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Physische Klimarisiken werden für Unternehmen zur Kostenfrage

KfW-Klimabarometer 2025: Jedes fünfte Unternehmen in Deutschland spürt negative Folgen des Klimawandels

Eine Sonderauswertung des KfW-Klimabarometers der Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) zeigt: Bereits 21 Prozent der Unternehmen in Deutschland – rund 800.000 Betriebe – spüren negative Folgen des Klimawandels, unter Großunternehmen sind es sogar 74 Prozent. Steigende physische Klimarisiken werden damit zu einem konkreten Faktor für Kostenstruktur, Versorgungssicherheit und Berichterstattung.

Eine aktuelle Sonderauswertung des KfW-Klimabarometers der Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) zeigt, wie unmittelbar der Klimawandel inzwischen auf die deutsche Wirtschaft wirkt (KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 542, 08.04.2026). Grundlage ist die vierte Erhebungswelle der jährlichen Unternehmensbefragung, an der sich rund 13.300 Unternehmen beteiligt haben.

Insgesamt geben rund 21 % der Unternehmen in Deutschland – hochgerechnet etwa 800.000 Betriebe – an, zumindest teilweise von den negativen Folgen des Klimawandels betroffen zu sein. Die Betroffenheit steigt deutlich mit der Unternehmensgröße: Während unter Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten nur 19 % betroffen sind, sind es unter größeren Mittelständlern mit mehr als 50 Beschäftigten (aber weniger als 500 Millionen Euro Umsatz) bereits 42 % und unter Großunternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz mehr als 70 %. Bei den Großunternehmen ist dieser Anteil binnen eines Jahres um 13 Prozentpunkte gestiegen. Ein wesentlicher Grund für den stärkeren Anstieg der Betroffenheit bei Großunternehmen ist die höhere internationale Verflechtung: Größere Unternehmen sind über Lieferketten und Absatzmärkte enger eingebunden und werden daher auch von Extremwetterereignissen in weit entfernten Regionen getroffen.

Auch zwischen den Branchen zeigen sich Unterschiede. Im verarbeitenden Gewerbe berichten 28 % der Unternehmen von negativen Folgen, im Handel 23 %, im Baugewerbe und im Dienstleistungssektor jeweils 18 %. Überdurchschnittlich betroffen sind Unternehmen der Energieversorgung sowie der Land- und Forstwirtschaft; letztere ist unmittelbar von Witterung, Ernteerträgen und der Gesundheit der Wälder abhängig. Besonders exponiert sind zudem energieintensive Betriebe: Bei einem Energieanteil von 10 % oder mehr an den Gesamtkosten geben 31 % eine Betroffenheit an – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Wie konkret die Folgen ausfallen können, zeigten die trockenen Sommer 2022 und 2025: Niedrige Flusspegel – etwa am Rhein – ließen nur noch reduzierte Ladungen zu, sodass weniger Güter und Energieträger ihre Bestimmungsorte erreichten. Thermische Kraftwerke und Wasserkraftwerke waren durch hohe Wassertemperaturen und niedrige Pegel in ihrer Leistung eingeschränkt, ebenso industrielle Kühlprozesse. Neben solchen direkten Beeinträchtigungen gewinnen auch indirekte Effekte an Bedeutung, zum Beispiel durch Störungen der Energie- und Transportinfrastruktur sowie Störungen in globalen Lieferketten.

Der wirtschaftliche Hintergrund ist erheblich: Weltweit summierten sich die Schäden durch klimabedingte Katastrophen zwischen 2000 und 2024 auf über 3,8 Billionen US-Dollar und haben sich damit nachweislich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Mehr als die Hälfte der entstandenen Schäden entfiel auf Stürme, gut ein Viertel auf Überschwemmungen. Allein für Deutschland beziffert die Europäische Umweltagentur die extremwetterbedingten Vermögensschäden zwischen 1980 und 2023 auf etwa 180 Milliarden Euro. Wesentliche Schadenstreiber sind hierzulande laut einer Studie, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums für den Zeitraum 2000 bis 2021 durchgeführt wurde, Hochwasser- und Starkregenereignisse, Hitze und Dürre sowie Sturm, Hagel und Schnee; allein die Sturzfluten und Überschwemmungen im Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verursachten über 40 Milliarden Euro an Kosten.

Über die direkten Sachschäden hinaus bergen die Folgen des Klimawandels weitere Risiken für Unternehmen – höhere Kosten, größere Unsicherheit und eine geringere wirtschaftliche Dynamik; ein ungebremster Klimawandel gilt auch für Deutschland als erhebliches Risiko für den künftigen wirtschaftlichen Wohlstand. Neben ambitioniertem Klimaschutz rückt daher die frühzeitige Anpassung in den Vordergrund. Zudem bietet die klimabezogene Risikoanalyse einen strukturierten Weg, die eigene Betroffenheit fortlaufend zu beobachten. Berichtspflichtige Unternehmen erfassen physische Risiken und Transitionsrisiken im Rahmen der European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Für kleinere und mittlere Unternehmen außerhalb der Berichtspflicht bietet der freiwillige Voluntary Standard (VS) einen verhältnismäßigen Rahmen, dessen umfassendes Modul eine eigene Angabe zu Klimarisiken enthält. So lässt sich die Betroffenheit – einschließlich der Folgewirkungen entlang der Wertschöpfungskette – regelmäßig erfassen, bewerten und als Grundlage für gezielte Anpassungsmaßnahmen nutzen.

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