Nach mehreren Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte 2025 legte die FED bis September 2026 eine Zinspause ein. Die FED begründete die Zinspause mit ungewissen Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft und mit der Selbstregulierung der Finanzmärkte. Im September 2026 reagiert die FED nun auf die seit Frühjahr 2026 deutlich angestiegenen Inflationsraten mit einer Erhöhung der Leitzinsen um 0,25 % auf 3,75 % bis 4,00 %.
Das makroökonomische Umfeld in den Jahren 2022 bis 2024 war durch die wirtschaftlichen und geopolitischen Ereignisse, insbesondere durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, geprägt. Auf die im Jahr 2022 hohe Inflation von in der Spitze ca. 9,10 % reagierte die US-amerikanische Zentralbank FED in den Jahren 2022 und 2023 mit mehreren Leitzinserhöhungen auf ein Niveau von bis zu 5,25 % bis 5,50 %. Nachdem die Inflation im Jahr 2024 wieder sank und die Arbeitslosenzahlen zunahmen, senkte die FED ihren Leitzins im Jahr 2024 deutlich. Nach einer langen Zinspause im Jahr 2025, die bis September 2025 anhielt, senkte die FED ihren Leitzins erneut in mehreren Schritten (letztmals im Dezember 2025) auf eine Zinsspanne zwischen 3,50 % und 3,75 %. Nach fünf Zinspausen in Folge hat die FED im September 2026 verkündet, die Leitzinsen um 0,25 % auf eine Spanne zwischen 3,75 % und 4,00 % anzuheben. Hintergrund sind die seit Frühjahr 2026 deutlich über dem Inflationsziel der FED liegenden Inflationsraten und der zuletzt stabile Arbeitsmarkt in den USA.
Nachdem das Inflationsgeschehen in den USA von 2,70 % im Dezember 2025 auf 2,40 % im Januar und Februar 2026 sank, hat der Anfang März 2026 begonnene Iran-Krieg einen neuen Inflationsschub erzeugt, unter anderem aufgrund der zwischenzeitlich stark gestiegenen Ölpreise. Im Mai 2026 lag die allgemeine Inflationsrate bei 4,20 % und sank im August 2026 auf 3,40 %. Das Inflationsziel der FED liegt, wie bei der EZB, langfristig bei 2,00 %. Die aktuelle Erhöhung der Leitzinsen durch die FED soll nun helfen, eine schnellere Rückkehr zum Inflationsziel der FED i. H. v. 2,00 % zu erreichen. Die FED stellt sich somit gegen die Forderung des US-Präsidenten Donald Trump nach niedrigeren Zinsen und fokussiert stattdessen die Gewährleistung stabiler Preise. Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und der damit weiterhin erhöhten Öl- und Gaspreise bleibt die Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten nach wie vor hoch.
Durch die nach der Zinserhöhung höheren Zinsen, wird die Aufnahme von Krediten für Privatpersonen, um beispielsweise Immobilien oder Konsumgüter zu erwerben, teurer. Zudem erschweren teurere Kredite Unternehmen die Umsetzung geplanter Investitionen und Expansionen, wodurch insgesamt eine schwächere gesamtwirtschaftliche Nachfrage erreicht wird. In der Folge ist es für Unternehmen schwieriger Preiserhöhungen durchzusetzen, was den allgemeinen Preisauftrieb, gemessen an der Inflationsrate, dämpft.
Aufgrund des wieder ansteigenden Inflationsgeschehens im Juli 2026 als Folge der Wiederaufnahme von Kampfhandlungen im Iran-Krieg war die aktuelle Zinserhöhung im September 2026 von Analysten erwartet worden. Für das Gesamtjahr 2026 wurden Anfang Februar ursprünglich zwei Zinsschritte der FED nach unten prognostiziert. Noch Ende März, also nach dem Beginn des Iran-Krieges wurde für das Jahr 2026 noch mit einer Zinssenkung gerechnet.
Der für Unternehmensbewertungen relevante Basiszinssatz stieg im Verlauf des bisherigen Jahres 2026 ebenfalls kontinuierlich von gerundet 3,25 % im Februar 2025 auf 3,75 % im September 2026 an. Der Basiszinssatz wird kapitalmarktorientiert abgeleitet, daher werden die aktuellen und künftigen Zinssatzanpassungen der führenden Notenbanken wie FED und EZB mittelbar auch Auswirkungen auf den Basiszinssatz haben.
Im Unterschied zu den Leitzinsen der Notenbanken dient der Basiszinssatz nach IDW S 1 als Grundlage für die Diskontierung zukünftiger Cashflows im Rahmen von Unternehmensbewertungen. Eine Änderung des Basiszinssatzes nach IDW S 1 hat relevante Auswirkungen auf Unternehmenswerte. Steigt das allgemeine Zinsniveau, dürfte dies auch einen steigenden Basiszinssatz und damit tendenziell bei ansonsten unveränderten Bedingungen sinkende Unternehmenswerte zur Folge haben.
Im Ergebnis ist die weitere Zinsentwicklung für das restliche Jahr 2026 noch nicht abschätzbar. Wenn das allgemeine Zinsniveau weiter steigt, dürfte dies die Kapitalkosten der Unternehmen in der Weise beeinflussen, dass auch diese weiter steigen könnten. In der Folge würden dann bei ansonsten unveränderten Bewertungsparametern die Unternehmenswerte sinken und etwaige Wertminderungsrisiken zunehmen.