News

Die bilan­zielle und ertrag­steuer­liche Behand­lung von Corona-Finanz­hilfen

Die Regelungen rund um die Corona-Finanzhilfen des Bundes und der Länder, wie die Corona-Überbrückungshilfen sowie die November- und Dezemberhilfe, sind von hoher Dynamik gekennzeichnet und führen in diesem Zusammenhang zu hoher Unsicherheit in der Praxis. Dies gilt auch für die hiermit verbundene handelsrechtliche sowie steuerrechtliche Behandlung. Angelehnt an die Diskussionen rund um die handelsrechtliche Bilanzierung wird nachstehend auf die (ertrag-)steuerliche Erfassung entsprechender Corona-Finanzhilfen eingegangen.

Aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips nach § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG folgt die steuerrechtliche Bilanzierung grundsätzlich der handelsrechtlichen Vorgehensweise. Damit führt die Erfassung eines handelsrechtlichen Ertrags aufgrund einer öffentlichen, nicht rückzahlbaren Zuwendung als steuerpflichtige Betriebseinnahme auch zu einer Erhöhung des steuerlichen Gewinns.

Corona-Finanzhilfen, wie die Corona-Überbrückungshilfen I bis III oder die November- und Dezemberhilfe, stellen solche nicht rückzahlbaren Zuwendungen ohne Rechtsanspruch der öffentlichen Hand dar. Demnach ist hinsichtlich ihrer steuerrechtlichen Erfassung grundsätzlich die handelsrechtliche Bilanzierung ausschlaggebend.

Das IDW sprach sich erst kürzlich dafür aus, Corona-Finanzhilfen dann ertragswirksam zu aktivieren, wenn die sachlichen Voraussetzungen für die Förderungsgewährung zum Abschlussstichtag vorlagen und bis zur Jahresabschlussaufstellung (also im Wertaufhellungszeitraum) ein entsprechender Antrag gestellt wurde oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gestellt werden wird. Erfolgt nach dieser Maßgabe handelsrechtlich eine ertragswirksame Aktivierung von Corona-Finanzhilfen, ist dies auch steuerrechtlich maßgeblich.

Diese Sichtweise, nämlich Förderungen, die das Jahr 2020 betreffen, bei Vorliegen der notwendigen Voraussetzungen auch im Jahr 2020 ertragsteuerlich zu erfassen, steht grundsätzlich im Einklang mit der Ansicht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, nach der für die steuerrechtliche Aktivierung der November- und Dezemberhilfe und für die entsprechende steuerliche Gewinnermittlung im Wirtschaftsjahr 2020 entscheidend ist, ob der Steuerpflichtige bei der Beantragung auch mit einer antragsgemäßen Bescheidung rechnen kann.

Vor dem Hintergrund des fachlichen Hinweises des IDW, dessen Befolgen in vielen Fällen eine ertragswirksame Aktivierung von Corona-Finanzhilfen im Jahresabschluss 2020 zur Folge haben dürfte, sowie der Gültigkeit des Maßgeblichkeitsprinzips, sind Corona-Finanzhilfen damit unter Umständen bereits im Wirtschaftsjahr 2020 steuerlich als Betriebseinnahme zu berücksichtigen.

Lediglich bei der für steuerliche Zwecke vorzunehmenden Einnahmen-Überschuss-Rechnung sind Corona-Finanzhilfen als Betriebseinnahme in dem Zeitpunkt zu erfassen, zu dem sie dem Steuerpflichtigen zufließen.

Im Ergebnis folgt die Behandlung von Corona-Finanzhilfen grundsätzlich der handelsrechtlichen Vorgehensweise, weshalb ertragswirksame Aktivierungen von Corona-Finanzhilfen auch steuerrechtlich nachzuempfinden sind. Insofern ist die Diskussion rund um die handelsrechtliche Behandlung der Corona-Finanzhilfen auch für das Steuerrecht von Relevanz und besitzt mittelbaren Einfluss auf die Bemessung der Steuern.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Advisory Tax

Forschungs­zulage

Mit dem am 01.01.2020 in Kraft getretenen For­schungs­zulagen­gesetz (FZulG) wird die Forschung und Entwicklung in Deutschland in Form einer Zulage ab dem Jahr 2020 steuerlich gefördert. Im Rahmen eines zweistufigen Verfahrens ist zunächst ein Antrag auf Bescheinigung der förderfähigen Projekte zu stellen, bevor nach erfolgter Bescheinigung ein weiterer Antrag...
Audit Tax

Besteuerung von Personen­gesell­schaften: Mitunter­nehmer­stellung eines Nieß­brauchers

Der Arbeitskreis „Besteuerung von Personengesellschaften“ des IDW erörterte in seiner 104. Sitzung am 16.02.2021 aktuelle Probleme bei der Übertragung von Mitunternehmeranteilen unter Nießbrauchsvorbehalt und fordert von der Finanzverwaltung eine verbindliche Klarstellung im Wege eines Anwendungsschreibens. Bei Fragen zur Mitunternehmerstellung des Schenkers bei Übertragung von Mitunternehmeranteilen unter Nießbrauchsvorbehalt bzw. zur...
Tax

ATAD-Umset­zungs­gesetz – Regie­rungs­entwurf verab­schiedet

Aufgrund der Anti-Steuervermeidungs-Richtlinie (Anti-Tax-Avoidance Directive = ATAD) sind die EU-Mitgliedstaaten zur Anpassung ihrer steuerlichen Regelungen zur Entstrickungs- und Wegzugsbesteuerung (Artikel 5 ATAD), zur Hinzurechnungsbesteuerung (Artikel 7 und 8 ATAD) sowie zur Neutralisierung von Besteuerungsinkongruenzen im Zusammenhang mit Hybriden Gestaltungen (Artikel 9 und 9b ATAD) verpflichtet, soweit die vorgegebenen Mindeststandards...
Tax

Das Options­modell kommt im Körper­schaft­steuer­moderni­sierungs­gesetz (KöMoG)

Mithilfe des Optionsmodells sollen Personengesellschaften die Möglichkeit zur Körperschaftsbesteuerung eingeräumt werden. Das Optionsmodell soll nun im Rahmen des Körperschaftsteuermodernisierungsgesetz (KöMoG) eingeführt werden. Der Referentenentwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts wurde am 19.03.20201 an die Verbände versandt. Dieser wurde bereits am 24.03.2021 vom Bundeskabinett beschlossen. Der Gesetzesentwurf sieht als...