News

FG Hamburg: steuerliche Bewertung von Goldvorräten im Anlagevermögen

Das FG Hamburg entschied in seinem Urteil vom 03.06.2020 (5 K 20/19; anhängig BFH XI B 32/20) darüber, wann eine zuvor vorgenommene Teilwertabschreibung auf im Anlagevermögen gehaltene Goldvorräte nach § 253 Abs. 5 HGB und § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG wieder aufzulösen und auf einen gegebenenfalls höheren Teilwert abzustellen ist. Demnach muss jedes Jahr erneut geprüft werden, ob der angesetzte Teilwert unterhalb der Anschaffungskosten gerechtfertigt ist.

Bezugspunkt für die Prüfung sind die Anschaffungskosten und nicht der zuvor angesetzte Teilwert. Im Ergebnis ist eine Wertaufholung auch dann vorzunehmen, wenn ein neuer, höherer Teilwert selbst nicht voraussichtlich dauerhaft ist, wenn insgesamt erwartet wird, dass die Anschaffungskosten dauerhaft unterschritten sein werden.

Im vorliegenden Fall nahm der Kläger in drei aufeinanderfolgenden Jahren Teilwertabschreibungen auf seine im Anlagevermögen gehaltenen Goldvorräte vor. Den resultierenden Teilwert behielt er bei, auch als der Börsenkurs des Golds sich um 11 % gegenüber dem Vorjahr erholt hatte. Begründung hierfür war, dass ein voraussichtlich dauerhafter Wertzuwachs für eine Wertaufholung notwendig sei und dieser aufgrund der derzeitigen Preisvolatilität des Golds nicht gegeben sei. Aus diesem Grund müsse eine langfristige Betrachtung unter Hinzunahme der Preisentwicklung nach dem Bilanzstichtag als werterhellende Tatsache berücksichtigt werden.

Dem widersprach das FG Hamburg nun in seinem Urteil und betonte, dass Ausgangspunkt der Teilwertermittlung stets die ursprünglichen Anschaffungskosten und nicht Buchwerte (und damit fortgeführte Anschaffungskosten) seien. Eine dauerhafte Werterholung ist deshalb für die zwingende Vornahme einer Teilwertabschreibung nicht zu fordern. Vielmehr sei in dem Fall, in dem ein höherer, weiterhin unter den Anschaffungskosten liegender Teilwert zur Frage steht, darauf abzustellen, ob zukünftige Teilwerte dauerhaft unter den Anschaffungskosten liegen. Die Dauerhaftigkeit des individuellen (Punkt-)Teilwerts sei hierbei nicht von Belang. Insbesondere seien Kursbewegungen nach dem Bilanzstichtag als wertbegründende Tatsachen und für den Bilanzstichtag als irrelevant einzustufen. Die Beurteilung der Teilwertabschreibung hat damit jeweils allein stichtagsbezogen zu erfolgen.

Im Ergebnis muss nach Meinung des FG Hamburg jedes Jahr überprüft werden, ob der Wert dauerhaft unter die Anschaffungskosten gesunken ist. Sollte dies der Fall sein, kann der Teilwert grundsätzlich auf Grundlage des Börsenkurses bestimmt werden. Der Teilwert an sich muss hierbei hinsichtlich seiner Höhe nicht voraussichtlich dauerhaft sein, sodass sich auch voraussichtlich nicht dauerhafte Werterholungen ergeben können, solange davon ausgegangen wird, dass die Anschaffungskosten dauerhaft unterschritten sind. Damit können sich nach einmal vorgenommener Teilwertabschreibung bei entsprechend kurzfristig volatilen Märkten grundsätzlich wesentliche Wertaufholungen ergeben.

Das Verfahren ist nun beim BFH anhängig und noch nicht rechtskräftig.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Advisory Valuation

EZB und FED erhöhen erneut ihre Leitzinsen

Das Jahr 2022 war aus geldpolitischer Sicht ein Jahr der Leitzinserhöhungen. Die Notenbanken haben insbesondere in der zweiten Jahreshälfte die Leitzinsen vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Inflation kräftig erhöht. Die FED erhöhte im Jahr 2022 den Leitzins insgesamt sieben Mal während die EZB ebenfalls von ihrer langanhaltenden Niedrigzinspolitik...
Advisory Valuation

Basiszinssatz nach IDW S 1 bleibt zum 01.02.2023 bei 2,00 %

Der Basiszinssatz nach IDW S 1 bleibt zum 01.02.2023 mit 2,00 % konstant im Vergleich zum Vormonat. Im Vergleich zum Vormonat sinkt der ungerundete Basiszins jedoch leicht von 2,0399 % (01.01.2023) auf 1,9966 % (01.02.2023). Der für Bewertungszwecke relevante Basiszinssatz ist im Jahr 2022 sehr stark von 0,10 % zum...
Advisory Valuation

Basiszinssatz

Basiszinssätze nach IDW S 1 i. d. F. 2008 Die folgende Tabelle stellt die Basiszinssätze für Unternehmens­bewertungen nach IDW S 1 i. d. F. 2008 bzw. IDW RS HFA 10 für Bewertungsstichtage, beginnend ab 01.11.2017, dar. Die Zinssätze wurden gemäß Vorgaben des IDW (vgl. WPH Edition, Bewertung und Transaktionsberatung,...
Advisory Valuation

OLG Düsseldorf vom 07.07.2022 (Az.: 26 W 13/18)

Das OLG Düsseldorf hat sich in seinem Beschluss vom 07.07.2022 (26 W 13/18) zur Bestimmung des Unternehmenswerts und in diesem Kontext zur Verwendbarkeit plausibler Ausschüttungsannahmen bei der Unternehmensbewertung geäußert. Dem OLG Düsseldorf folgend ist in der ewigen Rente grundsätzlich von typisierten Ausschüttungsannahmen auszugehen. Ausnahmen können sich aber im Zusammenhang...