News

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Bewertung von Finanzinstrumenten im IFRS-Abschluss

Ende Januar 2020 trat eine sprunghafte Ausweitung des Corona-Virus auch in den westlichen Ländern auf. Dies hatte zunächst in einigen Regionen Deutschlands und dann bundesweit Ausgehbeschränkungen und die Schließung vieler Geschäfte zur Folge. Die damit einhergehenden negativen wirtschaftlichen Auswirkungen waren schnell an den internationalen Märkten spürbar. So verzeichnete beispielsweise der DAX im Februar und März 2020 extreme Kursverluste in nur kurzer Zeit. Im IFRS-Abschluss wird ein wesentlicher Anteil von Finanzinstrumenten mit dem Fair Value, also auf Basis aktueller Marktpreise/Kurse, bewertet. Es ist daher zu analysieren, welche Auswirkungen die aktuellen Marktverwerfungen auf die Bewertung von Finanzinstrumenten besitzen. Zudem ist es denkbar, dass sich weitere Auswirkungen auf die Bilanzierung von Finanzinstrumenten, insbesondere auf die Erfassung von Wertminderungen für finanzielle Vermögenswerte, ergeben.

Fällt der Bewertungsstichtag auf den 31.12.2019, sind hiernach anfallende Ereignisse, wie die Markteinbrüche im Jahr 2020, im Rahmen der Fair-Value-Bewertung zum 31.12.2019 grundsätzlich nicht zu berücksichtigen. Bei anderen Stichtagen, wie bspw. dem 31.03.2020, sind diese allerdings zwingend im Jahresabschluss abzubilden. Spätestens zum 31.12.2020 werden sich die Auswirkungen der Corona-Krise in den Fair Value-Bewertungen niederschlagen – es sein denn die Märkte hätten sich bis Jahresende 2020 wieder deutlich erhöht und würden auf einem Niveau vergleichbar Ende 2019 schließen.

Werden beobachtbare Marktpreise zur Ermittlung des Fair Value herangezogen, sind diese gegebenenfalls unter der Prämisse anzupassen, dass die während der Corona-Krise abgeleiteten Preise nicht Ergebnis einer ordentlichen Transaktion sind, sondern sich im Rahmen eines Stressszenarios gebildet haben. Damit einher geht die Frage, inwiefern sich die verwendeten Preise vor dem Hintergrund der ausgelösten Marktturbulenzen und dem zeitweisen Aussetzen des Handels auf einem aktiven oder inaktiven Markt bildeten. Zudem ist allgemein zu hinterfragen, inwiefern die derzeitigen Marktumbrüche einen Wechsel der angewandten Bewertungsmethoden nahelegen, um eine angemessenere Ermittlung des Fair Value zu ermöglichen.

Die gestiegene Volatilität und der Preisverfall an den Märkten werden eine unmittelbare Auswirkung auf die Fair Values haben, die mittel- oder unmittelbar aus von am Markt beobachtbaren Preisen hervorgehen. Grundsätzlich sollten sich auch Auswirkungen auf Fair Values ergeben, die anhand von internen Daten ermittelt werden, da diese mit den Annahmen der übrigen Marktteilnehmer im Einklang stehen sollen. 

Zur Erfassung von Wertminderungen sind erwartete Kreditverluste zu ermitteln. Da der Berechnung der erwarteten Kreditverluste eine umfassende Analyse vorausgeht, die sämtliche verfügbaren Informationen – inklusive makroökonomischer Faktoren – berücksichtigt, ist zu erwarten, dass Auswirkungen der Corona-Krise die Höhe der erwarteten Kreditverluste unmittelbar beeinflussen.

Sollte es als Resultat der Corona-Krise zu Vertragsneugestaltungen kommen, gilt es die Frage zu klären, inwiefern angesetzte finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten auszubuchen und als geänderter Vermögenswert beziehungsweise Verbindlichkeit neu zu aktivieren sind. Hierbei ist eine Gesamtbeurteilung vorzunehmen, die qualitative und quantitative Faktoren berücksichtigt.

Sind zukünftig hochwahrscheinlich auftretende Transaktionen in Cash-Flow-Hedges eingebettet, ist zu überprüfen, inwiefern noch mit einer Durchführung der Geschäfte gerechnet werden kann. Ist das Auftreten einer Transaktion nicht mehr hochwahrscheinlich, ist der Hedge prospektiv aufzulösen, wobei die Neubewertungsrücklage grundsätzlich unversehrt bleibt. Wird die Transaktion gar nicht mehr erwartet, ist die gebildete Neubewertungsrücklage dagegen in die Gewinn- und Verlustrechnung umzubuchen.

Die Auswirkungen der Corona-Krise haben unmittelbare Auswirkungen auf die für Rechnungslegungszwecke zu ermittelnden Fair Values. Fair Values können hierbei einerseits sowohl unmittelbar die Bewertung eines Vermögenswerts beeinflussen (bspw. bei der Fair Value-Bewertung von Finanzinstrumenten), als auch mittelbar (bspw. im Zusammenhang mit der Beurteilung einer eingetretenen Wertminderung). Die genauen Auswirkungen der Verwerfungen an den Kapitalmärkten für Bilanzierung und Bewertung in Jahres- und Konzernabschlüssen ebenso wie in unterjährigen Finanzreports sind genau zu analysieren. Hierbei wird zwischen kurzfristigen und langfristigen Effekten zu unterscheiden sein. Sicher ist jedoch, dass die Corona-Krise über die Fair Value-Bewertung unmittelbar in den Jahresabschlüssen der Unternehmen angekommen ist.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Advisory Valuation

OLG Düsseldorf vom 07.07.2022 (Az.: 26 W 13/18)

Das OLG Düsseldorf hat sich in seinem Beschluss vom 07.07.2022 (26 W 13/18) zur Bestimmung des Unternehmenswerts und in diesem Kontext zur Verwendbarkeit plausibler Ausschüttungsannahmen bei der Unternehmensbewertung geäußert. Dem OLG Düsseldorf folgend ist in der ewigen Rente grundsätzlich von typisierten Ausschüttungsannahmen auszugehen. Ausnahmen können sich aber im Zusammenhang...
Audit

E-DRÄS 13 vom DRSC veröffentlicht

Das DRSC hat im Januar 2023 E-DRÄS 13 veröffentlicht, der Änderungen an DRS 20 Konzernlagebericht sowie DRS 21 Kapitalflussrechnung enthält. Diese umfassen einerseits redaktionelle Anpassungen, sollen andererseits aber auch aufgetretene Anwenderfragen adressieren und Unklarheiten beseitigen. Die Kommentierungsfrist zu dem publizierten Entwurf endet am 28.04.2023. Mit E-DRÄS 13 hat das DRSC...
IT Audit Valuation Advisory Tax Legal Audit

Dr. Kleeberg & Partner GmbH erweitert Partnerkreis

Pressemitteilung München, 18.01.2023 Seit 01.01.2023 verstärken Lorenz Neu, Philipp Rinke und Dr. Hannes Zieglmaier als neue Partner die Dr. Kleeberg & Partner GmbH WPG StBG. Lorenz Neu verstärkt den Bereich Audit bei Kleeberg. Er hatte zuvor mehrere Jahre bei einer der Big Four gearbeitet und leitete anschließend den Bereich...
Tax Audit

Absetzung für Substanz­verringerung nach Erwerb eines Kies­vorkommens durch eine KG

Erwirbt eine Personengesellschaft von ihrem Gesellschafter einen Bodenschatz und hält das Anschaffungsgeschäft dem Fremdvergleich stand, so berechtigt der Anschaffungsvorgang auch zur Absetzung für Substanzverringerung. Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil IV R 25/19 vom 01.09.2022 folgende Leitsätze aufgestellt: 1. Ein zur Inanspruchnahme von Absetzungen für Substanzverringerung (AfS) berechtigender Anschaffungsvorgang liegt auch dann vor,...