News

Behand­lung von Leis­tun­gen aus dem steuer­lichen Ein­lagekonto

Auswirkungen auf die Anschaffungskosten von Anteilen an Kapitalgesellschaften

Die OFD Frankfurt hat mit Verfügung vom 16.06.2021 (S 2244 A-41-St 519) dazu Stellung genommen, wie sich Leistungen aus dem steuerlichen Einlagekonto gemäß § 27 KStG auf die Anschaffungskosten von Anteilen an Kapitalgesellschaften auswirken. Dabei geht es insbesondere um die Frage der Zuordnung beim Anteilserwerb zu verschiedenen Zeitpunkten.

Kommt es bei Gewinnausschüttungen von Kapitalgesellschaften auch zu Leistungen aus dem steuerlichen Einlagekonto nach § 27 KStG, so führen diese Leistungen nicht zu Einkünften aus Kapitalvermögen, mindern jedoch die Anschaffungskosten der Anteile, auf welche diese Ausschüttungen entfallen.

Beim späteren Anteilsverkauf sind die geminderten Anschaffungskosten bei der Ermittlung des Veräußerungsgewinns zu berücksichtigen. Übersteigen die Leistungen aus dem steuerlichen Einlagekonto gar die Anschaffungskosten der Anteile, entsteht bereits bei der Ausschüttung ein fiktiver Veräußerungsgewinn nach § 17 Abs. 4 EStG.

Werden Anteile an derselben Kapitalgesellschaft zu verschiedenen Zeitpunkten erworben, sind die Anschaffungskosten jeweils gesondert zu ermitteln und festzuhalten. Daher müssen bei Leistungen aus dem steuerlichen Einlagekonto diese ebenfalls gesondert fortentwickelt werden, da bei einzelnen Anteilen bereits ein fiktiver Veräußerungsgewinn nach § 17 Abs. 4 EStG entstanden sein kann, bei anderen hingegen noch nicht.

Beispiel 1:

Anteilserwerb zum 01.09.2010: 10 % für EUR 35.000 (Anteil 1)

Anteilserwerb zum 01.09.2011: 10 % für EUR 10.000 (Anteil 2)

Im VZ 2012 erfolgt eine Gewinnausschüttung mit Leistungen aus dem steuerlichen Einlagekonto in Höhe von EUR 25.000.

Pro Anteil mindern sich die Anschaffungskosten um EUR 12.500. Damit verbleiben bei Anteil 1 noch Anschaffungskosten in Höhe von EUR 22.500. Bei Anteil 2 werden die Anschaffungskosten vollständig verbraucht und es entsteht ein fiktiver Veräußerungsgewinn in Höhe von EUR 2.500, der dem Teileinkünfteverfahren unterliegt.

Beispiel 2:

Anteilserwerb zum 01.09.2010: 10 % für EUR 35.000 (Anteil 1)

Im VZ 2015 erfolgt eine Gewinnausschüttung mit Leistungen aus dem steuerlichen Einlagekonto in Höhe von EUR 100.000.

Anteilserwerb zum 01.01.2017: 15 % für EUR 125.000 (Anteil 2)

Im VZ 2017 erfolgt eine Gewinnausschüttung mit Leistungen aus dem steuerlichen Einlagekonto in Höhe von EUR 60.000.

Im VZ 2015 mindern sich die Anschaffungskosten des Anteils 1 auf EUR 0 (vollständiger Verbrauch der Anschaffungskosten!) und es entsteht ein fiktiver Veräußerungsgewinn in Höhe von EUR 65.000, der dem Teileinkünfteverfahren unterliegt.

Im VZ 2017 entfällt die Ausschüttung zu 40 % (10/25) auf den Anteil 1 (EUR 24.000) und zu 60 % (15/25) auf den Anteil 2 (EUR 36.000). Damit entsteht betreffend des Anteils 1 ein fiktiver Veräußerungsgewinn von EUR 24.000, der dem Teileinkünfteverfahren unterliegt, da die Anschaffungskosten bereits vollständig verbraucht sind. Betreffend des Anteils 2 verbleiben Anschaffungskosten in Höhe von EUR 89.000 (EUR 125.000 minus EUR 36.000).

Nach Auffassung der OFD scheidet eine vollständige Verrechnung der zweiten Ausschüttung im VZ 2017 mit den ausreichend hohen Anschaffungskosten der neu erworbenen Anteile aus. Dies ergäbe sich daraus, dass eine Ausschüttung stets auf alle Anteile entfällt. Eine Auswahl einzelner bestimmter Anteile solle ausscheiden.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Tax Audit

Teilwertabschreibung auf hybride Anleihen

Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte sich bei seinem Urteil XI R 36/20 mit der Frage auseinanderzusetzen, ob bei sogenannten börsennotierten hybriden Anleihen eine Teilwertabschreibung bei Überschreiten der sogenannten Bagatellgrenze zulässig ist. Urteil des BFH vom 23.08.2023 (XI R 36/20) zur Teilwertabschreibung auf sogenannte börsennotierte hybride Anleihen. Leitsatz:Bei börsennotierten verzinslichen Wertpapieren ohne feste Laufzeit, die von...
Audit Advisory Valuation

Hinweise zum Umgang mit Risiken aus der Entwicklung der Immobilienmärkte

Hinsichtlich negativer Entwicklungen an den Immobilienmärkten berichtet das IDW über mögliche Risiken aus der Bilanzierung insb. der Bewertung von Immobilien. Verkehrswertgutachten müssen unter den aktuellen Umständen mit besonderer Sorgfalt geprüft werden. Außerdem ergeben sich weitere Besonderheiten bei der Risikovorsorge von Kreditinstituten und bei der Bewertung von Kapitalanlagen in Immobilien....
Tax Advisory Legal

Einigung beim Wachstumschancengesetz in Aussicht

Ein Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens zum Wachstumschancengesetz ist in Sicht, aber immer noch nicht sicher. Am 09.02.2024 wurde in einer informellen Arbeitsgruppe eine vorläufige Einigung erzielt. Diese steht unter Vorbehalt, da die Union die Steuererhöhung des Agrardiesels verhindern will. Der Vermittlungsausschuss kommt am 21.02.2024 zusammen. Mit dem Wachstumschancengesetz plant die...
Tax Advisory Legal

Referentenentwurf zum Bürokratieentlastungsgesetz IV veröffentlicht

Die überbordende Demokratie in Deutschland hemmt seit geraumer Zeit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Ziel ist es daher, die Wirtschaft sowie die Bürgerinnen und Bürger vor Bürokratie zu entlasten. Mit dem Referentenentwurf zum Vierten Bürokratieentlastungsgesetz des BMJ liegen nun die geplanten Maßnahmen vor, mit denen der Gesetzgeber die Bürokratie sowie deren...