Der Germanwatch-Klimarisiko-Index 2026 bewertet rückblickend, wie stark Länder von Extremwetter betroffen sind – auf Basis menschlicher und wirtschaftlicher Schäden. Für Deutschland rücken vor allem Hitze, Starkregen/Überflutung und Stürme in den Fokus. Für Unternehmen heißt das: physische Risiken standort- und lieferkettenweit analysieren, doppelte Wesentlichkeit prüfen, Szenarioanalysen durchführen und gezielte Anpassungen planen – von Hitzeschutz über Überflutungsvorsorge bis Business Continuity und Versicherungsdeckung. Jetzt handeln und Resilienz sowie CSRD/ESRS-konformes Reporting stärken.
Germanwatch hat den Climate Risk Index (CRI) 2026 veröffentlicht. Der Index beschreibt rückblickend, wie stark Länder von klimabedingten Extremwetterereignissen betroffen waren. Er misst menschliche und wirtschaftliche Folgen – Todesopfer, betroffene Menschen und direkte Schäden, jeweils absolut und relativ – auf Basis der Datenbanken Emergency Events Database (EM-DAT), Weltbank und IWF. Seit 2023 gilt eine überarbeitete Methodik; zuvor stützte sich der CRI vorwiegend auf Munich Re’s NatCatSERVICE.
Für den Zeitraum 1995 – 2024 wurden über 9.700 Extremwetterereignisse mit mehr als 832.000 Todesopfern und über 4,5 Billionen US-Dollar an direkten Schäden erfasst. Besonders prägend waren Überschwemmungen, Stürme, Hitzewellen und Dürren. Diese Bilanz zeigt, dass physische Klimarisiken bereits heute realwirtschaftliche Spuren hinterlassen – und zwar in Wertschöpfungsketten, Standortbetrieb und Finanzierung.
Deutschland liegt im Langzeit-Ranking (1995 – 2024) auf Platz 29, in der Jahreswertung 2024 auf Rang 50. Als größte Wettergefahr gilt Hitze; prägende Episoden waren u. a. die Sommer 2003, 2022 und 2023. Hinzu kommen Starkregen und Fluten – prominent das Ahrtal 2021 – sowie Stürme. Für die Wirtschaft bedeutet das eine Verdichtung von Produktions- und Logistikausfällen, steigende Kühl- und Energielasten, höhere Anforderungen an Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie eine wachsende Exponierung gegenüber wasser- und infrastrukturbezogenen Unterbrechungen. Parallel reagieren Versicherer und Kapitalmärkte mit Anpassungen bei Prämien, Selbstbehalten und Kreditkonditionen; zugleich steigt der Druck, physische Risiken, Resilienzmaßnahmen und Zielpfade transparent offenzulegen – etwa im Rahmen von CSRD/ESRS (insb. ESRS E1) und ISSB/IFRS S2.
Praktisch heißt das: Unternehmen sollten ein systematisches Screening physischer Risiken über Standorte und kritische Lieferketten etablieren, historische Ereignisdaten mit lokalen Gefährdungskarten zusammenführen und standortbezogene Kennzahlen wie Hitzetage, Überflutungsflächen oder Windlasten ableiten. Darauf aufbauend lassen sich Szenarioanalysen entwickeln, Prioritäten und Investitionspläne festlegen und Anpassungsmaßnahmen finanzieren – von Verschattung, Kühlung und Hitzeschutz über Rückstau- und Notabflusslösungen bis zu Redundanzen in Energie, IT und Logistik. Ebenso wichtig sind aktualisierte Business-Continuity-Pläne, belastbare Frühwarn- und Alarmierungsprozesse und eine optimierte Versicherungsdeckung, gegebenenfalls mit parametrischen Bausteinen. Governance, Ziele und KPIs sollten schließlich in Strategie, Budget und CSRD- bzw. ISSB-konformes Reporting einfließen. Wer die CRI-Erkenntnisse jetzt in konkrete Maßnahmen übersetzt, reduziert Ausfallzeiten, schützt Bilanz und Reputation und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig.