dabei die Bestimmung einer angemessenen Lizenzrate. Erg\u00e4nzend zu Vertragsdatenbanken und Profit-Split-\u00dcberlegungen k\u00f6nnen ver\u00f6ffentlichte Markenwerte aus Kaufpreisallokationen herangezogen werden, um implizite Lizenzraten retrograd abzuleiten. 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