Das World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) hat gemeinsam mit dem One Planet Network das Global Circularity Protocol for Business (GCP) veröffentlicht. Das freiwillige Rahmenwerk schließt die Lücke bei der Messung von zirkulärer Wertschöpfung und bietet Unternehmen einen klaren Prozess, um Materialflüsse zu analysieren, zirkuläre Geschäftsmodelle zu bewerten und Kennzahlen in Strategie und Berichterstattung zu integrieren.
Das World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) hat in der vergangenen Woche gemeinsam mit dem One Planet Network und unter der Schirmherrschaft des United Nations Environment Programme (UNEP), das Global Circularity Protocol for Business (GCP) in Version 1.0 veröffentlicht. Das GCP ist ein freiwilliges, globales Rahmenwerk, das Unternehmen eine standardisierte Vorgehensweise bietet, um ihre zirkuläre Leistung zu messen, zu steuern und gegenüber Stakeholdern zu kommunizieren.
Was ist das GCP – und welches Problem adressiert es?
Bislang fehlte ein weltweit abgestimmter Standard, der Zirkularität ähnlich präzise abbildet wie das Greenhouse Gas Protocol die Treibhausgasbilanz. Gleichzeitig treiben Rohstoffentnahme und -verarbeitung über die Hälfte der globalen Treibhausgasemissionen sowie einen Großteil des Biodiversitätsverlusts und Wasserstresses.
Das GCP adressiert genau diese Lücke: Es schafft eine einheitliche „Sprache“ und pragmatische Methodik für Materialflüsse und zirkuläre Geschäftsmodelle, sodass Unternehmen Risiken, Chancen und Auswirkungen der eigenen Ressourcennutzung systematisch erfassen und steuern können.
Was beinhaltet das GCP?
Das Protokoll führt Unternehmen durch einen fünfstufigen Prozess:
- Frame – Ziele und Anwendungsfall definieren,
- Prepare – Systemgrenzen, Wertschöpfungsketten und wesentliche Materialien festlegen,
- Measure – Indikatoren auswählen, Daten erheben und Kennzahlen berechnen,
- Manage – Ergebnisse analysieren, Maßnahmen priorisieren und Governance verankern,
- Communicate – zirkuläre Performance strukturiert nach außen berichten.
Dabei arbeitet das GCP mit standardisierten Scopes für Materialflüsse und einem Set von Kernindikatoren, die von ersten Pilotbewertungen (Level „Initiation“) bis hin zu umfassenden, unternehmensweiten Analysen (Level „Consolidation“) eingesetzt werden können.
Worin unterscheidet sich das GCP von anderen Rahmenwerken?
Das GCP ist kein zusätzlicher Parallelstandard, sondern ein fachlich fokussiertes Circular Economy-Rahmenwerk, das bewusst interoperabel mit bestehenden Normen und Reporting-Anforderungen angelegt ist. Es baut auf den Circular Transition Indicators (CTI) des WBCSD auf und ist mit GRI, ISO 59020, ESRS (u.a. ESRS E5), IFRS S1/S2 sowie dem GHG Protocol abgestimmt.
Damit wird Zirkularität quantitativ anschlussfähig an bestehende ESG- und Finanzberichterstattung – ein wesentlicher Unterschied zu vielen bisherigen, eher konzeptionellen oder sektorspezifischen Ansätzen.
Für wen ist das GCP gedacht?
Das GCP richtet sich an Organisationen aller Größen, Branchen und Regionen – von KMU bis zu multinationalen Konzernen – und kann auf Material-, Produkt- oder Organisationsebene angewendet werden. Gleichzeitig liefert es investoren- und aufsichtsrelevante Informationen, welche die Kapitalallokation in zirkuläre Geschäftsmodelle erleichtern sollen.
Was können Unternehmen jetzt tun?
Unternehmen, die ihre Kreislaufwirtschaftsstrategie konkret weiterentwickeln wollen, können jetzt:
- das GCP herunterladen und einen ersten Anwendungsfall definieren (z.B. ein kritisches Material, ein Produktportfolio oder eine Business Unit),
- Wertschöpfungsketten und Materialflüsse kartieren, um Hotspots und Risiken im Ressourceneinsatz zu identifizieren,
- Kernindikatoren zur zirkulären Wertschöpfung (z.B. zirkuläre In- und Outflows, Materialintensität) erheben und mit bestehenden Reporting-Prozessen verknüpfen,
- einen stufenweisen Fahrplan entwickeln – vom Einstieg (Initiation) hin zu umfassender Steuerung und Berichterstattung.
Damit bietet das GCP Unternehmen einen pragmatischen Einstieg, um zirkuläre Wertschöpfung messbar zu machen – und sie zugleich als strategischen Hebel für Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz zu nutzen.