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IDW Positionspapier „Die neue Mobilität“

Im Februar 2020 erschien das letzte Positionspapier des IDW zum Automobilsektor. Grund für die aktuelle 2. Auflage mit Stand vom 08.09.2022 liegt nach Ansicht des IDW in der enormen Veränderung der Welt, insbesondere im Automobilsektor, die aufgrund der Corona-Pandemie entstand. In dem nun veröffentlichten Positionspapier versucht das IDW ein neues Koordinatensystem für die Automobilindustrie zu erstellen und in ihren Aspekten zu analysieren. Hierbei wird auf drei Entwicklungen eingegangen, die jeweils die Möglichkeit besitzen die Branchen tiefgreifend zu verändern.

Die Erfindung des Automobils markiert den Beginn einer Branche, die sich mittlerweile zu einem der wichtigsten Faktoren für die deutsche Wirtschaft entwickelt hat. Aufgrund der enormen Veränderung der Welt, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, hat das IDW ein neues Koordinatensystem für die Automobilindustrie entwickelt. Das Koordinatensystem beinhaltet drei essenzielle Bestimmungsachsen, diese sind die Dekarbonisierung, die Digitalisierung und die Deglobalisierung.

Dekarbonisierung:

Weltweit kommt es immer mehr zu einem nachhaltigen Wirtschaften mit besonderem Fokus auf Klimarisiken. Dies kann von internationalen Organisationen, nationalen Regierungen, der Zivilgesellschaft und nicht zuletzt von den Unternehmen selbst ausgehen. Die Automobilindustrie ist beispielsweise besonders stark von Klima-Verordnungen der Regierungen betroffen. Bis dato haben die großen deutschen Automobilkonzerne mehrere Milliarden Euro in die Entwicklung der Elektromobilität investiert, um die Auflagen der Regierungen einhalten zu können.

Nach der Auffassung des IDW kommt es in Bezug auf die Dekarbonisierung zu einem Ungleichgewicht. Durch die europäische Union und die deutsche Bundesregierung werden beispielsweise hohe Auflagen in Bezug auf die Klima-Verordnung erlassen, aber im Gegenzug zu wenig gefördert. Das IDW schlägt hierbei eine Förderpolitik zur Kompensierung des Verlusts an Arbeitsplätzen durch die Umstellung hin zu reinen Elektrofahrzeugen vor. Dabei könnte dies durch neue qualifizierte Arbeitsplätze, insbesondere bei mittelständischen Betrieben und in technologie-intensiven Bereichen geschehen.

Digitalisierung:

Im Rahmen der Digitalisierung ist seit einiger Zeit ein starker Wettbewerb um das optimale Betriebssystem für das Auto zwischen den traditionellen Automobilunternehmen und den großen Tech-Konzernen im Gange. Hierbei sehen Kenner der Branche eine große Gefahr auf die traditionellen Hersteller zukommen. Die Hersteller könnten nach Aussage dieser nur noch zu einem Lieferanten der austauschbaren Hardware werden und Tech-Konzerne die Mobilität von morgen dominieren.

Aus der eben beschriebenen Entwicklung ergeben sich nach der Auffassung des IDW Fragestellungen zur Tragfähigkeit und Robustheit in Bezug auf die Themen Vulnerabilität und Vertrauen in digitale Systeme sowie nach Versicherungsaspekten. Als Beispiel wird in dem Positionspapier die Frage nach Versicherungsaspekten bei autonomem Fahren genannt. Das IDW kommt zu dem Schluss, dass die Themen sowohl eine politische als auch eine ethische, technologische und kommerzielle Tragweite haben, die zwingend beantwortet werden müssen.

Deglobalisierung:

Seit geraumer Zeit bestehen Tendenzen, die Globalisierung zu mäßigen oder „zurückzudrehen“. Es ist hierbei absehbar, dass die Weltwirtschaft der Zukunft wieder stärker regional ausgerichtet sein wird als dies zuletzt der Fall war.

Als Beispiel werden in dem Positionspapier weltweite Lieferketten als eine Schwachstelle der Globalisierung genannt. Die Automobilhersteller stehen in letzter Zeit vermehrt vor akuten Nachschubproblemen – zuletzt kam es beispielsweise aufgrund von Engpässen in der Halbleiterlieferkette zu temporären Werksstilllegungen und zu einem massiven Produktionsrückgang. Nach Auffassung des IDW müssen internationale Unternehmen in den kommenden Jahren sowohl die Lieferkettenstruktur anpassen und auf Marktveränderungen reagieren, um jegliche Engpässe zu vermeiden.

Fazit

Das IDW kommt in seinem Positionspapier zu dem Schluss, dass durch die oben aufgeführten Punkte (Dekarbonisierung, Digitalisierung und Deglobalisierung) eine große Herausforderung auf die Automobilhersteller zugekommen ist und diese mit enormen Investitionskosten und betriebswirtschaftlichen Risiken in Verbindung stehen. Diese Veränderung stellt den größten Umbruch seit Erfindung des Automobils dar. Aus der Sicht des IDW ist es folglich essenziell, dass ein politischer Diskurs Zustimmung findet, ob die Entwicklung des Automobilsektors mit Maßnahmen des Staats begleitet werden kann. Dabei könnten staatliche Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie beibehalten oder sogar noch verstärken.

Die Herausforderung der „Neuen Mobilität“ kann daher nur erfolgreich mit einer gesamten Zustimmung der Gesellschaft von statten gehen, sie muss dabei weiterhin auch für einkommensschwache Haushalte zugänglich sein und den Wegfall der Arbeitsplätze kompensieren.

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