News

IBOR-Reform: Phase 2 des Projekts abgeschlossen

Ende August 2020 hat das IASB Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 sowie einigen anderen betroffenen Standards veröffentlicht und damit die Phase 2 des Projekts zur sogenannten IBOR-Reform (IBOR Reform and its Effects on Financial Reporting) beendet. Die Änderungen sollen die Bilanzierung während der IBOR-Reformerleichtern und sind für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2021 beginnen, verpflichtend anzuwenden.

Aufgrund der negativen Erfahrungen mit Referenzzinssätzen in der Finanzkrise wurden im Rahmen der sogenannten IBOR-Reform die bestehenden Referenzzinssätze durch Einführung risikoloser Referenzzinssätze abgelöst. Aus dem Übergang auf die neuen Zinssätze resultierten Unsicherheiten bei der Anwendung der betroffenen IFRS-Regelungen, die das IASB in zwei Arten von Auswirkungen differenzierte: Auswirkungen vor dem eigentlichen Ersatz des Referenzzinssatzes, die Gegenstand der Phase 1 des entsprechenden Projekts waren, sowie Auswirkungen im Zusammenhang mit dem Austausch, die in der Phase 2 adressiert wurden. 

Im April 2020 hatte das IASB den Exposure Draft ED/2020/1 zur zweiten Phase des Projekts im Zusammenhang mit der IBOR-Reform veröffentlicht. Ende August wurden die beschlossenen Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 sowie einigen anderen IFRS – wie IFRS 16, IFRS 4 und IFRS 7 – publiziert, die sich mit den unmittelbaren Folgen von Vertragsanpassungen sowie mit Folgefragen im Hinblick auf das Hedge Accounting nach IAS 39 bzw. IFRS 9 befassen. 

Dabei erfolgt unter anderem eine Klarstellung, dass eine Änderung der Ermittlung vertraglicher Zahlungsströme infolge der IBOR-Reform eine Modifikation darstellen kann, auch wenn sich keine vertraglichen Bedingungen ändern. Weiterhin werden Erleichterungen geschaffen, gemäß denen für Barwertänderungen aufgrund des Übergangs auf die neuen Referenzzinssätze IFRS 9.B5.4.5 anwendbar ist. Da eine Änderung des Referenzzinssatzes nur eine begrenzte Änderung der dokumentierten Sicherungsbeziehung darstellt und deshalb nicht deren Auflösung bedingt, besteht unter Umständen die Möglichkeit der Fortführung bilanzieller Sicherungsbeziehungen (Hedge Accounting) nach Übergang auf die neuen Referenzzinssätze. Da nach Ansicht des IASB IFRS 9 diesbezüglich hinreichend klar ist, erfolgten keine Änderungen hinsichtlich der Ausbuchung, der Bestimmung des Geschäftsmodells, des sogenannten SPPI-Tests und der Ermittlung von erwarteten Kreditverlusten.

Als verpflichtender Erstanwendungszeitpunkt der Neuregelungen ist seitens des IASB der 01.01.2021 festgelegt; auf europäischer Ebene ist das Ergebnis der Prüfung im Rahmen des Endorsement-Verfahrens noch abzuwarten.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Audit

Umsatz­realisie­rung beim Werk­lieferungs­vertrag

Das IDW befasst sich mit dem Fall eines Werklieferungsvertrags über eine herzustellende Maschine mit Montageverpflichtung und gibt Hinweise zu folgenden Fragestellungen: Ist in solchen Fällen im handelsrechtlichen Jahresabschluss eine Umsatzrealisierung des Gesamtauftrags bereits bei Lieferung der Maschine zulässig? Und sind bei der Bildung einer Rückstellung für die noch ausstehenden...
Audit

Zweifels­fragen bei der bilanzi­ellen Abbil­dung von Reverse-Factoring-Trans­aktionen

Der Modulentwurf IAS 1- M1 beschäftigt sich mit den Zweifelsfragen bei der bilanziellen Abbildung von Reverse-Factoring-Transaktionen nach IFRS. Im Dezember 2020 veröffentlichte das IFRS IC die Agendaentscheidung „Supply Chain Financing Arrangements – Reverse Factoring“. Diese Agendaentscheidung des IFRS IC wurde vom IDW gewürdigt und im Rahmen des Entwurfs eines...
Audit Tax

Zweifels­fragen bei der An­wen­dung des Buch­wert­fortführungs­gebots nach § 6 Abs. 3 EStG

Das BMF hat im Hinblick auf die Entwicklung der Rechtsprechung seine Verwaltungsanweisungen zu Zweifelsfragen bei der Anwendung des Buchwertfortführungsgebots nach § 6 Abs. 3 EStG für Fälle der Mitunternehmeranteilsübertragung ohne funktional wesentliche Wirtschaftsgüter des Sonderbetriebsvermögens aktualisiert und ergänzt. Durch das BMF wurden mit Schreiben vom 05.05.2021, DStR 2021, 1112 folgende...
Advisory Audit

IDW S 7: Anpas­sung an § 102 StaRUG und die ISA [DE]

IDW S 7 integriert in Tz. 29 den Wortlaut des zum 01.01.2021 in Kraft getretenen § 102 StaRUG und weist auf die entsprechende Verpflichtung hin, bereits bei Erstellung eines Jahresabschlusses für einen Mandanten auf Vorliegen eines möglichen Insolvenzgrundes nach den §§ 17-19 InsO sowie auf die damit einhergehenden Pflichten...